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Paris, einmal und nie wieder!

Von Feierabend-Mitglied 18.10.2020, 10:30 – geändert 18.10.2020, 10:37

Paris, einmal und nie wieder!

1972 starb unsere alte Nachbarin und ihr Sohn verkaufte ihr Haus. So bekamen wir einen neuen Nachbarn, Herrn Koch nebst Gattin und Tochter. Herr Koch war, wie er mir sagte, als er sich uns vorstellte, Abteilungsleiter im Finanzamt und für Gewerbebetriebe zuständig. Er war ein ruhiger, angenehmer Nachbar. Immer korrekt, immer fleißig in seiner Freizeit im Garten. Sein ganzer Stolz aber war ein silbergrauer Ford Taunus Coupe 20M TS. Jeden Samstag, wenn es nicht regnete, wurde das Auto gewaschen, Natürlich Handwäsche und
Frau Koch mußte für Nachschub mit lauwarmem Wasser sorgen. War das Auto blitzsauber gewaschen, wurde es sorgfältig mit einem Fensterleder trockengerieben und mit Glanzpolitur poliert. Danach wurden nacheinander vor jedes der vier Räder eine Fußmatte gelegt und die Chromfelgen mittels eines Schwämmchens mit Chromolite, etwas besseres gibt es nicht, sagte Herr Koch, blitzeblank gewienert. Zum Schluß bekamen die Stoßstangen und alle anderen Chromteile mit der gleichen Liebe und Sorgfalt ihre Politur.

Im Jahr darauf sah ich die ganze Familie Koch das geliebt Auto mit Koffern und Taschen beladen. Wo geht’s denn hin, wollte ich wissen. Nach Paris wollen wir für eine Woche und danach noch eine Woche ans Meer. Das ist ja sehr schön, sagte ich, in Paris habe ich ja einige Jahre gelebt, ich könnte ihnen ein paar Tipps geben, was sie sich anschauen könnten. Nicht nötig, sagte Herr Koch, ich habe mir einen Baedeker Reiseführer Paris gekauft und ihn gut studiert. Na, dann schönen Urlaub, sagte ich.

Schon nach einer Woche sah ich Herrn Koch wieder. Ich dachte, sie wollten zwei Wochen in Frankreich bleiben, wieso schon wieder zurück, fragte ich ihn. Es waren sogar nur drei Tage, sagte er, einmal Paris und nie wieder! Warum denn das? Diese blöden Franzosen haben mir mein Auto demoliert. Er war vollkommen aufgebracht und redete sich in Rage. Das müssen sie gesehen haben, sagte er, kommen sie mit und sehen sie, was diese dämlichen Pariser angerichtet haben. Er öffnete die Garage und zeigte mir die vordere und die hintere Stoßstange seines geliebten Fort Taunus. Sehen sie sich das an, sagte er, zeige mir an jeder der Stoßstangen ein paar winzige Beulen und Kratzer. Ich habe das Auto abgestellt und wir waren zum Essen, und als ich zurück kam war ich vorne und hinten so zugeparkt, daß ich nicht aus der Parklücke kam. Eine Unverschämtheit, sagte er. Aber es kam noch schlimmer,sagte er aufgebracht, ich ging ins Restaurant zurück und bat der Wirt, die Polizei zu rufen.

Die kam auch und ich zeigte ihnen, wie das Auto zugerichtet war. Und was machten die Polizisten? Sie haben schallend gelacht und gesagt, „Mon Dieu, ces stupides Boche. Wie kann man nur sein Auto in einer so belebten Straße parken und einen Gang einlegen und auch noch die Handbremse anziehen? Bei uns stellt man das Auto im Leerlauf und mit offener Handbremse ab, damit andere Autofahrer, die auch parken möchten, ihr Auto anschubsen können, damit sie in die Parklücke hinein- oder hinausfahren können! Wegen diese winzigen Kratzerchen stehlen sie uns die Zeit? Au revoir mon seigneur!“ Und sind einfach davon gefahren.

Paris, einmal und nie wieder! war sein Fazit. Im Baedeker Reiseführer stehen solche Hinweise zum Parken nicht, ich hätte es ihm sagen können.

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