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Gedenkstätte an der Großmarkthalle

Ein Klick auf die Bilder, und sie vergrößern sich

Blick in die Vergangenheit, so stand es in der Einladung von Edeltraud "Teita".
Am 19.04.2016 um 14:30 Uhr trafen sich 19 Mitglieder der Feierabendgruppe FFM-City zu einer Führung durch die Erinnerungsstätte, auf dem Gelände der Europäischen Zentralbank (EZB), die Edeltraud über das Jüdische Museum Frankfurt gebucht hatte.

Nachdem wir alle Sicherheitsvorkehrungen wie Passkontrolle, Ganzkörperdurchleuchtung durchlaufen hatten, wurden wir von einem Sicherheitsbeamten der EZB bis zum Ende der Führung begleitet.
Gegen 15:00 Uhr begrüßte uns Barbara M.Rubert vom Jüdischen Museum Frankfurt zur Führung durch die Erinnerungsstätte.

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Foto: Teita

Gedenkstätte soll auch an die Täter erinnern

Die Gedenkstätte an der früheren Großmarkthalle, die an die Deportation von mehr als 10.000 Frankfurter Juden erinnert, wurde am 22.11.2015 eröffnet.
Genau vor 74 Jahren, so der Direktor des Jüdischen Museums, Raphael Gross, sei am 22. November 1941 der dritte Zug von Frankfurt aus „unmittelbar in den Tod“ gerollt. Die 922 Frankfurterinnen und Frankfurter sollten ursprünglich nach Riga. Wegen Überfüllung wurde der Zug nach Estland umgeleitet. Am nächsten Morgen sollten sie angeblich zum Sport antreten, wurden hinterrücks erschossen und in Gruben verscharrt. Diejenigen, die für die Deportationen verantwortlich gewesen seien, seien nie zur Rechenschaft gezogen worden, sagte Gross. Die Gedenkstätte solle auch an die Täter erinnern.
Mehr Info hier

Zugang zur Gedenkstätte über das östliche Gelände der EZB


„1100 Juden bekommen die Nachricht, dass sie sich zum Abtransport am 7. Mai bereithalten sollen; bis 65 Jahre. Leid und Jammer lassen sich nicht schildern. Reiseziel unbekannt, nur wenig Gepäck gestattet, genaue Liste ist auszufüllen über alles, was sie zurücklassen, organisierter Raubmord.“
Tilly Cahn, 1942 (So steht es auf dieser Tafel)

Zwischen dem 19. Oktober 1941 und dem 14. Februar 1945
wurde die Großmarkthalle von den Nationalsozialisten als
Sammelstelle für die Deportationen jüdischer Menschen
aus Frankfurt und der Region in die verschiedenen Ghettos
und Konzentrationslager benutzt. In diesen Jahren
wurden in den Untergeschossräumen der Großmarkthalle
insgesamt über 10.000 Personen zusammengetrieben und
ihrer bürgerlichen Existenz beraubt, bevor sie in eines der
Konzentrationslager im Osten deportiert wurden.
Die optimale Anbindung an das Bahnnetz dürfte die Geheime
Staatspolizei dazu veranlasst haben, das Untergeschoss
der Großmarkthalle als Sammelpunkt für die Deportationen
zu mieten.
Augenzeugenberichten zufolge wurden die Frankfurter
Juden bei gleichzeitigem Marktbetrieb ins Untergeschoss
der Großmarkthalle gebracht, wo dann ein strikt organisierter
bürokratischer Prozess der Erfassung, Enteignung,
Demütigung und Entrechtung einsetzte. An dessen Ende
stand die Verschleppung in einem der etwa 20 Transporte,
die in dieser Zeit Frankfurt verließen und die Ghettos und
Lager im Osten anfuhren.
Text: www.wb-erinnerungsstätte-gmbh.de

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Foto: PiccolinaVit
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Foto: PiccolinaVit
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Foto: Teita

Schematischer Organisationsplan der “Abfertigung” der zur Deportierenden im Keller der Großmarkthalle von Heinrich Baab (Gedächtnisskizze 1966) Mehr info über die deportationen hier

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Foto: PiccolinaVit

„Als ich morgens ins Büro kam, standen auf den Gleisen weiter draußen geschlossene Waggons, die von der Gestapo bewacht wurden. Das alles hat sich mehrmals wiederholt. Und nicht nur ich wusste, was da geschah, viele wussten es.“
Sekretärin an der Großmarkthalle, ohne Datum.

Weg zur Großmarkthalle

„In the morning an SS-Man – a German official from the party – came to our apartment and we packed our things. We were told what to take and what not to take. Then we had to go to the Markthalle, which is a long way off from where we lived. It was in the afternoon later.”
Berthold Adler, 2005

„Ich habe den Zug zur Großmarkthalle durch die Stadt begleitet, versucht, die Straßenbahn zu benutzen, aus der ich wegen meines Judensterns herausgeworfen wurde. Der Zug ging durch die Stadt am hellen Tage. Rechts und links standen die Menschen und sahen sich stumm im dichten Spalier den Zug an.“
Lina Katz, 1961

„Da die Leute nicht Trambahn fahren durften, mussten sie mit ihrem Gepäck zu Fuß an die Großmarkthalle. Spießruten laufen dazu! Und draußen blüht der Mai: Kastanien, Flieder, Glyzinien, Apfelbäume – es tut einem weh, diese Schönheit.“
Tilly Cahn, 1942

„Die jüdischen Menschen mit dem gelben Stern auf der Brust liefen unter Bewachung in Vierer- oder Fünferreihen in Richtung Großmarkthalle. Der Zug war etwa 50 Meter lang. Es waren Familien mit Kindern, die ihre Köfferchen oder anderes Kleingepäck dabei hatten. An allen Seiten liefen bewaffnete Uniformierte.“
Frieda und Ruth Sitzmann, 2006

„Stunden und Stunden standen die Familien da drüben. Jeder hatte ein Pappdeckelschild umgehängt (wie ein Schandschild aus dem Mittelalter), das Gepäck in der Hand, den Rucksack auf dem Rücken. Szenen, die sich nie vergessen lassen werden. Den ganzen Tag über dauerte das Warten, Packen, Warten – bis sie dann alle gesammelt in den Keller der Markthalle kamen.“
Cläre von Mettenheim, 1941

Für den Abschluss des Tages hatte Edeltraud "Teita" im Bistro "timeout" Plätze reserviert.

Es war eine Führung die uns in die dunkelste Vergangenheit Deutschlands führte. Wir hoffen das nie mehr so etwas vorkommt.
Für die Organisation dieser Veranstaltung möchte ich mich noch einmal bei Edeltraud im Namen aller die dabei waren bedanken.

Text, Fotos & Layout: Hans-Rüdiger (lahnelster)

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