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Autor: Feierabend-Mitglied

Die sündige Grenze

Der Krieg ist vorbei und in Aachen beginnt der Wiederaufbau. Die Lebensmittel sind noch knapp und in Aachen und dem Umland beginnt eine Neue Branche zu blühen, Man schmuggelt.
Im Grenzgebiet gibt es eine neue Währung, Moccaturc und Chat Noir, kurz, Kaffe und Zigaretten. Wer es hat, kann sich mit Kaffe und Zigaretten mehr verdienen, als mit der normalen Arbeit, mit Schmuggel konnte man in zwei Nächten mehr verdienen als mit normaler Arbeit in einem Monat Es beginnt ein reger Grenzverkehr, und es wird geschmuggelt, was das Zeug hält und was man tragen kann.

An der "Kaffeefront" im "wilden Westen", dem Städtedreieck Aachen-Maastricht-Lüttich, tobte von 1946 bis 1953 ein erbitterter Kampf zwischen Schmugglern und Zöllner Fast zwei Drittel des Kaffees, der in den Jahren 1945 bis 1953 an Rhein und Ruhr getrunken wurde, waren Schmuggelware. Wegen einer hohen Steuer war Kaffee in Deutschland fast dreimal so teuer wie in Belgien. Folglich war fast ein jeder der im Grenzgebiet wohnte, etwas kriminell“. Die einen schmuggelten den Kaffe, die anderen tranken den geschmuggelten Kaffe. Da es in Deutschland eine sehr hohe Kaffeesteuer gab, lohnte sich das schmuggeln. Allen war es bewusst, dass es scharfe Kontrollen durch den Zoll gab, und auch harte Strafen, aber abschrecken ließ man sich deshalb nicht. Für ein Kilo Kaffee erlöste man in Aachen bis zu 1500 Reichsmark, für ein Pfund Butter 600, für eine „Amizigarette“ 8 Reichsmark Selbst ganze Kolonnen von Kindern wurden eingesetzt, die Kaffe und Zigaretten schmuggelten, dadurch wurde der Lebensunterhalt der Familien aufgebessert. Rucksackweise wurde Kaffe geschmuggelt, oder in Fahrzeugen, so genannte Kaffeekreuzen, transportiert.

Die Hauptschmuggellinien lagen südlich von Aachen-Hitfeld bis Mützenich. Selbst durch den Schießbefehl, dem fast 40 Personen zum Opfer vielen, oder Hunderten von Verletzten, ließ man sich nicht vom Schmuggeln abhalten. Im Gegenteil, als Schmuggler war man einfallsreich, man rüstete sich auf. Aus militärischen Beständen wurden Spähfahrzeuge organisiert und die Grenze so durchbrochen. In Beinprothesen wurden Zigaretten gepackt, und so wurde versucht, über die Grenze zu kommen. Wer mit dem Auto schmuggelte, hatte die Reifen mit Kaffeebohnen gefüllt, wer nicht erwischt wurde hatte einen guten Nebenverdienst in dieser Nacht über die Grenze gebracht.

Um Zollfahrzeuge abzuhalten, wurden Krähenfüße auf die Straße geworfen, und die Verfolger blieben mit kaputten Reifen zurück. Aber ebenfalls der Zoll rüstete auf., es wurde ein in Lammersdorf ein Zollsender eingerichtet, um schneller reagieren zu können. Damit immer genügend Zollbeamte zur Stelle waren, wurden Wohnwagenzüge bereitgestellt, die mit Zollbeamten besetzt waren.

Das bestgehütete Geheimnis war jedoch der schnelle Besenporsche des Zolldienstes. Dieses Fahrzeug war vorne um 80 cm verlängert worden und es war ein absenkbarer Besen montiert worden, um gegen die Krähenfüße gewappnet zu sein.
Besonders im Raume Mützenich wird geschmuggelt, dass sich der Zoll dort verstärkt aufhält. 1952 wird einer nach dem anderen erwischt und verhaftet. Das Kölner Gefängnis „ Klingelpütz“ wird zum Treffpunkt der Dorfbewohner. Man begrüßte sich dort schon mit den Worten: Willkommen im Eifeler Hof.
In Schmidt in der Eifel, wo die Kirche St. Hubertus total zerstört war, wurde die Kirche mit dem Erlös von Schmugglergeld wieder aufgebaut. Seit dieser Zeit heißt diese Kirche: Sankt Mokka. Der damalige Pfarrer Bayer hatte in seiner Predigt das Zitat gesagt:
Ich bete Nacht für Nacht dafür, dass ihr nicht erwischt werdet, und ihr habt nichts für den Wiederaufbau unserer Kirche übrig.“ Und seit dem wurde auch für den Wiederaufbau gespendet.

Der Erfindungsreichtum war zu dieser Zeit ausgeprägt. Es war den Aachenern verboten, Frischfleisch aus den Niederlanden mit zu bringen. Der Grund lag wahrscheinlich in der Aachener Metzgerinnung. Fleisch durfte nur in gebratenem Zustand über die Grenze. Also wurde kurzerhand in den Vaalser Verkaufsräumen Töpfe aufgestellt, um das Fleisch an zu braten, und die Zöllner hatten das Nachsehen.
Der Schmuggel war so bekannt geworden, dass im Jahre 1951 der Spielfilm: Die sündige Grenze entstand. Hauptdarsteller war Dieter Borsche und Produzent war Artur Brauner.

Am 24. August 1953 wurde in Deutschland die Kaffeesteuer gesenkt, und das schmuggeln lohnte sich ab da nicht mehr. Schlagartig hörten die Schmuggelfahrten auf. In diesen acht Jahren wurden geschätzte 1000 Tonnen Kaffee über die Grenze gebracht, eine Ära ging zu Ende. . Mit 20 Millionen D-Mark Jahresumsatz hat der Kaffeeschmuggel wesentlich zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg in der Region Aachen beigetragen. Als 1953 die Kaffeesteuer gesenkt und die Schmuggler arbeitslos wurden, mußte auch der Zoll Arbeitsplätze abbauen. 53 Tote waren zu beklagen, die meisten von ihnen Schmuggler, darunter sogar Jungen und Mädchen.

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