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Urlaub am Meer

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 16.06.2022, 11:27 – geändert Donnerstag 16.06.2022, 11:32

Gerade finde ich einen älteren Brief an einen Freund, der einen "wunderschönen " Tag am Strand schildert - gemeinsam mit meiner Schwester.

Hallo Oskar,
heute wurde hier die Stimmung etwas kritisch. Im Nachhinein werden wir über unsere Gebrechlichkeit sicher unsere Witze machen.

Beide eingeschränkt gehfähig packen wir Stuhl, Liege, Sonnenschirm und Strandtasche für einen schönen Aufenthalt am Meer. Ich watschele mit der mit Handtüchern und Sonnenschutz vollgepackten Tasche Richtung Kofferraum und breche schon nach ca. 10 m fast zusammen. "Komm her, ich mache das", so meine Schwester und schleppt den Rest herbei. Am Strand angekommen alles wieder raus aus dem Auto. Nun ist Sand nicht gerade rollator- und krückentauglich. Also ohne Stütze mit dem vielen Gepäck auf wackeligen Beinen Richtung Brandung. Erschöpft alles fallen lassen, Stuhl aufgeklappt, reinfallen lassen und krach zusammengebrochen. Ich hing nach hinten runter, kam aber irgendwie wieder nach vorne hoch und saß dann im Sand. "Ach, Du Arme, willst Du die Liege haben?" Nein danke, ich muss ja das zweite Teil nicht auch noch ruinieren.

Das Reindrehen des Schirmständers in den Sand gelang auch nicht wie vorgesehen, aber irgendwann hatte jeder sein Plätzchen.

Als meine Schwester von der Sehnsucht erfüllt wurde, einen Strandspaziergang zu machen, kam sie von der Liege nicht mehr hoch. Einige akrobatische Übungen verbunden mit viel Willenskraft waren notwendig, um in einen aufrechten Stand zu gelangen. Der Strandlauf war dann etwas enttäuschend, denn sie schaffte kaum 100 m und wieder zurück.

Anschließend konzentrierte ich mich auf den Versuch, vom Sand hoch zu kommen. Wie ein Walross wälzte ich mich auf die Knie, um mich dann an dem von mir zwischenzeitlich reparierten Stuhl hochzustemmen.

Um weiterem Ungemach zu entgehen, wackelten wir durch den inzwischend glühend heißen Sand zur Strandkneipe. Die Stimmung war etwas gereizt, denn jede von uns beiden war über die Belastbarkeitsgrenze schon hinausgegangen. So saßen wir bei Bier und Radler und wünschten uns im Stillen, das ganze Gepäck sei schon wieder im Auto. Der Abtransport kam aber erst noch und die Erschöpfung machte zickig.

Ich weiß, was ich nicht mehr kann und werde ab morgen mein Leben anpassen. Meine Schwester hat von einem Urlaub geträumt wie früher. Und nun muss sie erstmal das Erlebte verarbeiten. Ich bin nicht sicher, dass sie das kann. Sie wird Heimweh bekommen, denn in ihrem Leben zu Hause hatte sie sich auf die Beschränkungen schon eingerichtet und es wurde Selbstverständlichkeit. Hier ist es zunächst einmal Enttäuschung.

Liebe Grüße
Karin

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