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Der Tag unserer Wiedervereinigung

Von Grunewaldturm Freitag 03.10.2025, 08:06

Heute sollte die Freude über die Wiedervereinigung bei uns an erster Stelle stehen.
Aber leider fühlen sich noch viele in unserem Land nicht wirklich wiedervereinigt.

Warum ist das eigentlich so? Sollten nicht nach 35 Jahren alle Vorurteile ausgeräumt und endlich ein Wir-Gefühl entstanden sein? Ich denke Ja, das sollte es, denn für mich war im Grunde genommen die Teilung gefühlsmäßig nie wirklich existent.

O. K. nun bin ich nicht gerade ein Musterbeispiel an deutscher Anpassungsfähigkeit, eher das genaue Gegenteil. Ich hatte mich mit der deutschen zwei Staaten Gesellschaft nie wirklich abgefunden und die BRD genauso kritisch im Auge gehabt wie die DDR. Nicht zuletzt aus diesem Grund war der Tag unserer Wiedervereinigung der glücklichste meines Lebens. Und das weiß ich besonders deswegen so genau, weil ich von glücklichen Tagen nicht gerade heimgesucht wurde.

Aber, zurück zur Wiedervereinigung.

Willy Brandt hat anlässlich des Mauerfalls am 9. November gesagt: »Es wächst zusammen, was zusammengehört«. Kurz, einfach und doch so beruhigend logisch im emotional aufgewühlten deutschen Herbst 1989. Dabei hatte der Satz bei Weitem nicht die elektrisierende Kraft von Kennedys "Ich bin ein Berliner". Doch er gab Orientierung. Noch hatte die Mauer nur Risse, die Zukunft des kleineren der beiden deutschen Staaten war völlig offen. Von Reform-Sozialismus war die Rede, andere philosophierten über eine Konföderation, sogar die Konstruktion eines Deutschen Bundes wurde erwogen. Doch Brandt sprach vom großen Ganzen, ohne dabei zu drängen. Die Einheit sollte organisch wachsen.

Willy Brandt erlebte den Fall der Mauer als politischer Pensionär. Als dann das Undenkbare geschah, war die SPD froh, ihn als deutschlandpolitische Autorität in ihren Reihen zu wissen. Viele Sozialdemokraten - auch zahlreiche Prominente - taten sich schwer mit der friedlichen Revolution in der DDR. Einflussreiche Kreise der Partei wollten die DDR reformieren und damit letztlich als zweiten deutschen Staat erhalten. Brandt war in der Deutschland-Frage klarer. Seine Formulierung berührte die Menschen, da sie die Unnatürlichkeit der Trennung ausdrückte. In der Art, wie er seine Worte setzte, schwang auch Geduld und Demut mit.
Warum ist aber noch immer für so viele nicht zusammengewachsen, was doch zusammengehören sollte?

Natürlich könnte ich jetzt argumentieren, dass sich unsere Gesellschaft in ihrer Gesamtheit seit 1989 in geradezu erschreckender Weise veränderte. In dieser speziellen Frage aber sind es hauptsächlich jene Menschen, die schon zur Zeit der BRD und DDR Erwachsene waren und mit nostalgischen Erinnerungen auf diese Zeit zurückblicken.

Die meisten Menschen haben nun einmal die unangenehme Eigenschaft, die Vergangenheit durch eine rosarote Brille zu betrachten und es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen.
Das erklärt auch, warum für junge Leute diese Diskussion nur insofern ein Thema ist, wenn sie im häuslichen Umfeld von ihren Eltern in dieser Richtung beeinflusst wurden.

Fazit:
Erst, wenn wir Alten auf natürliche Weise den Weg freigemacht haben, kann die Angelegenheit als erledigt betrachtet werden ...

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