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Wo ist mein armer Teddy?

Von Feierabend-Mitglied Dienstag 26.04.2022, 16:02

Miriam kam heulend in den Kindergarten: "Ich hab' meinen Teddy verloren und ohne ihn kann ich nicht einschlafen, und jetzt ist er ganz allein und ich kann nicht mehr auf ihn aufpassen." Damals hatten die Kinder nur ein oder zwei solcher Lieblinge, zu denen sie eine enge Beziehung aufbauten. Der Bär war im Bus liegengeblieben, Fundbüro brachte keinen Erfolg und alles trösten führte nur zu neuen Tränen oder Wutausbrüchen. "Wir kaufen morgen einen Neuen,"sagte Mama. "Ich will aber meinen Bär, der kennt mich!"

Es gab damals in Berlin drei Teddygeschäfte und ich fragte Miriam, ob wir dort alle mal hinfahren wollen, um zu gucken, ob der Bär dorthin gelaufen ist, weil er dann nicht mehr so allein ist. "Auja" strahlte sie, " vielleicht finden wir ihn", und so fuhren wir am nächsten Tag los.

In diesem Geschäft gab es unzählige Teddys in allen Größen und Farben. Ich erzählte der Verkäuferin den Kummer meiner Kleinen und ob wir uns Zeit nehmen dürfen, um uns umzusehen. Meine Zwerge bekamen noch einige liebevolle Anweisungen bezüglich Lautstärke und Anfassen, es war eine echte Herausforderung mit 15 Kindern. Oft reichte es schon, ihnen die Hand auf die Schulter zu legen.

Miriam ging in Zeitlupe an den Regalen entlang, hochkonzentriert, es dauerte eine Stunde. "Er ist nicht hier, ich hab alle genau angeguckt," heulte sie. "Morgen fahren wir in einen anderen Laden", versuchte ich zu trösten. Und das taten wir auch. Aber auch dort hatten wir keinen Erfolg und Miriams Verzweiflung nahm zu. Die enge Bindung, die Miriam zu ihrem kleinen Freund hatte, rührte mich sehr und ich wusste nicht, wie ich das auflösen konnte.

Im dritten Geschäft nahm meine Zuversicht ab, aber ich wollte nichts unversucht lassen. Ganz still ging sie durch den Laden..... nach einer halben Stunde ein lauter Schrei: "Gitti, Gitti, ich hab ihn gefunden! Er sieht etwas anders aus, viel heller und ganz sauber, vielleicht hat er gebadet. Aber er hat mich angeguckt und gelacht, aber das konnte nur ich hören. Darf ich ihn in den Arm nehmen?" Die nette Verkäuferin strahlte, nahm den Bär und legte ihn Miriam in den Arm.

"Gitti, er riecht auch ganz anders, aber er hat ja gebadet und dann rieche ich auch immer ganz frisch, sagt Mama." So ein glückliches Kindergesicht fiel mitten in mein Herz, und alle Kinder freuten sich und nun war die Lautstärke nicht mehr zu bremsen. Meine Praktikantin ging mit den Zwergen schon mal nach draußen, Miriam vorneweg. Sie presste den Bär an sich und sprach mit ihm. Ich wollte den Teddy nicht in ihrer Gegenwart bezahlen, denn er gehörte ihr ja schon.

Was für ein schöner Tag, alle Kinder waren mit Miriam froh, die Mama glücklich und ich erschöpft und dankbar über den guten Ausgang.

Es ist so wichtig, dass wir Kinder in ihrem Schmerz ernst nehmen.

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