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Der kleine Stern

...eine Weihnachtsgeschichte

Während der immer dunkler werdenden blauen Stunde stieg der Abendstern zum Himmel auf. Langsam, ja gemächlich nahm er seinen Platz ein, den er schon so viele Millionen Jahre innehatte. Dieser Platz war sein Zuhause und nie wäre es ihm in den Sinn gekommen, ihn zu verlassen. Von hier konnte er das gesamte Firmament übersehen, sich mit dem Chef des Nachthimmels, dem Mond, gemütlich austauschen und so war er es zufrieden.

Nicht weit von ihm entfernt, drehte sich ein Kreisel aus Gas, Wolken, Staub und wer weiß noch was und er freute sich darüber. Dort nahm ein großes Ereignis seinen Lauf. Es würde bald ein neuer Stern geboren werden. Das war selten und daher immer ein großer Augenblick. Der Mond und er waren in freudiger Erwartung.

Der alte Abendstern würde erst einmal für den kleinen Neuankömmling verantwortlich sein, ihm die himmlische Ordnung erklären, z.B. wie die Wolken entstehen, welche unter ihnen dahin zogen, vor allem aber, warum die Sterne keinen Tag sehen konnten. Nächte vergingen und die Stunden erschienen ihm sehr lang… und dann war es endlich so weit.

Alles hatte sich in dem großen Wirbel verfestigt, die Wolken und der Staub verflogen, und ein kleiner Stern kam zum Vorschein. Er rieb sich die Augen, der Mond schien im hell ins Gesicht, und kitzelte ihn mit einem Lichtstrahl glatt an der Nase. So etwas mochte der Mond gern und dieser kleine Geselle sah so vorwitzig aus, dass man ihn einfach gern haben musste.

stern

Der Abendstern versuchte sogleich, dem Kleinen die himmlische Ordnung zu erklären, doch der Mond, Chef und Vorgesetzter unterbrach ihn unwirsch. „Lass ihn doch erst einmal ankommen, Abendstern“ meinte er. „Zum Lernen wird er noch genug Zeit haben und wir müssen sehen, was er alles aus sich allein heraus kann: Leuchtet er hell oder ist er dunkler, kann er den Wind kommen hören oder lässt er seine Strahlen lieber auf den Schneeflocken tanzen und versilbert die Regentropfen. Nur wenn wir das auch von ihm wissen, können wir dafür sorgen, dass die himmlische Ordnung eingehalten wird. Chaos ist da unten“, er deutete mit einem Strahl auf die Erde „wirklich schon genug“.

Der Abendstern grummelte ein wenig in sich hinein. Er war etwas verärgert, auch wenn er heimlich zugeben musste, dass der Mond damit Recht hatte. Doch kam er ihm aber auch so oft dazwischen, wenn er irgendetwas unternehmen wollte. Es war jedoch an seinem Wort nicht zu rütteln. Chef bleibt Chef!

Das kleine Sternchen sah sich neugierig um. Viele Sternbilder sah es im Mondschein, Planeten zogen still ihre Kreise und er konnte die Bahnen, die sie fliegen würden genau sehen. Sie waren mit reichlich Sternenstaub bedeckt, so dass alle ruhig und weich und gemütlich darauf liegen konnten und sich keiner den beträchtlichen Bauch auf schrubbte.

Doch plötzlich sauste und brauste es um ihn herum, dass ihm Hören und Sehen verging und bevor er noch ordentlich Luft schnappen konnte, war alles vorbei. „Was war das“ rief er aufgeregt zum Abendstern hin. „Kann da was passieren, ich bin noch so klein. Kommen die Brausedinger wieder? Muss ich etwas tun“. „Nun“ entgegnete der Abendstern. „Das sind die Vetter Kometen. Da ist nichts zu tun - sie sind, wie sie sind. Bleib einfach ruhig an Deinem Platz. So machen wir das alle. Sie werden ihrer Wege fliegen, die himmlische Ordnung hat es so vorgesehen.“

Und so verging das Jahr. Die kalten Nächte wurden wärmer. Der Schneefall, mit dem der kleine Stern so gern gespielt hatte, war vorbei. Die Nächte waren inzwischen kürzer und seine Schlafenszeiten dafür länger. Doch wie schön waren diese kurzen warmen Nächte. Die Wolken trieben gelassen einher, es gab keine Stürme. Insgeheim liebte der kleine Stern die Stürme, wenn sie die Regentropfen vor sich her trieben. Wenn er sie anleuchtete funkelten sie wie geschliffene Diamanten.

Mond und Abendstern sahen sich mitunter besorgt an. Noch war kein besonderes Talent an dem Kleinen zu entdecken. Alles das konnten sie auch, ebenso wie die Millionen anderer Sterne.

Nach einiger Zeit wurden auch die Nächte wieder länger und kälter. Das Jahr neigte sich seinem Ende zu. Der Schnee fiel sanft auf die Erde und türmte sich dort. Die Wasser gefroren und im Mondlicht sah alles sehr reinlich aus.

Plötzlich aber wurde der kleine Stern sehr unruhig. „Abendstern“ rief er, „hier passiert gleich etwas.“ Erschrocken sah der Abendstern zu ihm herüber und der Mond musste husten, was wie das Meckern einer Ziege klang. „Was soll hier passieren“ fragte der Abendstern erstaunt und sah sich gründlich um. „Alles hat seine Ordnung“. Ihm und dem Mond war nichts aufgefallen, was diese hätte stören können. „Nein, da ist etwas ganz anders, schau doch hin, da….da....“ rief der kleine Stern aufgeregt.

Und aus der Richtung, in die der kleine Stern mit seinem Strahl zeigte, kam ein goldener Schein. Ein großer Komet, der einen langen Schweif hinter sich herzog, kam heran ohne das schreckliche Spektakel der anderen Kometen. Er leuchtete im tiefschwarzen All hell auf und sah nur wundervoll aus. Der Komet neigte sich dem Mond zu ohne an Geschwindigkeit zu verlieren. Der Mond grüßte zurück mit einer so tiefen Verbeugung, dass er beinahe vom Himmel gekullert wäre. Der Abendstern winkte ihm zu und schickte ihm sein schönstes Licht auf die Bahn. Der große Komet mit dem Schweif aber verließ die Himmelsbahn und neigte sich der Erde zu.

Atemlos sah der kleine Stern, wie er langsamer im Flug wurde und dann sanft bremste. Über einer kleinen Hütte blieb er stehen. Es schien ein Stall zu sein. Durch die Nacht erklang das Schreien eines Neugeborenen und das kam aus diesem Stall. Es war ein kräftiges Schreien und bis hinaus in den Himmel zu hören.

Der Mond räusperte sich und der Abendstern rieb sich verlegen die Augen.
„Mein kleiner Stern“ sagte er bedeutungsvoll. Seine tiefe Stimme war vor Rührung ganz heiser geworden. „Das war der Weihnachtsstern. Du hast ihn zum ersten Mal gesehen. Wenn er erscheint, wissen wir, dass das Jesuskindlein geboren ist.

Der große Vetter Komet hat wichtige Aufgaben. Er wird den Hirten auf dem Felde und den Drei Königen, die schon auf der Anreise sind, den Weg weisen, den Stall erleuchten und ich bin mir sicher, dass er auch für ein wenig Wärme sorgen wird. Nur die Wärme von Ochs und Eselein ist für ein Kindlein, das noch nicht einmal ein Bett sein eigen nennen kann, doch zu wenig. „Heute, kleiner Stern, ist die wichtigste und heiligste Nacht des ganzen Jahres.“

Seine Stimme wurde etwas strenger. „Im nächsten Jahr sagst Du uns bitte etwas früher Bescheid. Es ist wohl Deine Bestimmung, dass Du den großen Vetter Kometen vor Weihnachten kommen spürst. Wir können ihn ab jetzt entsprechend begrüßen und seine Flugbahn mit silbernem Sternenstaub und Wolkengirlanden schmücken." „Aber aber Chef“ unterbrach ihn diesmal der Abendstern „erklären kannst Du ihm das später. Jetzt lass uns erst einmal zuschauen und vor allem hören.“

Liebevoll neigte er sich ein wenig dem Sternchen entgegen. „Horch Sternchen, in dieser Nacht klingen die Gesänge der Menschen bis zu uns herauf." Auch er räusperte sich. „Das ist ein Geschenk vom Vetter Komet an uns zur Weihnachtsnacht. Auf seiner Flugbahn können die Klänge nach oben zu uns steigen. So kann das ganze All die Gesänge der Menschen hören und ihrer Freude teilhaftig werden."

Da wurde das kleine Sternchen ganz andächtig und sagte keinen Mucks mehr, bis sich der Himmel heller färbte und es Zeit für ihn war, schlafen zu gehen.

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Autor: Feierabend-Mitglied

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