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Besuch im Fastnachtsmuseum am 4.2.2017


Passend zur närrischen fünften Jahreszeit hatte ich die Mitgliedergruppe Mainspitze am Samstag, dem 4. Februar 2017, ins Mainzer Fastnachtsmuseum eingeladen. 18 Mitglieder folgten der Einladung, einige kamen sogar mit Orden behängt, närrischer Kopfbedeckung oder Fastnachtsbluse. Kurz vor 15 Uhr trafen wir uns am Eingang zum Museum, das sich im Keller des Proviantmagazins befindet.

Andreas Kladden, einer der 40 Ehrenamtlichen des Museums, nahm uns in Empfang und erzählte nicht nur interessant von der Historie, sondern erwähnte auch Stationen der Mainzer Fastnacht.

Nachdem die Fastnacht im Mittelalter eher heidnisch geprägt war, bekam sie nach der Französischen Revolution neue Formen und Regeln. 1823 wurde in Köln ein Komitee gegründet, das den ersten Rosenmontagszug organisierte. In Köln wurden auch die Karnevalsmützen und Orden eingeführt, die als Erkennungszeichen dienten. Andere Städte folgten: 1825 Düsseldorf, 1826 Bonn, 1827 Koblenz, 1829 Aachen.


1837 gründete sich der älteste Mainzer Karnevalsverein, die Ranzengarde. In den Aufnahmebedingungen stand, dass die Herren „einen Leibesumfang von sechs Fuß“ aufzuweisen hatten. Als Uniform diente das Vorbild der Füsiliere des letzten Mainzer Kurfürsten, Friedrich Karl Joseph von Erthal.

1938 wurde der Mainzer Carneval Verein (MCV) gegründet.

1856 kam als dritter Verein die Mainzer Kleppergarde hinzu.

Ende des 19. Jh. gründeten sich weitere Fastnachtsvereine auch in den Vororten von Mainz. 2011 waren es 75 Vereine.


1914 lief der letzte Rosenmontagszug vor dem 1. Weltkrieg und es dauerte bis 1926, ehe wieder Fastnacht gefeiert wurde. 1927 gab es den ersten Umzug nach dem Krieg, in dem zum ersten Mal die „Schwellköpp“ mitliefen.

Den Schlachtruf „Helau“ gibt es übrigens – so Andreas Kladden - erst seit 1935. Vorher wurde in Mainz mit „Hoch“ und „Hurra-Rufen“ dem närrischen Treiben Ausdruck verliehen. 1934 brachten Delegationen des MCV und der Mainzer Prinzengarde von Besuchen in Düsseldorf den dort üblichen närrischen Schlachtruf „Helau“ mit. Dieser wurde in Mainz sofort akzeptiert und hat sich seit 1935 etabliert

In der Zeit des Nationalsozialismus diente die Fastnacht propagandistischen Zwecken. Nur wenige trauten sich, „in der Bütt“ Kritik zu üben. Einer davon war Seppel Glückert.

1939 lief der letzte Rosenmontagszug vor dem 2. Weltkrieg.

1946 gab es wieder die erste Fastnachtssitzung, die 14x wiederholt werden musste. Das Motto des ersten Rosenmontagszugs nach dem Krieg im Jahr 1950 hatte das Motto „Lachen spenden – Trübsal wenden“. Zur Finanzierung wurden seit 1948 „Plakettchen“ aus Blech verkauft. Seit einigen Jahren blinken sie und das Zugplakettchen 2017 spielt sogar "Im Schatten des Doms".

Nach den informativen Ausführungen stieg ich mit einem kurzen Vortrag in die Bütt’, ehe wir uns auf den Rundgang durch das Museum begaben. Andreas Kladden begleitete uns zu einigen Stationen. Das Museum ist nach der mehrmonatigen Umgestaltungsphase nicht mehr chronologisch, sondern thematisch geordnet und zeigt neue Exponate.


Wir bewunderten ein gelbes Ballkleid für einen Maskenball von 1910. Daneben hängen Narrenzepter von 1884 und Kostümverkleidungen aus Papier. Andreas Kladden erklärte uns, dass diese von Frauen vor dem Maskenball überzogen wurden, damit ihre Ehemänner nicht wussten, welches Kostüm sie trugen.



Zu sehen sind neben den zahlreichen Schwellköppen verschiedenen Gardeuniformen und Fastnachtsorden, Zugplakettchen, viele Fotos und Informationen zur Fastnachtgeschichte. Es gibt auch immer wieder Platz für Sonderausstellungen. Momentan widmet sich diese der Geschichte des Jugendmaskenzuges anlässlich des 60jährigen Jubiläums in diesem Jahr.

Interessant fanden wir den Fernseher mit alten Aufnahmen zur Fernsehfastnacht, Fastnachtsschlager und Auszügen aus den Rosenmontagszügen.


Den Nachmittag beschlossen wir im Proviantmagazin mit Kaffee, Wein, Bier und Gerichten aus der Wirtshauskarte.


Wer das kleine, aber feine, Museum besuchen möchte, kann das dienstags bis sonntags zwischen 11 und 17 Uhr tun. Der Eintritt kostet 1,50 € - für Rentner nur 1 €.


Hier kannst Du die Bilder des Nachmittags sehen, zusammen mit einem kleinen Film meines "Auftritts" in der Bütt' !



Und wer noch mehr lesen und schauen möchte, dem empfehle ich einen Blick auf meinen Bericht von 2010, als wir schon einmal mit einer kleinen Gruppe im Fastnachtsmuseum waren.

(eingestellt am 6.2.17)


Autor: Rose56


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