Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

Bequem mit Facebook einloggen:

facebook login

Adelgundis ist an allem schuld

Mit feinem Humor und viel Selbstironie beschreibt unsere Kolumnistin Edda, bei Feierabend als Niagara bekannt, ihren nicht immer ganz leichten Alltag.

Die ersten Wochen des neuen Jahres sind vergangen. Heute frage ich mich: Was ist nur aus den guten Vorsätzen von Neujahr geworden?

Abnehmen – ich freue mich schon, nicht zugenommen zu haben. Natürlich bin nicht ich schuld daran, sondern mein Mann. Das Goldstück liebt gute Speisen, führt mich gerne zum Essen aus. Einerseits genieße ich das natürlich, aber andererseits kreide ich ihm die paar Kilo Übergewicht an, die meine Digitalwaage mir frech jeden Morgen anzeigt.

Jetzt muss ich außerdem einige von den leckeren Apfelberlinern und Muzen probieren, das gehört einfach dazu, wenn man die nun wieder im Fernsehen auftauchenden karnevalistischen Sendungen anschaut. Ist alles aufgegessen, werden die Vorräte neu aufgefüllt, es soll ja schließlich was im Haus sein, falls überraschend Besuch kommt und eventuell auch etwas zusätzlich, mich könnte ja wieder mal die Naschsucht plagen. Weniger Süßigkeiten? Das mache ich, wie letztes Jahr, während der Fastenzeit. Damit mir der Verzicht leichter fällt, labe ich mich vorher noch an Schokolade, Pralinen und Keksen. Ich kann nichts dafür; Aldi, Lidl und Plus sind die Übeltäter, die mit ihren überreichen Angeboten an Süßigkeiten immer wieder verführen.

Turnen, an dem ich regelmäßig teilnehmen wollte? Manchmal gehe ich hin, doch mindestens ebenso oft drücke ich mich. Es sind nur wenige Schritte zur Turnhalle. Aber warum muss die Gymnastik für die Generation 50 plus ausgerechnet am Montagabend um 18 Uhr zur Abendbrotzeit stattfinden? Esse ich vorher, kann ich mich mit dem vollen Bauch nicht bewegen. Verschiebe ich das Essen bis nach dem Turnen, mache ich unter Garantie schlapp. Die Organisatoren des Senioren-Turnen sind verantwortlich, wenn ich zu Hause bleibe, mich in einem Sessel herumflegele und schmökere. Das ist immerhin gut für die grauen Zellen – aber nicht für den Body.

Täglich an die frische Luft? Ein- bis zweimal die Woche schaffe ich es, aber öfters? Anstatt mich entsprechend anzuziehen, schimpfe ich lieber über Regen und Schnee. Es wäre doch wirklich eine Zumutung bei dem schlechten Wetter der vergangenen Wochen über matschige Waldwege zu wandern!

In der Bibel können wir eine interessante Geschichte lesen (Levitikus 16,21): Am Tag der Sündenvergebung wurden die Sünden des Volkes Israel vom Hohen Priester bekannt gemacht und durch Handauflegen symbolisch auf einen Ziegenbock übertragen. Dann trieb man den Bock in die Wüste und zugleich mit ihm wurden alle Sünden verjagt.

Meine Töchter hatten ihren ganz persönlichen Sündenbock erfunden: das Hausgespenst Adelgundis. Ob Unordnung in ihrem Zimmer, Flecken im Schulheft, zerrissene Jeans, verkramte, unauffindbare Dinge, Schmutzspuren im frisch geputzten Hausflur, keine von beiden war die Verursacherin, sondern immer das Hausgespenst Adelgundis.

Und sollte jemandem mein Kolumne nicht gefallen, dann rede ich mich raus: Adelgundis hat mir den Text diktiert.

Artikel Teilen


Artikel bewerten
5 Sterne (30 Bewertungen)

Nutze die Sterne, um eine Bewertung abzugeben:


24 23 Artikel kommentieren
Themen > Unterhaltung > Kolumnen, Anekdoten und Co > Eddas Allerlei > Adelgundis ist an allem schuld