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Weißt du noch....?

Von Feierabend-Mitglied Dienstag 09.11.2021, 07:15

Ich habe zwei Enkel, deren Geburt ich vor 32 und 24 Jahren begleitet und sehr nah erlebt habe. Dies hat ein tiefes Band zwischen uns geschaffen und ich hab sie in vielen Krisen stützen können.

Meine Tochter heiratete einen Inder, als die Buben 6 und 14 Jahre alt waren. Damit begann für uns alle eine schwierige Zeit. Dieser Mann hatte kulturell ein ganz anderes Bild von Frauen, er verlangte von mir, dass ich als Großmutter indische Kleidung trug und meinte, mein Selbstbewusstsein würde seiner Frau und den Kindern schaden und seine Ehe belasten. Der Kontakt wurde weniger, aus Loyalität ging auch meine Große auf Abstand und der Kontakt brach ab, meine Enkel sah ich nicht mehr. Das war eine schmerzliche Phase, zumal ich mit den Buben allein Reisen gemacht hatte, sie viele Wochenenden bei mir verbrachten, wir gemeinsam kochten, erzählten, sehr vertraut miteinander waren und viele Geheimnisse und Erlebnisse miteinander teilten.

Meine Tochter bekam in den nächsten 5 Jahren 3 weitere Kinder, die ich erst kennenlernte, als sie 4-8 Jahre alt waren, erst durch die Scheidung entwickelten sich zaghafte und schwierige Treffen. Die kleinen Kinder waren misstrauisch und auf Distanz, anders geprägt, ich war für sie eine Fremde.

Die beiden Großen, in einer schwierigen Pubertät, nahmen intensiven Kontakt zu mir auf, ich war tief berührt über das Vertrauen, das sie zu mir hatten und oft sehr besorgt, wenn sie mir über ihren Umgang, Alkohol, ersten Kontakt mit Drogen und durchfeierten Nächten erzählten. Meine Tochter schaltete das Jugendamt ein, worauf ich die Initiative ergriff, der Große lebte in einer Jugend-WG und der Jüngere dann 2 Jahre mit mir in meiner Zweizimmerwohnung. Liebevoll Grenzen setzen, Zeit zum Zuhören und gemeinsam Dinge tun, Umgang mit Geld einüben, immer wieder vertrauen und niemals strafen. Sie brauchten Orientierung und Halt. Die 2 Jahre waren eine echte Herausforderung, sie bewahrten mich davor, starr zu werden und immer wieder der Sprung über eine Generation. Beide haben inzwischen eine eigene Wohnung und ihren Weg gefunden. sie kommen oft zu mir. Sie helfen mir, wenn ich Hilfe brauche, versorgen mich in der Corona-Zeit mit allem, was nötig ist und sind immer für mich da.

Wenn sie mich besuchen, dann essen wir zusammen und dann katapultieren sie mich oft in die Vergangenheit. Sie haben nie Oma zu mir gesagt und so sitzen wir zusammen und immer wieder kommt: "Gitti weißt du noch....? Erinnerst du dich, damals, als ich mitten in der Nacht betrunken zu dir kam.....? Als du mich von der Polizei abgeholt und für mich gebürgt hast...? Weißt du noch, als ich noch klein und krank bei dir war, du brachtest mir Mickymaushefte mit, hast Obst aufgeschnitten und mir Geschichten erzählt....? Als ich von deinem Balkon alle grünen, unreifen Tomaten gepflückt habe, weil ich dir eine Freude machen wollte? Und du hast nicht geschimpft."

Gestern war wieder so ein vertrauter Erzähl-Nachmittag und so entstehen immer wieder Bilder in mir, Liebe und Dankbarkeit breitet sich in mir aus, sie sind ein Teil von mir.

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