50 Gründe um Wien zu lieben
Von
EwigerBrunnen01
Montag 14.06.2021, 08:55
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Gestern sah ich auf 3SAT die obige Sendung und folgte mit Vergnügen den einzelnen vorgestellten Stationen dieser traditionsreichen Stadt. Dazu gehörte auch ein Blick in die Wotrubakirche - ein Bau der an alles andere als an eine Kirche erinnert. Steinblöcke sind kreuz und quer aufeinander gestapelt, auch innen schmucklose Wände, keine Heiligenbilder oder Marienaltäre bzw. Marienstatuen. Lediglich über dem Altar ein einfaches Kruzifix.
„Das Gebäude entstand auf Initiative von Margarethe Ottilinger und nach einer Idee von Fritz Wotruba. Wotruba wollte den für seine Arbeiten in Granit bekannten „Bildhauerpfarrer“ Josef Elter in Traunstein zur Mitarbeit gewinnen, jedoch scheiterte dieses Projekt an der Zustimmung der Bauherren.
Der Bildhauer Wotruba wollte nach eigenen Worten„Etwas gestalten, das zeigt, dass Armut nicht hässlich sein muss, dass Entsagen in einer Umgebung sein kann, die trotz größter Einfachheit schön ist und auch glücklich macht.“ Ottilingers Motiv war, in einem Europa, in dem der Glaube an Gott schwindet, die Menschen aufzurütteln und zu zeigen, dass „noch immer Kräfte wirksam sind, die dem Geist des Unglaubens widerstehen“.
Bereits vor der Fertigstellung wurde die heftig diskutierte Kirche zum Ausflugsziel von Neugierigen und Kunstinteressierten. 2018/2019 wurde ein Zubau mit einem barrierefreien Zugang zur Ober- und Unterkirche errichtet“.
(Wiki)
Man sollte nicht meinen dass ein solcher Bau ein Anziehungspunkt für katholische Gläubige ist, da die meisten Mitglieder der Kath. Kirche Glanz und Gloria lieben, d.h. einen möglichst reich ausgeschmückten Innenraum. Doch erstaunlicherweise ist diese Kirche trotz ihrer kargen Einrichtung immer rappelvoll. Woran mag das liegen?
Der 82-jährige Pfarrer der Gemeinde protestierte gegen die Anrede des Reporters, der ihn mit „Hochwürden“ ansprach. „Nein, ich bin kein Hochwürden sondern der Franz. Und wenn ich einmal in Pension gehe dann machen alle meine Mitarbeiter - dabei zeigte er auf die Gemeinde - alles so weiter. Außerdem predigt hier nicht nur der „Hochwürden“ (dabei lächelte er verschmitzt) sondern Männer und Frauen. Die Meßtexte werden von den Gläubigen passend zu den sonntäglichen Evangelien gemacht. Wir haben von Anfang an (fast 42 Jahre) rhythmische Lieder gesungen und immer wieder erneuert, wir haben keine Traditionslieder aus der Kultur des 15./16. Jahrhunderts, wir leben in der Gegenwart. Wir sind für die Menschen von Heute da!“
Der Reporter fragte: „Was denken Ihre Kollegen in anderen Kirchen in Wien über Ihre Auffassung von Gottesdienst?“ Daraufhin antwortete „Franz“ lächelnd: „Ich habe keine Ahnung und habe auch keine Zeit darüber nachzudenken“.
Mich hat dieser schon sehr betagte Geistliche angenehm überrascht wie modern und zeitgemäß dieser denkt und handelt. Auch trug er ein einfaches weißes Gewand ohne Pomp und Schnörkel.
Dieser hat verstanden worauf es ankommt und wie eine Gemeinde zu leiten ist. Er bezieht alle Gemeindemitglieder ob jung oder alt in den Dienst mit ein, so wie dies die Urchristengemeinden auch praktiziert haben. Und nur so kann eine lebendige Gemeinschaft entstehen und bestehen. Dass diese Gottesdienste so eifrig besucht werden zeigt doch dass die Gläubigen mehr Nähe auch zu den Geistlichen wünschen und den durch Titel usw. entstandenen Graben zwischen Klerus und Laien überbrücken bzw. abschaffen, die „Zäune“ durch Brücken ersetzen möchten.
Was sagte Jesus: „Der Größte unter euch soll euer Diener sein“ und „ihr seid alle Brüder“. Von Eminenzen, Hochwürden usw. hat er nie gesprochen. Jesus war immer ein Dienender, obwohl er als der Sohn Gottes seine Macht hätte demonstrieren können. In diesem Sinne sollten auch fähige Menschen die Gemeinde führen und leiten. Leider entstand in späteren Jahren daraus eine Machtkirche - also direkt das Gegenteil von dem was Jesus und die Apostel gewollt haben.
Wenn sich die Kath. Führung bzw. der Klerus an diesem Pfarrer, der hochtrabende Anreden ablehnt und sich auch nur als Mensch sieht, ein Beispiel nehmen würden, dann gäbe es keine so immensen Austritte, die nicht durch plötzlichen Unglauben verursacht sind, sondern durch das Handeln des Bodenpersonals Gottes. Hier sollte die Führung im Vatikan u.a. auch wegen der Missbrauchsfälle nicht mehr zögern den Zölibat abzuschaffen, der keineswegs von Jesus gefordert sondern in späteren Jahrhunderten von sexfeindlichen Geistlichen eingesetzt worden ist. Man sollte die Entscheidung jedem angehenden Priester selbst überlassen ob er heiraten möchte oder nicht. Ein lebenslanges eheloses Gelübde abzugeben, ist einfach unmöglich, da Menschen sich im Laufe ihres Lebens weiterentwickeln und möglicherweise in späteren Jahren ein solches Gelübde bedauern könnten.
Einen ähnlichen volksnahen Pfarrer gibt es auch in München - Pfr. Schießler und bestimmt auch in einigen anderen Gemeinden. Und diese können über leere Kirchenbänke bestimmt nicht mehr klagen.