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Zusammen alt werden...

Und schon soooo lange gelebt zu haben und keine Angst mehr vor einem zu frühen Tod haben, seufz dies ist doch ein wunderbares Geschenk. Doch bis wir uns wieder wandeln können vom Jetzt ins Zurück, gilt's so manche Klippen zu überspringen.
Die Gnade des zusammen Altwerdens zum Beispiel, dieses letzte Abenteuer jedoch ist absolut untauglich für Schattenparker.
Denn da knabbern diverse Alltäglichkeiten heftig das Nervenkostüm fransig und erstaunlich, dass es so wenig Ehegatten-Morde gibt, bezüglich unentwegter Nachlässigkeiten und festgezurrten Regeln ohne Not, sowie null guten Willens im elenden Stau von Brilon nach Kleineschwege, trotz ärztlich diagnostizierter chronischer Pinkelritis keiner dezenten Herrenwindel zu vertrau'n.

Und von wegen Küchenchefin, wenn Bine nicht schon weit vor sieben morgens dieselbe erobert, um ihre Säfte zu mischen, die Haferflocken zu sortieren samt diverser Zutaten, dann sähe es verdammt trübe aus mit ihrem Frühstück. Denn Alf hat sich peu à peu zum Schnibbel-Champion ausgebildet, und wird dabei begleitet von einer exzellenten messerscharfen Truppe. Da gilt‘s nach Jahreszeiten zu sortieren, pellen, köpfen und vierteln, was ihm vor die Finger rollt, Nektarinchen, Apfelsinchen, Kiwis, Bananen, Birnen, Äpfel, Aprikosen sogar hin und wieder ein Cantaloupe-Melönchen.

Es parkt auch schon mal der Kochtopf mit den eingeweichten gelben Linsen, nicht auf dem kalten Herd, sondern auf diesem zu einem Kunstwerk geadelten Barhöckerchen vom bis weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Künstler Olaf auf der Heide.
Und mal gründlich lüften zur Winterszeit?... Brrrrrr... welch eine Zumutung für'n Stubentiger, der sich hartnäckig weigert, Mitte Januar mal vorübergehend in den kuschligen Pulli zu schlüpfen, während des rauen Luftaustausches.
Alf hält auch nur ganz bestimmtem Schuhwerk die Treue, nämlich genau jenen mit garantierter Zehenfreiheit und einem Haltbarkeitsdatum bis weit über den Tod hinaus.

Stoisch ordnet Bine die witzigen Sofakissen nach Konterfei und kämmt gewissenhaft die strubbeligen Fransen vom Rundteppich auf Linie, löscht konsequent sämtliche LED-Scheinwerfer, wenn niemand im Raum ist, und das Radio leiser? Welche Zumutung, die noch original verpackten Kopfhörer, rausgeschmissenes Geld!

Waaaas haste gesagt? Das ist die mittlerweile häufigste Frage. Neulich meinte der nette Hörakustiker Brettschneider, nachdem er seine Felle schon wegschwimmen sah :
„Wie wär's denn, wenn Sie sich für unser kurzfristiges Sonderangebot Nimm Eins für vier Ohren entscheiden würden? Dann hätten zumindest beide hin und wieder mal eine reelle Chance abwechselnd wenigstens auf einem Ohr einen ungetrübten Empfang zu haben.“

„Hmm, dies haut nicht hin, Herr Brettschneider, denn was is‘, wenn so'n Hörwunder unauffindbar verlegt? Oder man dies fantastische "audibene Horizon" partout nicht mehr rausrücken will, obwohl die vereinbarte Hörzeit längst abgelaufen ist?“

Und was essen wir denn morgen bzw. übermorgen? Alf kocht gern und benötigt dazu meist die gesamte Küche. Bine hat nie Hunger im voraus, wie soll sie denn auch wissen auf was sie übermorgen abfährt? Alf fleischelt hingegen mit Leidenschaft, denn huldigt dieser veralteten Weisheit: „Ein Mann der kein Fleisch isst, ist halt kein Mann mehr!“
Wählerisch pickt Bine sich was bunt Gemüsiges raus und würzt es mit ihrer Spezialmischung "Laune gut, alles gut", doch bevor sie womöglich nur noch in der Kinderabteilung ihre Kleidergröße findet, rührt sie sich schnell noch'n lecker Polak-Mändelchen in die Schüssel.

Und was ist mit Spontanität? Völlig aus der Mode, dieses „Lass uns doch schnell mal…" geht gar nicht! Zum Beispiel mit dem Auto, wenn gerade mal Sintflut kurz um die Ecke steht, zu Bios düsen... .. hä?? Neee, dann müssen wir noch ne' extra große Runde fahren, weil Kurztrips absolut Gift für den Motor sind, doziert der diplomierte KFZ-Experte.

Klar schlafen die beiden (noch) nicht getrennt, jedoch stets zu unterschiedlichen Zeiten ein.
Alf schaut nach Altmänner-Tradition gern bis in die Puppen so'n Quotenrenner-Gedöns, Bine bildet sich derweil ab 22:00 Uhr im Bettchen mit Blätterwald-Geschichten bzw. was Gebundenem auf Empfehlung von Tante Heidenreich.

Nun ein jeder Mensch benötigt natürlich mal seine Auszeiten, Alf holt sich diese in seiner Stamm-Tanke, bei einem kühlen Krombacher samt nettem Geplauder mit dem dicken Evchen oder der schönen Claudi, und Anni, der Verständnisvollen, die Alf bereits in ihr großes Herz geschlossen hat und über ihn schwärmt : Das ist ja ein ganz Lieber!
Bine hingegen auszeitet am liebsten, wenn die Luft rein ist... und Alf raus.

Da war doch noch was?
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Denn bei der Generation U. N. K. (Unverwüstliche Nachkriegs Kids) knisterts noch gehörig im Gebälk... da blüht sogar manch einem Glückspilz nicht nur an hohen Feiertagen ein *blaues Wunder.

Autor: galen

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