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Rollatoren nutzen: Die emotionale Hürde überwinden

Die „Alten“ von heute unterscheiden sich sehr stark von denen früherer Generationen, nicht nur äußerlich, sondern auch physisch. Dank des gesellschaftlichen Wohlstands und des Wissens über die Wichtigkeit guter Ernährung und ausreichender Bewegung führt die immer höhere Lebenserwartung zu einer Verschiebung des Alters. Oder kurz gesagt: Senioren bleiben länger jung. Dennoch: Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem die Gelenke und die Muskeln nicht mehr so mitmachen, wie man es möchte. Der Gang zum Supermarkt, ein Spaziergang mit der Familie, all das scheint zu viel. In so einem Fall kann ein Rollator helfen. Mit diesem Gedanken können sich jedoch viele Menschen nur sehr schwer anfreunden und zögern eine Anschaffung lange hinaus, manchmal zu lange.

Zeichnung einer Frau mit Rollator

Scham und Ablehnung

Wer schlecht sieht, lässt sich vom Optiker eine Brille anpassen. Bei schlechtem Gehör ist der Gang zum Hörakustiker der logische Schritt. Wer aber Schwierigkeiten mit der Mobilität hat, etwa altersbedingt, zögert häufig lange bis zur Anschaffung eines Rollators. Der Grund hierfür liegt meistens in einer Scham begründet. Unter Scham versteht man „das Bewusstsein, […] versagt zu haben, durch das Gefühl, sich eine Blöße gegeben zu haben […].“1 Auch Eitelkeit und Stolz können Gründe dafür sein, sich damit unwohl zu fühlen.

Es geht also um das Gefühl, nicht mehr gut genug, anders zu sein, nicht mehr dazuzugehören. Es kann sich für Betroffene wie das Eingeständnis anfühlen, dass man nun endgültig alt ist und nicht mehr kann, wie man möchte. Das führt teilweise dazu, dass Betroffene lieber mit einem Fahrrad durch die Stadt laufen, um sich darauf abzustützen – denn Räder vermitteln einen Eindruck von Fitness und Jugend. Gerade in einer Welt, in der sich immer mehr Menschen operieren lassen, um die Zeichen des Alters zu eliminieren, in der sich vieles um das Jungsein und vor allem das Bleiben dreht, scheint Altern nicht akzeptiert zu sein. Als Folge ist es schwierig, sich das eigene Angewiesensein auf das Hilfsmittel einzugestehen.

Scham überwinden

Frau mit Rollator im Freien

Nicht nur für das eigene psychische Wohlbefinden ist es wichtig, die Scham zu überwinden, sondern vor allem auch für den Körper. Gerade wenn dieser abbaut, ist es wichtig, sich weiterhin zu bewegen. Denn wenn Muskeln erst mal nicht mehr gefordert werden, bauen sie ab. Je länger dieser Zeitraum anhält, desto größer werden die Einschränkungen und desto schwieriger wird es, diese zu überwinden, weil viel mehr antrainiert werden muss. Was kann man also tun?

Darüber sprechen
Scham hat vor allem deshalb so viel Macht über uns, weil sie unausgesprochen bleibt und wir alleine damit versuchen klarzukommen. Sobald sie mit anderen geteilt ist und wir darüber reden, wird sie kleiner. Ganz nach dem Motto „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ kann es sich nach einem Gespräch mit einer Vertrauensperson schon ganz anders anfühlen.

Eine Liste mit Vorteilen erstellen
Es liegt in der Natur des Menschen, dass der Fokus häufig auf dem liegt, was nicht gut ist oder uns stört. Natürlich kann man nun an die Vorteile denken; noch hilfreicher ist jedoch das tatsächliche Anfertigen einer Liste. Nicht nur, dass das Gehirn beim Schreiben anders aktiviert wird, man hat es danach schwarz auf weiß. Einige, aber längst nicht alle Vorteile sind:

• Eigenständig einkaufen können
• Weniger Hilfe von anderen
• Gegenstände wie Taschen oder Einkäufe können darin abgelegt werden
• Bewegung hält fit
• Ausruhen auf dem Rollator? Kein Problem, eine Pause ist damit jederzeit möglich
• Treffen mit Freunden wird leichter
• Länger unabhängig bleiben
• …

Die Egozentrik der Anderen
Was erst einmal negativ klingen mag, ist aber etwas, das Freiheit verschafft. Man selbst ist so sehr mit der Veränderung und den eigenen Vorurteilen beschäftigt, dass man denkt, dass auch andere Menschen die gleichen Gedanken haben. Dabei sind die meisten Menschen einfach mit sich selbst beschäftigt, so dass man nicht auffällt. Und das ist doch hier etwas Gutes.

Fazit

Ein Rollator ist keine Einschränkung, sondern genau das Gegenteil. Rational gesehen kann er nicht nur die Mobilität und Selbstständigkeit erhalten, sondern damit auch Lebensqualität zurückgeben. Sich die Vorteile vor Augen zu führen und sich die eigenen emotionalen Hürden durch falsche Scham bewusst zu machen, kann helfen, zu akzeptieren, dass der Rollator im Grunde genommen nur ein Hilfsmittel ist – eines, das das eigene Leben zum Besseren ändern kann.

Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder ging es Dir anders? Lass es uns in den Kommentaren wissen


1Oxford Languages Deutsches Wörterbuch

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