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Unser tägliches Brot gib uns heute

Mit feinem Humor und viel Selbstironie beschreibt unsere Kolumnistin Edda, bei Feierabend als Niagara bekannt, ihren nicht immer ganz leichten Alltag.

Unser tägliches Brot gib uns heute

Zu Ehren ihrer Göttin Ceres, die sie für die Herrscherin über Wachstum und Reifwerden der Ackerfrüchte hielten, begingen die alten Römer aus Anlass der Ernte die Cerealie. Darauf ist der Name „Zerealien“ für Getreide und Feldfrüchte zurückzuführen.

Wir feiern am ersten Sonntag im Oktober das Erntedankfest. Während weltweit Millionen von Menschen hungern, stehen uns Lebensmittel im Überfluss zur Verfügung. Nur so lässt sich unser leichtfertiger Umgang mit Nahrung erklären. Im August berichtete eine Zeitungsmeldung über die größte Tomatenschlacht der Welt, bei der sich rund 45.000 Spanier und Touris-ten in einer spanischen Kleinstadt mit mehr als 100 Tonnen Tomaten bewarfen. Ich weiß, kein Mensch in der Dritten Welt wäre satt geworden, hätte diese zweifelhafte Veranstaltung nicht stattgefunden. Aber angesichts der Tatsache, dass unzählige Kinder täglich an Unterernährung sterben, habe ich kein Verständnis für diesen respektlosen Umgang mit Nahrungsmitteln.

Noch schockierender sind Meldungen über Hot-Dog-Wettessen, die alljährlich am amerikanischen Nationalfeiertag ausgetragen werden, bei denen derjenige den Sieg erringt, der innerhalb von zwölf Minuten die meisten Hot Dogs verspeist. Und wie so viele amerikanische Bräuche, kam auch diese Unsitte nach Europa. Bei der Meisterschaft in Hamburg winkt als Prämie für 55 gegessene Hot Dogs eine Reise in die USA.

Bei anderen abstoßenden Freß-Turnieren wurden recht zweifelhafte Weltrekorde aufgestellt:

65 hartgekochte Eier in 6 Minuten, 40 Sekunden
552 Austern in 10 Minuten
57 Kuhhirne in 15 Minuten

Beim widerlichen Vollstopfen mit Nahrungsmitteln stehen Eimer für Erbrochenes bereit – ich verspüre schon Brechreiz beim Lesen über diese perversen Wettbewerbe.

In unserer Überflussgesellschaft landen alljährlich tonnenweise Lebensmittel im Müll. Aus den übervollen Regalen in den Supermärkten werden die Nahrungsmittel schon vor dem Verfalldatum gegen frische Ware ausgetauscht und weggeworfen.

Doch glücklicherweise wird nicht alles vernichtet. In vielen Städten sammeln sogenannte Tafeln Brot, Obst und Gemüse vom Vortag sowie Milchprodukte, deren Mindesthaltbarkeitsda-tum noch nicht erreicht ist. Die noch einwandfreie Ware können Bedürftige gegen ein gerin-ges Entgelt einkaufen. Zusätzlich versorgen Spenden aus Handel und Gastronomie einkom-mensschwache Menschen.

Unser tägliches Brot gib uns heute, heißt es im Vaterunser. Wir haben mehr als unser tägliches Brot, hungern nur freiwillig, der Figur und Gesundheit zuliebe. Dankbar sollten wir unsere Nahrungsmittel bewusst genießen, schätzen und sorgsam damit umgehen.

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