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Das schwarze Schloss

Immer an Allerheiligen öffnen sich um 12Uhr nachts die Grüfte der Toten und sie steigen für eine Stunde aus den kühlen Gräbern hinauf zu uns Lebenden. Gerne gehe ich in diesen Nächten bei Dunkelheit hinaus und hoffe auf seltsame Begegnungen.

Nicht weit von dem kleinen Städtchen in dem ich seit einiger Zeit lebe steht hoch im Walde ein altes zerfallenes Gemäuer. Oft bin ich dort hinauf gestiegen um die Aussicht zu genießen und dem Wind zuzuhören der über die alten baufälligen Mauern streicht. Der Aufstieg ist sehr steil und nur ein ganz kleiner Pfad, der fast zugewuchert ist, führt durch das enge Tal hinauf.
Es gibt keine Sagen oder Geschichten über die ehemaligen Bewohner und deren Geschlecht scheint ins Vergessen geraten zu sein.
Da ich gerne helle Mondscheinnächte benutze um mir über viele Dinge die mich bewegen Gedanken machen zu können. Haben sich die Menschen aus meiner Umgebung an mich und meine Vorliebe gewöhnt. Und so wandere ich durch Wald Flur und Feld um meine Einsamkeit die ich sehr liebe, zu pflegen.
Warum ich gerade in der Nacht vor Allerheiligen das Bedürfnis empfand wieder meine einsamen Pfade zu gehen kann ich nicht sagen. Es war kein Vollmond, aber der Halbmond an einem klaren herbstlichen Sternenhimmel bot genügend Licht und meine Augen hatten sich seit langem auf mein nächtliches Wandeln eingestellt.

Ganz in Gedanken verloren führte mich mein Weg am Einstieg hinauf zur Burgruine vorbei. Ich wollte da nicht hinauf weil ich dachte das Licht ist doch zu gering und wie leicht könnte ich abrutschen und mich verletzen.
Da zog mich etwas hinten an meiner Jacke. Ich erschrak, denn hinter mir hatte ich keine Schritte vernommen und so drehte ich mich schnell und etwas erschrocken um, um zu sehen, wer wohl hinter mir stand. Es war ein großer und schwarzer Hund, der mich ansah und gleich zum Zeichen seiner Gutmütigkeit begann, meine Hände abzuschlecken und demütig mit seiner buschigen Rute wedelte. Das war ein Zeichen für mich den Kopf des Tieres zu streicheln und seine Ohren zu kraulen.
Das Tier wandte sich von mir ab und ging langsam zum Einstieg in das Tal welches zur Burg hinauf führte. Dabei sah er sich nach mir um, als wenn er mir bedeuten wollte ihm zu folgen. Meine Neugier war geweckt und ich ging ihm nach, fast magisch angezogen, in die Dunkelheit des Waldes.
Wir waren vielleicht eine Stunde des steilen Weges gegangen, als der Hund plötzlich verschwand und ich dachte an Umkehr, aber es war mir nicht mehr möglich. Die Büsche am Rand des Pfades schlossen sich in meinem Rücken zu einem undurchdringlichen Hindernis.

Das Tor stand offen und nun war wieder der Hund an meiner Seite, nur erschien er mir viel größer geworden zu sein und seine Augen leuchteten wie aus roter Feuersglut gemacht.
Er forderte mich wieder durch seine Gestik auf ihm zu folgen. Wir gingen durch viele dunkle Gänge an deren Wände ab und zu rußende Fackeln für schwaches Licht sorgten. Grausige Schattengestalten tauchten vor mir auf und verschwanden und schauerliches Lachen trieben Wahnsinnsgedanken in mir hervor.
Schließlich drang eine lustige Musik an mein Ohr und wir traten in einen riesigen Saal mit einem langen Tisch an dem eine Gesellschaft saß die in eine alte Mode gekleidet war und Totenköpfe trugen, die aber gar nicht gruselig erschienen, denn sie waren kunstvoll geschminkt. Sie führten lebhafte Gespräche untereinander und aßen mit Messer und Gabel wie jeder Christenmensch es zu tun vermag.
Am Kopfende auf einem erhöhten Platz in einem schwarz drapierten thronartigen Stuhl saß eine ganz in Weiß gekleidete Dame. Sie war von ausgesuchter Schönheit ihr Haar war aschblond und fiel an beiden Seiten ihres schmalen Gesichtes herab.
Als sie mich gewahr wurde winkte sie mich huldvoll zu sich.
Neben ihr war ein Platz frei der anscheinend mir bereits vorbestimmt war. Ja, so als ob man mich erwartet hätte. Ich setzte mich und stellte fest, dass ich keinerlei Ängste mehr verspürte. Diener in prachtvollen Livrees und bei denen ebenfalls geschminkte Totenköpfe aus den steifen Krägen ragten servierten mir ein wunderbar zubereitetes Mahl und schenkten besten Wein in goldene Becher.
Wie ich mich gesättigt hatte bat mich die Dame, ohne mich anzusprechen mit einer Bewegung ihrer Hand auf, mit ihr zu tanzen.
Die ganze Gesellschaft der Totenköpfe erhob sich mit uns und es begann eine Art Polonaise, wobei die Damen sich mit mir an der Hand an die Spitze des Zuges setzte.
Fast musste ich lachen, wenn ich sah, wie sich die Totenköpfe gegenseitig zuneigten und sich die knochigen Finger die in verdeckt in Handschuhen steckten berührten.

Nach dem dritten Durchgang löste sich die Polonaise auf und jeder griff nach seinem Partner um sich mit ihm im Kreise zu drehen.
Meine schöne Partnerin ergriff mich. Ihre Hände waren zart und kühl und dennoch spürte ich wie eine mir unbekannte Wärme meinen Körper durchströmte.
Unsere Leiber drängten immer enger zusammen und dann verschmolzen sie zu einem einzigen- Etwas Körperlosem-; nur noch beherrscht von Ekstase und einem nicht mehr zu beherrschendem Begehren den anderen Leib in seiner Lust ganz und gar zu verschlingen, ihn in sich aufzunehmen und nie wieder loszulassen.
Plötzlich schien mein Leben mich zu verlassen. Für einen kurzen Moment öffneten sich meine Augen.

Rechts und links sah ich im schwachen Mondschein wie dornige Klauen nach mir griffen mich aber nicht verletzten. Dazu war ein Jaulen, Fauchen und Klagen zu hören was auf und ab schwellte. Glühende Augen verfolgten jeden meiner Schritte. Kalter Schweiß bildete sich an meinem ganzen Körper und mein Atem kam stoßweise und gequält aus der Lunge.
Schemenhafte Nebelgestalten gingen mir voran, versuchte ich sie aber zu erhaschen so war es mir als ob ich in etwas Feuchtes, Schwammiges griff. Es war keine Materie es war schreckliches Nichts.
Kurz danach kam ich auf dem Bergrücken an auf dem sonst die Ruine stand. An ihrer Stelle erschien mir ein Schloss mit Türmen und Zinnen.
Im fahlen Licht der Nacht sah ich, dass es ganz mit schwarzen, im Nachtwind flatternden Tüchern bedeckt war.

Über mir war wieder der nächtliche Himmel an dem Herbststerne kalt flimmerten und der Halbmond leuchtete auf die verfallenen Mauern der Ruinen um mich herum. Unten vom Städtchen herauf schlug die Kirchturmuhr ein einziges Mal. Dann war Finsternis.

Am Allerheiligenmorgen fanden Besucher des Friedhofes, welcher zu dem Städtchen gehörte und indem ich noch gestern gerne und gut gelebt hatte, meinen Leichnam.

Er lag da eingehüllt in ein schneeweißes Laken in einer frisch aus geschaufelten Gruft. Ein großer schwarzer Hund saß wie ein Wächter daneben. Als man die Erde auf meinen toten Körper häufte und am Ende nur noch ein kleiner Hügel zeigte unter dem ich für immer ruhen sollte, verschwand der schwarze große Hund für immer.

! Meine Seele aber begann sich auf einen langen Weg zu machen !


Autor: Fiddigeigei

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