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Ein Paar, zwei Wohnungen

Wer sich liebt, muss nicht zwangsläufig auch zusammen wohnen. Immer mehr Paare entscheiden sich für ein solches Beziehnungsmodell, denn es gibt viele Gründe, die dafür sprechen. Doch kann das auch gelingen?

Älteres glückliches Paar umarmt sich

Living Apart Together (LAT)

Dass diese Art der Beziehungsform immer populärer wird, zeigt sich bereits darin, dass es dafür inzwischen einen Begriff gibt: „Living Apart Together“ (getrennt zusammenleben) oder kurz „LAT“. Er bezeichnet ein Beziehungskonzept, bei dem Paare dauerhaft in getrennten Wohnungen leben, ihre eigenen Haushalte führen und finanziell unabhängig sind. 15 bis 20 Prozent der Paare in Deutschland leben so. Tendenz steigend.

Praktische Überlegungen sprechen oftmals dafür

Manchmal stehen praktische Gründe hinter der Entscheidung: Wohnraum, der für beide Partner und deren Familien ausreicht, ist in manchen Regionen unerschwinglich. Gerade im fortgeschrittenen Alter — der Altersgruppe, die LAT-Beziehungen besonders bevorzugt — steht auch die Frage im Raum, was nach dem Tod des Partners mit einer gemeinsamen Wohnung geschehen würde. Sind Kinder aus früheren Beziehungen im Spiel, müsste man sich hier rechtlich absichern. Doch gerade für Ältere ist dieses Beziehungsmodell auch abseits praktischer Überlegungen attraktiv.

Zwei Haustüren direkt nebeneinander

Mehr Unabhängigkeit, mehr Entscheidungsfreiheit

Es sind besonders Liebende ab 40 Jahren und Frauen mit eigener Karriere, die sich bewusst für LAT-Partnerschaften entscheiden und diese nicht nur als Übergangslösung sehen. Studien haben gezeigt, dass Menschen in solchen Beziehungen oft sogar zufriedener sind als solche, die mit ihrem Partner zusammenleben. Die Gründe hierfür sind vielfältig, lassen sich aber oft mit größerer Freiheit zusammenfassen. Denn wer getrennt lebt, ist unabhängig voneinander und das in mehr als einer Hinsicht.

Die eigene Wohnung erlaubt räumliche Unabhängigkeit. Bei schlechter Laune kann man sich aus dem Weg gehen und über Probleme des Alltags kommen keine Streitigkeiten auf, wenn sich jeder um den eigenen Haushalt kümmert. Ob abrasierte Bartstoppeln im frisch geputzten Bad, schmutzige Teller in der Spüle oder anderer Haushaltskram, über den man sich jeden Tag streiten könnte: Wer nicht unter einem Dacht lebt, kann sich bei einem Treffen auf schönere Themen konzentrieren.

Ebenso sieht es mit den Finanzen aus: Beide Partner treffen eigene Entscheidungen und müssen sich nicht rechtfertigen. Auch auf das soziale Umfeld können sich getrennte Wohnungen positiv auswirken, da nicht alles um den Partner herum geplant werden muss. Durch die Trennung der Haushalte stellt sich keine Gewohnheit ein und das Gefühl des ersten Verliebt seins hält länger an.

Und auch, wenn niemand zu Beginn einer Beziehung gleich an das Ende denkt, hat eine LAT-Beziehung dort ebenso Vorteile: Funktioniert die Beziehung doch nicht, ist es leichter sich zu trennen, wenn Haushalt und Finanzen ohnehin separat geführt wurden. Auch die Angst davor, was werden soll, wenn es zur unfreiwilligen Trennung durch den Tod des Partners kommt, bleibt damit aus.

Getrennt zusammen leben: Kann das auf Dauer funktionieren?

Älteres Paar geht händchenhaltend spazieren

Viele — auch berühmte — Paare haben gezeigt, dass LAT-Beziehungen durchaus möglich sind und für viele Jahre halten können.
Die Schauspielerin Veronica Ferres lebte neun Jahre lang getrennt im selben Haus mit dem Regisseur Helmut Dietl. Die Schauspieler Woody Allen und Mia Farrow lebten ganze 13 Jahre lang in getrennten Wohnungen auf gegenüberliegenden Seiten des New Yorker Central Parks und auch der Regisseur Tim Burton und die Schauspielerin Helena Bonham Carter führten eine 13-jährige LAT-Beziehung. Eine der längsten, bekannten LAT-Partnerschaften führte wohl die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, die dieses Beziehungsmodell mit ihrem Ehemann bis zu ihrem Tod für mehr als vier Jahrzehnte verfolgte.

LAT-Beziehungen funktionieren also und das auch über einen langen Zeitraum. Sie müssen aber besonders gepflegt werden, denn sonst kann es schnell passieren, dass das Gleichgewicht von Nähe und Distanz in der Beziehung nicht mehr stimmt.

Kompromisse und Kommunikation sind wichtig – auch bei autonomer Lebensweise

Seniorenpaar beim Joggen

Um eine LAT-Partnerschaft langfristig aufrecht zu erhalten, ist von Anfang an offene Kommunikation notwendig. Beide Partner müssen sich klarmachen, was sie sich von einer Beziehung wünschen, und dies dem anderen vermitteln, damit gemeinsam Lösungen gefunden werden können. Genau wie in jeder anderen Beziehungsform sind auch hier Kompromisse notwendig.

Wünscht sich einer der Partner etwa mehr Nähe, während der andere Angst hat, seine Unabhängigkeit aufgeben zu müssen, können Verbindlichkeiten abseits des Zusammenlebens eingeführt werden. Zum Beispiel kann man täglich zur selben Zeit telefonieren oder an festen Tagen zusammen spazieren, joggen oder schwimmen gehen – auch so schafft man Alltagsrituale und fühlt sich auf besondere Weise verbunden. Und wenn bei einem der Partner Sorge besteht, der oder die andere würde nicht zu einem stehen, sollte diese Angst unbedingt thematisiert und nach Lösungen gesucht werden. Nur so kann Verbindlichkeit und eine feste Bindung auf Dauer entstehen.

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