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Regio Abend mit Präsentationen Wiederansiedlung der Lachse & Jahresrückblick 2015


Für den 14.01.2016 hatte ich zu einem Regio Abend mit Jahresrückblick und einem Vortrag über die "Wiederansiedlung der Lachse" im Rhein und seinen Nebenfüssen in die Blaue Adria nach Schwanheim eingeladen. Von den 58 angemeldeten Mitgliedern haben an diesem Abend 48 Mitglieder an der Veranstaltung teilgenommen.
Gegen 16:15 habe ich mit meinem Vortrag über die Lachse begonnen, anschließend hatte ich noch einen Jahresrückblick über unsere Veranstaltungen in 2015 in Form einer Power Point Präsentation gezeigt.

Rückkehr
Foto: nina364
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Foto: nina 364

Die IG-Lahn


Die IG-Lahn wurde auf Initiative der Fischereivereine Niederlahnstein, Nassau und Weilburg als länderübergreifende Interessenvereinigung von Fischereivereinen und anderer Naturschutzgruppen im November 1985 gegründet, seit Juli 1992 ist die IG-Lahn ein eingetragener Verein.

Der Verein besteht aus 43 Vereinen und Arbeitsgruppen mit mehr als 8500 Einzelmitgliedern; folgende Verbände sind kooperative Mitglieder: VHSF und VDSF (LV Rheinland-Pfalz).

Die IG-Lahn hat sich zur Aufgabe die "Wiederansiedlung der Lachse" in der Lahn und ihren Nebenflüssen gemacht.


Als anadromer Wanderfisch zieht der erwachsene Lachs sehr zielgenau vom Meer an seinen Geburtsort, den meist in den Oberläufen gelegenen kiesreichen Strecken, zurück. Dort findet je nach Stamm in der Zeit von Oktober bis Januar der Laichvorgang statt. Der Laich wird in von den Weibchen geschlagenen Gruben abgelegt . Dort verbleibt der Laich im Kieslückensystem. Nach 490 Tagesgraden schlüpft die Brut und begibt sich zunächst noch tiefer in das Kieslückensystem. Bis einschließlich zu dieser Phase ist eine sehr gute Sauerstoffversorgung notwendig. Dies ist in den meisten Gewässern in Deutschland heute der kritische Zeitpunkt. Nach Verzehr des Dottersackes streben die Brütlinge (fry) in die oberen Schichten des Lückensystems und werden einjährig 'Parr' genannt. Im 2. Jahr im Süßwasser erfolgt in der Regel die Smoltifizierung, die die Abwanderbereitschaft Richtung Meer anzeigt. Nach einem Seewinter im Meer wird der heranwachsende Lachs Grils genannt. Mitunter kehren in dieser Phase die ersten Fische zum Laichen an Ihren Geburtsort zurück. In der Regel nach 2 oder mehr Seewintern kehren die laichreifen Lachse sehr punktgenau (+ - 50m) an den Ort Ihrer Geburt zurück wenn Ihnen der Weg nicht verwehrt ist.

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Der Lebenszyklus der Lachse

Lachsprogramm des Landes Hessen


Das Gewässersystem der Lahn zählt zum ursprünglichen Verbreitungsgebiet des Atlantischen Lachses. Die Population ist jedoch aufgrund einer Vielzahl an Wanderhindernissen und Ausbaumaßnahmen seit rund 300 Jahren erloschen. Als potenzielles Lachs-Wiederansiedlungsgewässer ist die Lahn seit 1994 Bestandteil des internationalen Projektes LACHS 2000 (heute: LACHS 2020), das die Wiederansiedlung des Lachses (und anderer Langdistanz-Wanderfische) zum Aufbau von sich selbst erhaltenden Populationen im Gewässersystem des Rheins anstrebt. Grundlage war das zunächst bis zum Jahr 2000 ausgerichtete „Aktionsprogramm Rhein“. Als bereits bestehende europäische Institution wurde die IKSR, die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins vor Verunreinigung, mit der Koordinierung betraut. Als ein Teilziel des Aktionsprogramms wurde festgelegt, dass früher vorhandene höhere Arten - wie etwa der Lachs - im Rheinsystem wieder heimisch werden sollen.
Mehr info hier


Hier auf der Karte ist der gesamte Verlauf der Lahn
245,6 km abgebildet. Die Lahn ist der rechte und östliche Nebenfluss des Rheins in Deutschland.
Sie fließt durch Nordrhein-Westfalen (23,0 km ab der Quelle), Hessen (165,6 km) und Rheinland-Pfalz (57,0 km bis zur Mündung).
Bei Km 55 befindet sich Aumenau.

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Foto: Mutzje


Das Problem der Lachse, die die Lahn hochsteigen wollen, ist das "Wehr Lahnstein", das für sie trotz Fischtreppe (die nicht funktioniert) ein unüberwindbares Hindernis ist, deswegen fahren die Lachswarte jedes Wochenende, von Anfang Oktober bis Ende November, nach Lahnstein und versuchen Lachs-Rückkehrer zu fangen.

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Das Tor zur Lahn - Wehr Lahnstein


Unterhalb der Staustufe Lahnstein, in der Mündung der Lahn, werden die Lachs-Rückkehrer elektrisch abgefischt und nach Aumenau gebracht. Die Lachswarte der IG-Lahn fingen zum Teil bis zu einem Meter lange und zehn Kilogramm schwere Fische. Sie wurden allesamt in die Hälter- , Erbrütungs- und Aufzuchtanlage der IG Lahn am Dernbach in Aumenau gebracht und dort bis zur Laichreife gehalten.

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Die Lachs-Fangcrew F.Plettenberg, M.Assmann, H.D.Reil & A. Diehl


Ausgesprochen erfreulich verlief die Lachssaison
2009 an der Lahn. Bei lediglich fünf Elektrobefischungen in der Lahn unterhalb der Staustufe Lahnstein, konnten 22 Lachsrückkehrer mit dem
Elektrogerät vom Boot aus gefangen werden.
Die Fische, 15 Rogner und 7 Milchner, wurden in die Hälteranlage der IG-LAHN in Aumenau verbracht und dort bis zur Laichreife gehältert.
Insgesamt konnten in diesem Jahr 10.320 Gramm Eier (dies sind etwa 105.000 Stück) abgestreift, mit dem Sperma der Milchnern befruchtet und in den Brutschränken aufgelegt werden. Die Befruchtungsrate
lag bei 100 Prozent und bis jetzt gab es so gut wie keine Ausfälle.
Die Größe der herrlich gezeichneten Fische im Laichkleid lag zwischen 63 und 101 Zentimetern.
Für den Transport und für das abstreifen werden die Lachse mit einem Tropfen "Nelkenöl" betäubt.

In den Rundstrombecken werden die Lachse bis zum Abstreifen gehältert.


Die Lachswarte der IG-Lahn bauten im Herbst 2000 in ehrenamtlicher Arbeit vier Rundstrombecken auf, die im Jahr 2010 auf sieben erhöht wurden, die an ein Einlaufbauwerk angeschlossen und über eine Leitung mit Wasser versorgt werden. Dort werden die Lachs-Rückkehrer gehältert bis sie laichreif sind. Dann werden die Laichprodukte gewonnen, befruchtet und in dem 2001 gebauten Bruthaus erbrütet.

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Hier wird der Wasserzulauf aus dem Dernbach noch einmal gefiltert.

Das Abstreifen der starken Lachse ist keine so einfache Aufgabe


Die Lachseier werden im Bruthaus der IG-Lahn in Aumenau von den Lachswarten gewonnen. Das ist nicht einfach, da die großen Lachse eine unheimliche Kraft haben. Rogner (weiblich) und Milchner (männlich) werden in getrennten Becken gehalten. Ist der Rogner richtig reif, so werden die Eier durch leichten Druck auf den Bauch und Streifen vom Kopf her in Richtung Afterflosse gewonnen.
Hier auf dem Bild, H.D. Reil und M. Assmann, die Lachswarte.

Der Milchner wird abgestreift

Ist der Milchner richtig reif, wird das Sperma auf die gleiche Art wie bei dem Rogner gewonnen.
"Anschließend werden die Fische soweit möglich wieder in das Gewässersystem zurückgesetzt, um ihnen einen zweiten Vermehrungszyklus zu ermöglichen".
Die befruchteten Eier werden in Schubladen der Brutschränke gefüllt und müssen nun bei einer durchschnittlichen Wassertemperatur von 5 Grad knapp 90 Tage darin verweilen. Nach etwa 180 Tagesgraden tritt das Augenpunktstadium ein. Jetzt wird das Auge des sich entwickelden Jungfisches durch die Eischale sichtbar. Dann gibt es plötzlich Bewegung in den Schubladen der Brutschränke. Die Natur hat den Larven etwa für die nächsten drei Wochen ihr Futter im Dottersack mitgeliefert.

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Lachseier im Augenpunktstadium, von der Befruchtung bis zum Schlupf werden 90 Tage benötigt
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Einer der Brutschränke

Im Bruthaus werden die "verpilzten" Eier aussortiert, damit die restlichen Eier nicht angesteckt werden.

Nach Aufzehrung des Dottersackes kommen die Lachse zur Anfütterung in die Aufzuchtbecken.

An jedem Rundstrombecken ist ein computergesteuerter Futterautomat angebracht. Am Anfang werden die Lachse mit sehr feinem Futter versorgt, dass nach und nach größer wird.

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Nach Aufzehrung des Dottersackes kommen die Lachse zur Anfütterung in die Aufzuchtbecken.

Wenn alles genau beachtet wird, wachsen die Junglachse bis zum Herbst zu Parrs mit Längen von 12 bis 16 cm heran. Dann werden sie in die Besatzgewässer Dill, Weil und Mühlbach ausgesetzt, ab 2009 werden die Junglachse in Lahnstein ausgesetzt, um wenig Verluste durch die Turbinen der "Stromkraftwerke" zu bekommen.

Nun haben die Jungfische noch einen weiten Weg in den Nordatlantik vor sich, wo sie zu großen, laichreifen Tieren heranwachsen und dann nach Lahnstein wieder zurückkehren. Leider endet für die Lahnlachse ihre Wanderung in die Lahn schon in Lahnstein, wo durch eine 6,60 Meter hohe Staustufe mit Wasserkraftanlagen ihr Fortpflanzungstrieb jäh ins Stocken gerät.
Hier springen sie unentwegt mit den Köpfen gegen die Mauern und verletzen sich erheblich.


Der größte Lachs, ein 101 Zentimeter langer Milchner, wog 10 Kilogramm, der größte Rogner war 100 Zentimeter lang und erbrachte 1450g Eier.
Alle gefangenen Lachse waren nach ihrem äußeren Erscheinungsbild dem schwedischen „Ätran–Stamm“, zuzuordnen.
Ihre Vorfahren stammen aus dem süd-west-schwedischen Fluss Ätran, der bei Falkenberg in das Kattegatt mündet. Der Ätran ist 240 Kilometer lang und hat einen mittleren Abfluss von etwa 37 m3/s und ein Gesamtgefälle von 332 m. Im Vergleich die Lahn: 246 km lang,mittlerer Abfluss 45m3/s, Gefälle total: 567 m. Allerdings besteht ein gravierender Unterschied: der Ätran ist zumindest im Unterlauf längst nicht so verbaut und mit Staustufen durchsetzt wie die Lahn.

Das Aussehen der Lahnlachse ist mit dem Aussehen der Ätran-Lachse sehr ähnlich. Auch die durchschnittlichen Größen der Rückkehrer in die Lahn sind mit den großen Fischen des Ätran vergleichbar, wie man leicht auf den Fotos erkennen kann.
Im Jahr 2004 hatten wir an der Lahn auf den Ätran-Stamm umgestellt, weil die bis dahin verwendeten französischen Herkünfte (Aduor-Nive) und Allier erst sehr spät, teilweise erst Ende Dezember, laichreif waren.

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Die bisher größten Lachs-Rückkehrer 2009, links W.Klein rechts F.Plettenberg


Hier auf dem Bild Winfried Klein der 1. Vorsitzende der IG-Lahn und Gewässerwart des FSV-Oberlahn, mit dem bisher größten Rückkehrer ein 101 Zentimeter langer Milchner.

Im Rahmen des Programms "Wiederansiedlung des Lachses in der Lahn", hat der Gießener Regierungspräsident Wilfried Schmied, am 06.Juni 2002 weitere 17 Lachswarte ernannt, unter anderem auch mich.

Nach meinem Vortrag über die Wiederansiedlung der Lachse hatte ich noch einen Jahresrückblick 2015 vorbereitet.
Wir hatten im Jahr 2015 26 Veranstaltungen, von denen 22 Berichte im Archiv nachzulesen sind.
In der Präsentation habe ich noch einmal die Höhepunkte gezeigt.
Die ausführlichen Berichte des Jahres 2015 kannst du hier nachlesen.
Hier sind alle Berichte 2015

Am Ende der Veranstaltung haben wir Manfred "Malebo" noch gute Besserung gewünscht.

Text-Quellen: IG-Lahn


Text, Fotos & Layout: Hans-Rüdiger (lahnelster)

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