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#1/2011 Rätselhafter Valentinstag

Leider ist unser Mitglied Hatsch_43 im September 2014 verstorben. Wir sind sehr traurig, dass wir in Zukunft auf seine humorvollen, pointierten und hintergründigen Texte verzichten müssen.
Doch seine Alltagsbeobachtungen und Kolumnen bleiben aktuell und wir schätzen sie nach wir vor sehr. Deshalb kannst Du sie auch weiterhin auf unseren Seiten lesen.

(eine nicht ganz ernst zu nehmende Betrachtung)

Was ist denn nun am 14. Februar? War es Karl Valentins Tag?
Das Urgestein der Wortkünstler, dessen vielleicht bekanntestes Zitat lautete. "Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut." Bei wem ist er da wohl abgeblitzt?

Oder ist er vielleicht doch, was böse Zungen flüstern, eine Erfindung von Fleurop und der Pralinen-Industrie.

Christen leiten den Valentinstag vom heiligen Valentin ab. Die Kirche hatte in Vergangenheit ohnehin die nicht ganz einfache Aufgabe, all die Bräuche in christliche Hüllen zu stopfen.
Dass wir Weihnachten einen Baum schmücken und Ostern ausgerechnet Eier verstecken macht ja Spaß, hat aber keinerlei christliche Ursprünge.

Schon die Römer feierten den 14. Februar damit, dass sie alle weiblichen Familienangehörigen mit Blumen beglückten.
Rund um den Valentinstag entstanden aber auch noch ganz andere Bräuche und Traditionen. So sagt man, dass ein Mädchen den Mann heiraten wird, den es am Valentinstag als erstes sieht. Schlimmstenfalls ist es derjenige, den sie am Vorabend in Sektlaune abgeschleppt hat.

Kaufleute und Seefahrer des Mittelalters feierten dagegen harmlos völlend mit einem sogenannten Freundschaftsmahl.
In Frankreich, Belgien und England wurden für ein Jahr Valentin(s) und Valentine(n) ausgelost, die dann als verlobt galten.

Deutschland kennt den Valentinstag erst seit dem 2. Weltkrieg. Abgeschaut von den Amerikanern, die unsere Leitkultur auch mit Cola und Kaugummi bereicherten.
Wenn man anschaut was die Japaner daraus machten, wird man nicht mehr über unseren Kommerz-Drang hadern. In Japan schenken an diesem Tag die weiblichen Angestellten ihren Vorgesetzten Schokolade.
Boahh...was für ein Personenkult. Na, dann doch lieber Schokolade und Blumen selbst bekommen, oder?

Bei Blumen sollen angeblich die Geruchsnerven mancher Damen auf Hochtouren arbeiten. Die Witterung nach fremden Parfümen wird ja so an manchen Tagen des Jahres mit dem Duft von frischen Feldblumen kaschiert. Wobei das Bett im Kornfeld eine Erfindung von Jürgen Drews bleiben sollte.

Seit man Rosen inflationär und schier lieblos zu jedem Anlass in die Hand gedrückt bekommt - Supermarkteröffnung, Wahlkampf und so weiter, freut Frau sich fast, wenn es mal keine rote Rose ist, die sie bekommt. Und die einzelne, langstielige Rose verlor an Originalität, seit die Jünglinge mit Papis BMW sie für sich entdeckten.
Nun deshalb gibt es auch das Blumen-ABC. Schenkst Du Löwenzahn bist Du im Liebeswahn usw.

Aber ungeachtet der Vielfalt von Betrachtungen hält sich das Image des Valentinstages als "Tag der Verliebten", oder Tag der heißblütigen Leidenschaft, ein Tag mit Schmalz und Romantik. Ignorieren geht da nicht - der Valentinstag kommt auf jeden Fall. So existieren sogar Anleitungen zum richtigen Kuss, wobei anzufügen ist, dass der Valentinstag für menschliche Partner gedacht ist und nicht für das Lieblings-Schmusetier.

Hab mir sagen lassen, eine gewissenhafte Vorbereitung auf das Valentins-Ereignis könnte ziemlich umfangreich aussehen - egal ob Männlein oder Weiblein. Aber der Reihe nach…

Zum Beispiel bringt der Valentinstag manche Männer dazu, total überflüssige und überbewertete Sachen zu tun – wie etwa ein Candlelight-Dinner zu organisieren oder sogar ein Gedicht zu schreiben. Oder noch schlimmer: Den Valentinstag zu vergessen und sich dann beim Entschuldigen dafür zu blamieren.

Da ist doch Streit schon vorhersehbar! Weil Männer am 14. Februar nicht auf Kommando romantisch sein können. Frauen tun sich in dieser Erkenntnis schwer. Echte männliche Spontanität gibt es eben auf dem Fußballplatz oder der Autobahn.

Für den Valentinstag muss Mann shoppen. Es steht ja nicht nur der freiwillige Gang in ein Kaufhaus an. Nein, es muss auch noch der richtige Geschmack getroffen werden – etwa beim obligatorischen Dessous-Geschenk. Und sollte ihr dieses einmal richtig gut gefallen, dann wird die Herzensdame vielleicht nicht glücklich, sondern misstrauisch werden. Dass man das unglaublich tolle Geschenk tatsächlich allein besorgt hat, auf diese Idee käme sie gar nicht. Darauf, dass Sie eine andere Frau dabei hatten, aber schon eher.

Valentinstag ist eigentlich ruinös. Abendessen, Blumen, Geschenke, und dann wird auch noch eine frische Unterhose erwartet. Da müsste man gleich beim Chef eine Gehaltserhöhung verlangen. Obendrein noch der Zwist mit dem besten Kumpel. Schlimm genug, dass er das größere Auto hat, aber das selbst gebastelte Fotoalbum bringt das Fass zum Überlaufen. Jedenfalls so lange bis herauskommt, dass er seine kleine Schwester dafür bezahlt hat, das Album zusammenzubasteln.

Der Valentinstag könnte aber auch für unsere liebenswerten Frauen echt stressig sein.

Wegen eines möglichen Körperkontakts steht vorsichtshalber schon Wochen vorher das komplette Schönheitsprogramm an. Heiß-Wachs-Ganzkörperenthaarung, Augenbrauen zupfen, Fingernägel polieren, Hornhaut von den Füßen kratzen, Falten falls nötig an die Ohren tackern. Oder sie besorgt sich gleich einen Weddingplaner.

Und wenn man dann an Frust denkt, sollte noch schnell ein bisschen Hüftgold runter, sind doch einige Lebkuchen zu "Leibkuchen" geworden. Die Möglichkeit, dass im Päckchen des Liebsten sorgsam ausgewählte Reizwäsche steckt, ist gut vorstellbar. Und die feine Spitze möchte dann natürlich auch vorgeführt werden.

Ein weiteres Thema ist das Wettkampffieber. Frohlockt die eine mit dem Erhalt von Karten für die Zauberflöte, hält die nächste das Frühstück bei Tiffany mit ihrem Chef dagegen. Da ernüchtert die eigene mögliche Erfahrung, einen tollen Blumenstrauß von einem Kerl erhalten zu haben, den man nicht anfassen würde, selbst wenn er komplett in Zellophan eingewickelt wäre.

Aber für viele ist es doch wieder ein einsamer Tag. Weder ein Kärtchen noch ein Telefonanruf. Der einzige, der weiterhin heiße Briefe schreibt, ist der Versicherungsvertreter.

...wie dem auch sei, meine Frau hat mir den Valentinstag zum 14. Februar längst ausgeredet. Und wenn wir uns nicht auf die bald kommenden Blumenwiesen freuen, darf ich auch gern mal einen frischen Strauß aus dem Laden bringen. Und da ist ihr das Datum einerlei...

Blümerante Grüsse vom hatsch_43

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