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Verliebt im Alter: Eine wahre Geschichte

Ich bin am überlegen, wie alt bin ich eigentlich? Tja, das lassen wir lieber, denn wie kann man/frau in diesem unserem Alter noch so verrückt sein. Eine neue Liebe noch einmal, mit knapp siebzig, der andere über siebzig. Da ist man Jahre in dieser Community, damals beim Beitreten hatte man doch die Gedanken gehabt, eventuell, vielleicht, oder doch nicht. Gut, man wendet sich anderen Themen zu, Digitale Fotografie, Gedichte Schreiben, Kreativ Schreiben, die Partnersuche gibt man auf, ist doch eigentlich ganz schön so wie man jetzt lebt, die große Liebe war ja da, aber halt, wie bei so vielen, gegangen, dort wo man ihn besucht, kann er nicht mehr antworten. Wir Menschen sind ja sehr harmoniesüchtig, vielleicht auch etwas liebesbedürftig, und irgendwann vermisst man es doch, dieses in den Arm nehmen.

Da war doch dieser interessante Mann, der plötzlich im Forum auftauchte, Interessantes einstellte, gut, frau guckt immer wieder mal, aber man will ja nicht auffallen, also zurückhalten. Dann irgendwann eine Sofortnachricht, oh, ich bin nun doch etwas aufgeregt, traue mich gar nicht sie zu öffnen, was er wohl von mir will, soll ich, oder nicht, ach du bist doch Frau, zwar sonst nicht neugierig, aber diesmal ist es anders, komm, guck nach.

Schon bei den ersten Worten, die ich las, bekam ich eine Gänsehaut. Das gibt es doch nicht, so ein Mann sagt zu mir, ich interessiere mich für Dich. Genau diese Worte, es waren nur drei Sätze, die reichten um meine ganze bisher heile Welt durcheinander zu bringen. Ich sagte mir, Mensch Mädel, Du bist Oma, wobei meine Enkelin immer sagte, du bist so ne richtig coole Oma, ein tolles Kompliment. Das ging nun eine ganze Weile so hin und her, irgendwann wurden Whatsapp-Nummern ausgetauscht, mache ich sonst nie. Spinnst Du jetzt, sagte ich mir selbst, das ist bestimmt auch nur so ein Spinner, der Frauen anmacht, wie andere immer erzählen, trotzdem war es bereits zu spät! Diese sonore Stimme, ich floss jedes Mal nur so dahin, wieder sagte ich mir, sei vorsichtig.

Tja was soll ich sagen, es gibt kein Zurück mehr! Inzwischen stundenlange allabendliche Telefonate, ohne geht nicht mehr, keiner kann mehr ohne den anderen, am Heiligabend, beide alleine Zuhause, das gleiche Essen gekocht, Zeit zum Essen ausgemacht, jeder seine Küche wieder in Ordnung gebracht, dann Telefon. Es ist unbeschreiblich, wie man so noch einmal für jemandem empfinden, fühlen kann, dass man noch einmal dieses Bauchgefühl, die Schmetterlinge, das Kribbeln im Bauch hat. Und längst hatten wir ein reales Treffen vereinbart, da sich keiner mehr vom anderen lösen kann; und auch nicht will. Dies wird die endgültige Testphase sein, die letzten Tage des Jahres, ins Neue hinein zusammen zu erleben! Und wir beten, hoffen beide, dass es ein Happy End geben wird. Wovon wir eigentlich überzeugt sind.

Die Tage wurden komischerweise immer länger, je näher der Tag rückte, extrem lange so ein Tag. Die Aufregung stieg auch von Tag zu Tag, wir wurden beide nervöser, man überlegte ja, was kommt auf einen zu, ist es richtig was du tust, willst du es wirklich, man man, was ist das, Angst, oder nur vielleicht Vernunft. Was ist das eigentlich Vernunft, den Verstand walten lassen, die Gefühle ausschalten, zu spät, das ging schon gar nicht mehr, zwei verrückte Alte, die eben den Verstand verloren haben. Nicht zu viel überlegen, einfach tun, sagte eine gute Freundin, ich will ja auch gar nicht mehr überlegen und zaudern.

Dann war er da, der besagte Tag, noch ein kurzes Telefonat, dann fuhr er los, sagte, dass er eine Liveschaltung machen wolle, damit ich sehen kann wo er sich gerade befindet. Man nennt das irgendwie Live Standort, vorher nie gehört, na gut, machen wir. Genial, ich sehe das Auto fahren und schon steigt der Puls wieder, ich kann die Zeit ausrechnen, wann Er hier ist, noch eineinhalb Stunden, dann ein Stau, war klar, Ort ist bekannt, halbe Stunde Verzögerung. Zwischendurch wieder kurz Nachricht über Whatsapp, und das gegenseitige ungeduldige Verlangen nach dem anderen machte es fast unerträglich, diese Warterei. Der Live Standort zeigte an, noch zehn Minuten, mein Herz klopfte fast unerträglich, schnell Jacke anziehen und hoch zur Straße, warten, ich war zu schnell, diese paar Minuten kamen mir vor wie Stunden. Dann kam das Auto um die Ecke, meine Überlegung, wie die Begrüßung nun ausfallen würde, so wie wir dachten, oder doch zurückhaltend?

Dann endlich stieg Er aus, kam auf mich zu… und wir fielen uns in die Arme, küssten uns, konnten gar nicht mehr loslassen, es war einfach zu schön, sich gegenseitig zu spüren, als würden wir uns schon ewig kennen, ein über einsachtzig Mann, und eine nur einssechzig Frau. Der nächste Tag war dann auch noch mein Geburtstag, Silvester, nachmittags zu meiner Mutter ins Heim, da waren wir uns schon vorher drüber einig, dass das sein musste, zwar ungewöhnlich, aber es wurde für die alte Dame ein wunderschöner Nachmittag mit Überraschungen, danach gab es nur noch uns! Aus den geplanten drei Tagen wurde nach zwei Tagen bereits eine Verlängerung eingeläutet und es wurden neun Tage daraus. Neun Tage voller Liebe, Zuneigung, enormen Gefühlen, aber auch Respekt und Achtung, Rücksichtnahme auf den anderen, keine Einengung, Gespräche ohne Ende, auch über die Zukunft, denn wir waren uns einig, oder sind es noch, das dies nochmal eine wahre, und innige Liebe ist.
Auch die Nachfeier meines Geburtstages ein paar Tage später, mit ein paar Nachbarn, die ihn schnell ins Herz geschlossen hatten, bestätigte mir nur, alles richtig zu machen. Und dann kam der Tag des Abschieds, erstmal, furchtbar, ein Hinauszögern des Frühstücks, des Packens seiner Sachen, wir hatten beide Tränen in den Augen, es war unheimlich schwer diesen Menschen ziehen zu lassen. Soviel Gefühl, Zuneigung, liebevolles Miteinander habe ich Jahre nicht erlebt! Es gibt ein Wiedersehen, ganz bald, und es wird weitergehen, denn wir lieben uns, und ja, das kann man nach sooo kurzer Zeit durchaus sagen, denn wir sind nicht mehr jung, und wollen diese uns verbleibende Zeit zusammen genießen, und noch einiges erleben.


Ich möchte nur noch eines sagen… passiert einem von Euch so etwas noch einmal, lasst es zu, lasst Euch fallen, genießt, wenn Ihr sicher seid!

Autor: Apatschi

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