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Da, wo andere Urlaub machen...

Den Küstenwald erreiche ich in 10 Schritten nach Verlassen meiner Wohnung, und nur wenig später erblicke ich die Schaumkronen der See. Ich reihe mich ein zu Saisonbeginn in den Strom der Erholungssuchenden, täglich mit Hund Suri auf den gewohnten Pfaden.

Sandburg am Strand

Inmitten der Feriengenießer, super gut gelaunten, Strandhungrigen, bepackt mit all den Utensilien, welche halt nötig zur perfekt nahtlosen Braunfärbung, samt Schwimmflossen, Schatten spendenden Schirmchen, riesigen Schlauchbooten, und prallvollen Kühltaschen mit erfrischendem Inhalt. Dem Hund, diesem braven Steuerzahler, wird in diesen Zeiten leider der längste und schönste Strandabschnitt, verwehrt, nur ein winziges Areal, weit ab gelegen, darf er jedoch nur angeleint betreten.

Dort zu leben, wo andere gern Urlaub machen, heißt zu verinnerlichen, dass während der Saison es oberstes Gebot ist, allen Gästen ihren Aufenthalt möglichst angenehm zu gestalten, ihnen (fast) alle Bereiche im und um den Ort großzügig zu überlassen. Weil die schönste Zeit des Jahres, nämlich der Urlaub, soll das unbeschreibliche Gefühl vermitteln "fühlt euch wie zu Hause". Jeder Gast wird hofiert und bespaßt, die Tourismusbeauftragten entwickeln Jahr für Jahr witzige Ideen, bemüht den Besuchern unvergesslich erholsame Tage zu bieten. Zum Beispiel ein Sandburgen-Wettbauen samt hübscher Preise, wie diese zweistöckige Torte vom ansässigen Bäcker (der Marktführer im Ort), welcher natürlich auch Mitglied der sogenannten „Wirtschaftlichen Vereinigung“ ist. Auch fesche Reiter galoppieren mit ihren Warmblütern See auf, See ab, und deren Kugelmist garniert oftmals den hundefreien Strand.

Ich bezeichne mich ja als „zugezogene Einheimische“, zum Glück beherrsche ich die Sprache der Eingeborenen. Diese schlagen dem, wie es früher hieß, "Fremdenverkehr" stets in der Hauptsaison ein Schnippchen. Nach dem sonntäglichen Kirchenbesuch versichern sie demonstrativ ihre Zusammengehörigkeit und treffen sich regelmäßig zu gemütlichen Kaffeestunden oder Grillabenden in ihren Privathäusern, sichtgeschützt von hohen Hecken, welche die Gärten umzäunen. Und „ihren Strand“ besuchen sie entweder morgens um sechs oder aber spätabends, meist so gegen 22:00 Uhr.

Ich sehe sie dann erst wieder regelmäßig in Begleitung der Herbststürme auf den vertrauten Wegen zu gewohnten Zeiten. Und gestehe, manchmal sehne ich mich schon mitten im Sommer nach heftigen Sturmböen, welche weder den Hausdächern, noch diesen karierten Decken auf Terrassentischen den nötigen Respekt zollen. Nach Bauruinen, die für die vom Aussterben bedrohten Vogelarten und den Fledermäusen eine sichere Zuflucht sind, auch verlangt es mich nach kaputten Eismaschinen. Und jenem Fischgetier gönne ich die raffiniertesten Fluchtwege, um ihren Häschern, diesen nimmersatten Anglern, zu entkommen.

Am allerbesten jedoch gefällt es mir auf meinem Fahrrad, den zum Glück bis jetzt noch völlig unentdeckten herrlich wild bewachsenen Waldweg, an den uralten Eichen vorbei, in Begleitung absoluter Stille zu genießen… frei nach dem Motto „Sol Lucet Omnibus"...

Autor: galen

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