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Alle gemeinsam oder jeder für sich?

Von Grunewaldturm 26.10.2025, 09:09

Anlässlich des Tages der Zeitumstellung habe ich mir nicht nur über das Für und Wider in dieser Frage Gedanken gemacht, sondern auch darüber, warum es in Europa so wenig Bereitschaft zur Gemeinsamkeit gibt.

Um das zu eruieren, habe ich einen weiten Blick zurückgewagt. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass es Benjamin Franklin war, der in einem Leserbrief erstmals die Idee der Sommerzeit vorschlug. Das war im Jahre 1784. Er erkannte das Potenzial, durch die Anpassung der Uhren Energie zu sparen, ein Konzept, das heute als Ursprung der Sommerzeit in Europa gilt. Diese frühe Vorstellung wurde jedoch erst im 20. Jahrhundert ernsthaft umgesetzt.

2018 stimmten 84 % der Teilnehmer einer EU Umfrage für die Abschaffung der Zeitumstellung. Die geplante Abschaffung wurde 2021 aufgrund mangelnder Einigung nicht umgesetzt.

Und damit wäre ich auch schon beim Thema.

Als am 18. April 1951 aufgrund der Initiative von Robert Schumann die europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) gegründet wurde, war das der Grundstein für unser vereintes Europa.



Der Zweite Weltkrieg war zu diesem Zeitpunkt erst wenige Jahre beendet. Von Deutschland war unsägliches Leid ausgegangen: Sechs Millionen europäische Jüdinnen und Juden fielen dem Rassenwahn der Nationalsozialisten zum Opfer. Mit insgesamt 60–70 Millionen Toten steht der Zweite Weltkrieg für die Tragödie des 20. Jahrhunderts. Bei der Frage, wie man verhindern könnte, dass Deutschland noch einmal fähig wäre, einen Angriffskrieg zu führen, spielten Überlegungen zur Kontrolle der Schwerindustrie eine zentrale Rolle.



Der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) war bereits vorab von Schuman über dessen Plan informiert worden und stimmte Verhandlungen zu. Er strebte nicht nur eine schrittweise Wiedererlangung deutscher Souveränität an, sondern auch eine politische Westintegration.

Gründung des vereinten Europas.

Die Erfahrungen des Nationalsozialismus hatten die europäischen Länder stark erschüttert. Auch wenn Hitler nichts von der europäischen Idee hielt, wurde sein Streben von europäischen Intellektuellen auch unter dem Gesichtspunkt einer Einigung Europas durch Krieg, Verbrechen und Eroberung diskutiert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte Europa nun die Möglichkeit einer erneuten Gemeinschaftserfahrung bieten. Ein demokratisch verfasstes Europa sollte die Alternative zu dem abgelehnten System der nationalistischen Herrschaft bilden.

Die kurzfristige Planung des Pariser Gipfels sorgte für erhebliche Furore und hinterließ einen Beigeschmack von chaotischem Management. Das Bestreben, Verhandlungen unter dem Eindruck zu starten, als habe man aus früheren Fehlern gelernt, erzeugte hochgesteckte Erwartungen, die letztlich enttäuscht wurden.



Indem nicht alle EU-Mitglieder eingeladen wurden, entstand unweigerlich ein Gefühl der Zweiklassengesellschaft innerhalb der Union. Selbst jene, die teilnahmen, fanden sich in zentralen Fragen uneinig und ließen so eine klare Richtung vermissen. Im Kontext dieser hektischen Organisation kann das Treffen bestenfalls als suboptimal bezeichnet werden.

Es überrascht kaum, dass internationale Persönlichkeiten wie Donald Trump Europa mit wenig Ernsthaftigkeit betrachten. Europa wurde in den Hintergrund geopolitischer Entscheidungen gedrängt, insbesondere in den Angelegenheiten, die es direkt betreffen.



Wobei die eigentliche Gestaltung von Frieden und Stabilität in fragwürdige Hände gelegt wird.

Die Vergabe der Definitionsmacht über Friedensfragen

Die Abhängigkeit von externen Akteuren wie Trump oder gar Putin weist auf eine beunruhigende Entwicklung hin. Das sollte uns endlich dazu bringen, uns daran zu erinnern, dass wir mit unseren ca. 450 Millionen Menschen eine Macht sind, die sich nicht von anderen Staaten fremdsteuern lassen darf.

Bleibt zuletzt noch die Frage der eigenen Uneinigkeit von uns Deutschen.

Das heutige Gebiet Deutschlands war um 1800 ein „Flickenteppich“ von vielen Klein- und Mittelstaaten, die zwar miteinander verbunden waren, aber keinen einheitlichen Staat bildeten. Anders als in England und Frankreich, wo sich im Laufe der Jahrhunderte Zentralstaaten gebildet hatten, herrschte in Deutschland Kleinstaaterei. Erst mit dem sogenannten Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurden diese Gebiete zu größeren staatlichen Einheiten zusammengelegt.

Maßgebend für unsere deutsche Kleinkrämerei war aber die Tatsache, dass jeder dieser Kleinstaaten seine eigenen Gesetze, Vorschriften, Maße und Gewichte hatte und so ein Verkehr und Handel fast unmöglich war. Deswegen hatten die Menschen untereinander kaum Kontakt, wussten wenig voneinander und waren gegenüber anderen voller Vorurteile. Bei vielen, von uns heute Lebenden trifft man dieses Verhalten noch immer an. Die Rechthaberei, um nur eine zu nennen, ist geradezu unser deutsches Markenzeichen …

© Grunewaldturm

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