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Bekenntnis - Dietrich Bonhoeffer

Von EwigerBrunnen01 Samstag 07.05.2022, 09:43

Bekannt geworden ist Bonhoeffer insbesondere durch sein Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Dass „Glauben“ auch für ihn ein beschwerlicher Weg war und wodurch er dann zum Christentum gefunden hat, schrieb er im Jahr 1936 in einem persönlichen Bekenntnis an die Berliner Vikarin Elisabeth Zinn:

„Ich stürzte mich in die Arbeit in sehr unchristlicher und undemütiger Weise. Ein wahnsinniger Ehrgeiz, den manche an mir gemerkt haben, machte mir das Leben schwer und entzog mir die Liebe und das Vertrauen meiner Mitmenschen. Damals war ich furchtbar allein und mir selbst überlassen. Das war sehr schlimm.
Dann kam etwas anderes, etwas, was mein Leben bis heute verändert und herumgeworfen hat. Ich kam zum ersten Mal zur Bibel. Das ist auch wieder sehr schlimm zu sagen. Ich hatte schon oft gepredigt und geschrieben - und ich war noch kein Christ geworden, sondern ganz wild und ungebändig mein eigener Herr. Ich weiß, ich habe damals aus der Sache Jesu Christi einen Vorteil für mich selbst, für eine wahnsinnige Eitelkeit gemacht.
Ich bitte Gott daß das nie wieder so kommt. Ich hatte auch nie, oder doch sehr wenig gebetet. Ich war bei aller Verlassenheit ganz froh an mir selbst. Daraus hat mich die Bibel befreit und insbesondere die Bergpredigt. Seitdem ist alles anders geworden. Das habe ich deutlich gespürt und sogar andere Menschen um mich herum. Das war eine große Befreiung. Ich habe gelernt daß das Leben eines Christen der ihn umgebenden Not gehören muß und dass der christliche Pazifismus, den ich noch kurz vorher leidenschaftlich bekämpft hatte, mir auf einmal als Selbstverständlichkeit aufging. Dennoch fühle ich mich nicht ein für allemal gerettet, ganz im Gegenteil. Es gibt immer noch viel Ungehorsam und Unlauterkeit im Beruf, ich ertappe mich täglich dabei. Aber ich finde diesen Beruf schön und bin bereit den Weg durchzugehen. Vielleicht dauert er gar nicht mehr so lange.“
Gelesen in dem Buch „ Wir hätten schreien müssen“ von Christian Feldmann (Herder-Verlag)

Der Glaube fällt keinem Menschen einfach so in den Schoß, man muss sich schon intensiv damit auseinandersetzen und insbesondere über die Bergpredigt nachdenken, in der Jesus den Weg beschreibt den Menschen gehen sollten um im Einklang mit Gottes Richtlinien leben zu können.
Mich hat die Offenheit und Ehrlichkeit von Dietrich Bonhoeffer sehr berührt, er hat sich nicht als Heiliger dargestellt sondern als ein Mensch, der täglich Fehler macht. Das macht ihn menschlich und sehr sympathisch.
Bei seiner Feststellung „Vielleicht dauert er gar nicht mehr so lange“ bekam ich beim Lesen eine Gänsehaut und mußte daran denken, dass er tatsächlich Recht hatte, denn noch im April 1945 - also kurz vor Ende des 2. Weltkrieges - wurde er durch die Nazis hingerichtet.

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