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Halle, die Saale und ich

Das Halle an der Saale liegt wissen wohl die meisten Deutschen. Das dieser Fluss im Fichtelgebirge nahe des Ortes Zell auf einer Höhe von 728m über NN entspringt, 413km lang ist und bei Barby in die Elbe mündet, seine Hauptnebenflüsse Schwarza, Ilm, Unstrut, Wipper, Bode linkerseits und Orla, weiße Elster rechterseits heißen, dürfte wohl zum Wissensschatz weit weniger Menschen gehören.

Ich habe das erste Mal das Wort „Saale” gehört, als ich zwei Jahre war. Meine Eltern und ich wohnten in einem Haus in Halle, das an einen Saalearm grenzte. Riesig erschien mir damals dieses Gewässer. Später führten mich viele Spaziergänge an die Ufer der Saale. Damals gab es dort noch Sonnenbäder, wo man sogar Eintritt bezahlen musste. Meine Oma erzählte dann mit verklärten Augen, wie sie in ihrer Jugend hier in der Saale gebadet hatte, wie die Jungs sie nass gespritzt und geneckt hatten. Ich fand diesen Gedanken hier zu baden einfach ekelig. Schlammig, trüb und zeitweise stinkend habe ich den Fluss in Erinnerung. Und wenn ich oder eine meiner Schwestern Keuchhusten hatten, ging Oma mit uns zur Saale ans Gaswerk. Wir mussten dann immer tief einatmen. Ob das geholfen hat, weiß ich nicht mehr. Heute findet man hier nur noch eine Ruine und wer weiß schon noch, welchen Zweck sie einmal hatte.

Manchmal sah ich dem Schaufeldampfer der Familie Kupper, die zu den Halloren gehörten, zu. Tonnenweise holten die den Schlamm aus der Saale. In den sechsziger, siebziger, achtziger Jahren flossen Abwässer der chemischen Industrie in den Fluss und vergifteten alles Leben.

Viele Sonntage verbrachte ich als Kind mit meinen Eltern und Geschwistern auf der „Rabeninsel”, die von der Saale umgeben wird. Da gab es eine Gast=
stätte und einen Spielplatz auf dem ich tobte.

Auf der „Rabeninsel” fand mein erstes Rendezvous mit einem Jungen der Oberschule statt. Versteckt zwischen Büschen am Saaleufer küssten wir uns im Mondenschein und unterm Sternenhimmel.

Auch die vielen Dampferfahrten, die meine Eltern mit mir machten, nach Wettin, Rothenburg sind mir in guter Erinnerung. Ich trank Brause, und das
Würstchen schmeckte hier auf dem Dampfer am besten.

Wenn ich an die Spaziergänge vom Polizeipark zur Peißnitz bis zum Rive- Ufer und der Jahnhöhle denke, sehe ich mich von Menschen umgeben. Das Saaleufer war Ausflugsziel vieler. Später wurde das Interesse der Hallenser an diesen Spaziergängen geringer und nach der Wende schien es gänzlich zu erstarren. Es gab kaum noch intakte Kahnausleihstationen. Und es war doch immer so prickelnd, wenn ich als junges Mädchen von einem Verehrer auf der Saale gerudert wurde. Als dann der Richtige fürs Leben an meiner Seite ging, fuhren wir mit unseren Kindern auf dem Fluss.

Heute, dreiundzwanzig Jahre nach der Wende, macht es wieder Spaß, am Saaleufer zu promenieren. Wer Lust hat, kann mit dem Kahn fahren, auch Motorboote stehen bereit, und der Dampfer lädt ein.

In Richtung Röpzig kann man sich sogar durch einige Schleusen schiffen lassen. Man kann eine Tagesfahrt bis zur Georgsburg bei Bernburg buchen oder nur eine Stunde lang auf der Saale fahren. Angler, gibt es auch wieder. Sie winken manchmal.

Unterhalb der Burg Giebichenstein gehen die Schiffsreisen los. Wer will, hört das Gezwitscher vieler Vögel. Bis zu 50 verschiedene Arten brüten an der Saale. Naturliebhaber erfreuen sich an der geschützten Tier- und Pflanzewelt.

Wenn ich heute mit dem Dampfer über die Saale fahre, faszinieren mich die vielen Graureiher, die wie erstarrt am Saaleufer oder auf krummen Bäumen stehen.

Spaß macht eine Fahrradtour entlang der Saale. Da singe ich schon mal das Lied:

"An der Saale hellem Strande
stehen Burgen stolz und kühn.
Ihre Dächer sind zerfallen
und der Wind streift durch die Hallen
Wolken ziehen drüber hin."


170 Jahre alt ist dieses Lied. Den Text schrieb der deutsche Kunsthistoriker Franz Kugler ins Gästebuch der Rudelsburg. Er ahnte nicht, dass es einmal nach der Melodie von F.E.Fesca so ein oft gesungenes Lied werden würde. Ob Kugler wohl wusste, dass die Saale einer der burgenreichsten Flüsse Europas mit mehr als 60 Burgen und Burgruinen ist?

Hallenser sind stolz auf ihre Burg Giebichenstein. Als Kind stieg ich oft zu dieser Burg hinauf und erfreute mich über den Ausblick auf das Saaletal, den Stadtteil Kröllwitz und die Stadt. Auf der mittelalterlichen Oberburg finden heute Konzerte statt. Man kann auf den Turm steigen und von Tafeln über die Geschichte der Burg lesen. In der Unterburg ist die Kunst zu Hause.

An der Saale befinden sich auch einige Biergärten. Der wohl beliebteste ist der „Krug zum grünem Kranze”. Auch er war dem Verfall preis gegeben. Doch im vorigen Jahr habe ich hier in gepflegter Atmosphäre den Geburtstag einer Freundin gefeiert.

Vor zwei, drei Jahren zog mich das Saaleufer aus einem ganz anderem Grund an. Mit meinen Enkelkindern, mit Freunden zog ich los, eine Tasche voller altem Brot, Haferflocken, Möhren, dem Fotoapparat in der Hand. Zu DDR- Zeiten existierten Nutriafarmen. Die Tiere konnten nach der Wende nicht mehr ernährt werden. Sie bekamen ihre Freiheit, vermehrten sich so, dass sie zu Dutzenden am Saaleufer wohnten und sich gerne füttern ließen. Mich zog es an eine ganz bestimmte Stelle auf der Rabeninsel und der Salinehalbinsel zu den possierlichen Nutrias. Die Tiere unterhöhlten das Saaleufer, so, dass Bäume zu stürzen drohten und eine Gefahr für die Schifffahrt brachten. Heute sind auch die Nutrias bis auf einen ganz geringen Bestand wieder verschwunden.

Nur zahlreiche Enten, vorwiegend Brautenten und Blesshühner, schnattern und freuen sich über die Brothappen.

Jedes Jahr findet am Ufer der Saale ein Laternenfest statt. Bunt geschmückte Boote fahren über das Wasser, man hört fröhliche Klänge weithin. Ein Feuerwerk krönt das Fest.

Die Saale ist für mich und viele Hallenser wieder ein Anziehungspunkt für Erholung, Entspannung und Spaß.


Autor:Christa Beau

Hier findest Du den gesamten Text des Liedes

gesungen vom Kreuzchor Dresden!

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