Traumkugeln
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Feierabend-Mitglied
Mittwoch 24.11.2021, 07:53
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Heinzelmännchen waren für meine Arbeit mit Kindern immer ein wunderbares Medium, um ethische und soziale Werte zu vermitteln. Ebenso konnte ich auf diese Weise Lösungsmöglichkeiten bei Konflikten und Toleranz vorschlagen. Sie gehörten einfach zu meiner Arbeit, und die Kinder wussten, dass ich mit ihnen im Kontakt bin.
Unzählige Geschichten könnte ich erzählen, z.B. dass die Heinzelmännchen manchmal auf Elstern sitzend auf meinem Balkon landen und Botschaften oder winzig kleine Geschenke für meine Gruppe bringen. Sie schreiben in Zipfelmützenschrift, das sind kleine Dreiecke, die in den verschiedensten Positionen auf Papier gemalt sind. So hatte jedes Kind seinen Namen in dieser Schrift und jedes erkannte sich an der Form und den Zeichen sofort wieder. Wenn unter einem Baum Bonbonpapier oder ähnliches lag, hoben sie es auf und erzählten mir, die Heinzel hätten auf diesem Baum heute Nacht einen Geburtstag gefeiert und wir dürfen es jetzt als Andenken aufheben und mitnehmen.
Vor einer Kinderreise besorgte ich Liebesperlen, die gab es in einer kleinen Nuckelflasche zu kaufen. Ich füllte sie um in eine Medizinflasche und klebte ein Etikett mit Zipfelmützen drauf und erzählte den Kindern, die lagen morgens auf meinem Balkon für unsere Reise. Die Botschaft hieß: das sind Traumkugeln in verschiedenen Farben und jede Farbe schenkt einen bestimmten Traum:
Rot war der Traum von Mama und Papa Blau war der Traum vom Meer, Bootsfahrten und vom Spielen im Wasser Grün war der Traum vom Wald, von Wiese und grüner Götterspeise Gelb war der Traum von der Sonne, von Wärme und Zitroneneis Weiß war der Traum vom Winter, von Eskimos und Schlagsahne Orange war immer ein Überraschungstraum, da wusste man nie vorher, was man träumt.
Auf der Kinderreise, erzählte ich abends eine Heinzelmännchengeschichte, wir sangen ein Heinzellied dazu, das ich selbst gemacht hatte. Jeden Abend dasselbe Lied, Rituale sind so wichtig für Kinder, es gibt ihnen Sicherheit. Dann krochen alle in die Betten und jedes Kind suchte sich eine Traumkugel aus, je nachdem, was es träumen wollte. Ich sagte ganz geheimnisvoll, wenn die Traumkugel im Mund ist, dann müssten sie ihn zulassen, sonst fliegt der Traum weg. Ich sang noch einige Zeit Abendlieder, dann schlich ich hinaus und ließ die Tür weit offen. Auf diese Weise hatte ich nie Probleme mir Heimweh.
Morgens beim Frühstück wurde wild erzählt und alle hatten tolle Träume der Farbe entsprechend.Als Thomas nachts aus dem Bett fiel lachte er und sagte, es war eine orange Kugel und das war der Überraschungstraum.
Ich war immer wieder erstaunt und begeistert, wie die Phantasie und Kreativität der Kinder fast Purzelbäume schlug. Aus einigen gebliebenen Kontakten zu den heutigen erwachsenen Kindern weiß ich, dass sie dieses Ritual an ihre Kinder weitergegeben haben und auch meine Enkelkinder sind damit großgeworden.