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Mainzer Hauptfriedhof – ein Spaziergang durch die Gärten der Vergänglichkeit


Das neue Buch von unserem Mitglied Elizabeth/elikott ist ein sehr persönlicher Bildband als Hommage an ihren verstorbenen Mann, und anders als bisher erschienene Bildbände.

Am 21. August 2015 erschien ein Artikel in der Mainzer Allgemeinen Zeitung. Hier kannst Du den Artikel "Liebeserklärung an den Mainzer Hauptfriedhof" lesen

Ein Auszug aus der Einleitung des Bandes:
„Elizabeth Kott wurde am 31.3.1948 in Michigan Ann Arbor geboren und ist in Südafrika aufgewachsen. Ihre Muttersprache ist Afrikaans.

Nach ihrem Abitur lebte sie in verschiedenen Ländern. Ihren Mann Klaus-Jürgen Kott lernte sie während seiner Geländearbeit als Mineraloge in Kos in Griechenland kennen und lieben, während sie als Stewardess dort Urlaub machte.

Sie heirateten 1972 und verbrachten 35 glückliche Jahre miteinander. In dieser gemeinsamen Zeit schossen sie zahlreiche Fotos von Friedhöfen der verschiedensten Länder, wie Südafrika, Holland, Belgien und Türkei. Allein die Aufnahmen des Mainzer Hauptfriedhofs belaufen sich auf ein paar Tausend Negative.

Nach dem Tod ihres Mannes in 2007 sichtete Elizabeth seine Bilder erneut, um die Besten auszuwählen für ihren Bildband „Mainzer Hauptfriedhof. Ein Spaziergang durch die Gärten der Vergänglichkeit". Der Auswahl folgte die liebevolle Weiterverarbeitung.

Es wurde bereits oft über Friedhöfe geschrieben und berichtet, so existieren zu dieser Thematik bereits Tausende von Bildern.

Dieser Bildband ist ein persönliches Unikat, ihrem Mann Klaus-Jürgen Kott gewidmet. Elizabeth Kott verzichtet bewusst auf eine ausführliche Erläuterung der Geschichte des Mainzer Hauptfriedhofs, die in einigen Nachschlagewerken veröffentlicht wurde und dort nachgelesen werden kann. Dieser Bildband handelt weder von abstrakten Regungen, die Friedhöfe auslösen können, noch von den reinen Fakten seiner Entstehungsgeschichte. Der Autorin geht es ausschließlich um eine Hommage an ihren verstorbenen Mann.

Sie schreibt:

„Erst als ich meinen Mann verlor, bekam ich ein ganz anderes Gefühl für Friedhöfe. Auf einmal standen Trauer und Wehmut im Vordergrund.

Bis heute hat sich mir eine eigentümliche Mischung aus Totenkult und Wochenenderholung erhalten. Ich habe nach seinem Tod nie wieder den Mainzer Friedhof betreten, möchte aber jetzt, mit diesem Bildband, seiner Arbeit einen würdigen Abschluss geben.“

Dieser Band ist Dipl.Min. Klaus-Jürgen Kott gewidmet.

Geb. 3.7.1945

Gest. 16.7.2007“

Hier kannst Du eine Rezension des Buches lesen

Elizabeth hat dem Buch auch noch ein sehr persönliches Nachwort angefügt:

Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Nachwort schreiben soll. Weil es eben sehr intim ist. Das ist aber ein Buch über meinen verstorbenen Mann. Das Thema „Friedhof“ war sehr stark in ihm verankert. So bin ich der Meinung, dass dieser letzte Teil dazugehört.
Mein Mann starb am 16. Juli 2007, 12 Tage nach seinem 62. Geburtstag. Der Tag fing normal an. Wir saßen beim Frühstück. Die Natur war immer für uns das Wichtigste. Daraus schöpften wir immer Kraft, weil unser Leben nicht gerade einfach war.
An diesem Morgen, der sein letzter Morgen sein würde, wurde ein Baum in unserem Hof sinnlos und ohne Not einfach abgesägt. Die Klänge der Motorsäge kann ich bis heute nicht vertragen. Es war das letzte bisschen Grün, das noch in unserer Umgebung war. Durch unsere Dachfenster konnten wir Eichhörnchen sehen. Vögelchen brüteten in seiner Krone. Nun sollte auch dieser Baum, vor unserem Haus, fallen.
Mein Mann schrie mich an, ich soll es verhindern. Er war zu aufgeregt, um selber etwas zu unternehmen.
Als ich zurückkam, war er tot. Er lag in einer großen Blutlache mit zerschmettertem Gesicht, da er aus dem Stand auf den Steinboden meiner Küche fiel, nachdem er einen Herzstillstand erlitt. Ich konnte mich noch nicht mal von ihm verabschieden. Trotzdem war in diesem geliebten Gesicht Friede. Das war mein einziger Trost.
Es war immer sein Wunsch auf dem Mainzer Friedhof seine letzte Ruhe zu finden. Es sollte leider nicht so sein. Er hatte in Sigmaringen, wo er ursprünglich herstammte, ein Familiengrab mit seinen Eltern. Dorthin musste ich ihn jetzt bringen.
Es war eine sehr kleine Beerdigung. Gerade 5 Personen waren dabei. Die engsten Familienmitglieder.
Wir standen am offenen Grab mit Blumenschmuck auf dem Sarg. Es war ein klarer sonniger Tag im Juli. Der Pfarrer sprach seine letzte Segnung und sagte „Amen“. In diesem Moment kam ein gewaltiger Wind auf. Die Bäume bogen sich und Staub flog auf. Mein Mann liegt unter einem großen Kastanienbaum. Plötzlich fiel eine Kastanie auf mein Herz und in das offene Grab. Damit herrschte wieder Stille.
Ich schaute mit offenem Mund auf den Pfarrer, der ruhig sagte:
„es gibt in Hebräisch nur ein Wort für Wind und Geist“.

Über mich kam eine herrliche Ruhe. Ich wusste, dass er noch da ist und mich beschützen wird. So war es auch. Ich bekam so viele Zeichen, dass er mich leitet und mir mit Entscheidungen hilft.

So zum Beispiel nach der Beerdigung. Wir fuhren sinnlos in Sigmaringen in der Gegend rum und suchten ein Café, damit wir Kaffee trinken konnte. Plötzlich waren wir vor dem Rathaus, in dem wir vor 35 Jahren getraut wurden.
Als ich unsere Kirche noch einmal sehen wollte, hieß es, es sei Samstag, die evangelische Kirche geschlossen. Auf meine Bitte hin, gingen wir trotzdem und die Kirche war offen! Es gab eine Hochzeit, wie vor 35 Jahren.

Zuhause angekommen gingen die Zeichen weiter. In unserem Badezimmer gab es ein Doppelwaschbecken mit Leuchten. Meine Lampe war an. Die von meinem Mann stand auf Dimm. Eine Woche lang, dann leuchtete sie wieder normal.

Eine schwere Zeit brach für mich an. Ich musste eine neue Wohnung suchen, da es für mich unmöglich war auf dem Boden zu laufen, wo mein Mann gestorben war. Ich konnte doch auch nicht meine Katzen dort füttern, wo er in einer Blutlache gelegen hatte. Es gibt wohl doch keine Zufälle. Ich fand die Wohnung in Rockenhausen, die ich bereits mit meinem Mann zusammen besichtigt hatte. Er war davon begeistert, und wollte sofort einziehen. Das war aber unmöglich, da ich zu der Zeit noch arbeitete.

Nun konnte ich mit 4000 Büchern und 2 Katzen einziehen.

Das Letzte, wovon ich überzeugt bin, dass ich darin geführt wurde, ist, als ich einen alten lieben Kollegen bat mir zu helfen. Mit seiner Hilfe habe ich gelernt nach einiger Zeit ihn zu lieben. Jetzt sind wir bereits 7 Jahren zusammen. Wir leben an einem anderen Ort mit unseren beiden Katzen und ich bin voller Kraft und Ideen. Ich schreibe Bücher und male. Ein neues Leben eben.

Was soll ich sagen. Ich habe über den Tod das Leben entdeckt und selber ein neues Leben erhalten. Ich habe gelernt, dass man nur etwas Neues erreichen kann, wenn man bereit ist loszulassen.

Die griechische Bezeichnung der Dattelpalme ist "phoenix", die Auferstehung aus der Asche. Für mich ist das mehr als nur ein Symbol, denn ich bin aus der Asche meines verstorbenen Mannes auferstanden- in ein vollkommen neues Leben. Die Existenz mit ihm war vorbei, doch ich war dazu bestimmt weiter zu leben.

Am Anfang war der Gedanke ungeheuerlich schwer, dass der Mann, den ich so geliebt habe, nicht mehr da war. Jeden Tag tobte in mir die Frage „Warum?“. Ich glaube fest daran, dass die Seele meines Mannes mich in dieser schweren Zeit geführt hat. Er hat mich den Weg gezeigt, und mir Kraft gegeben. Das war solch ein Trost für mich, dass ich nach einiger Zeit wieder lieben konnte. Trotz anfänglichen Widerstrebens ist diese Liebe erstarkt, und das geschah sicher im Sinne meines verstorbenen Mannes.

Möge er in Frieden ruhen.

Das Leben beginnt mit Einatmen, der Tod mit Ausatmen

Autor: ehemaliges Mitglied

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