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Schwedenverschickung 1955 Teil 2

Von Feierabend-Mitglied Dienstag 15.03.2022, 15:28

Nachdem ich bei meinen ersten Plegeeltern nicht willkommen war bin ich bei einer Bauernfamilie auf dem Land gestrandet. Man hatte mich bei einem Besuch einfach dort abgegeben. Es gab noch ein anderes Berliner Ferienkind, Rudolf, 13 Jahre alt, mit ihm konnte ich deutsch reden und wir hatten alle Freiheiten und Weite rundherum. Wir waren den ganzen Tag draußen, niemand achtete auf uns, nur zu den Mahlzeiten saßen wir um eine feste Zeit alle am Tisch, Landarbeiter, Angestellte. Ohne dass darüber gesprochen wurde gehörte ich einfach dazu. So lernte ich die ersten Brocken schwedisch, denn niemand war für mich zuständig. Damals wurde noch nicht kontrolliert, wo ein Ferienkind gelandet war. Man konnte weder telefonieren, noch schreiben und sich an niemanden wenden.

Nach wenigen Tagen fanden wir in der Scheune eine Katze mit 5 Katzenbabys, ich war begeistert, so süß waren sie. Rudolf meinte, der Bauer würde sie ertränken, wenn er sie findet und so beschlossen wir, die Kleinen mit der Mutter mit in unser Dachzimmerchen zu nehmen. Für mich als Stadtkind war alles so wunderbar neu. Abends waren wir müde, erzählten uns Geschichten und freuten uns auf den nächsten Tag. Wir durften den Feldarbeitern mittags das Essen auf einem Handkarren bringen, alle waren freundlich mit uns und machten ihre Späße.

Am nächten Tag polterte der Bauer in unsere Dachkammer, sah die Katzen, holte einen Eimer mit Wasser und ertränkte sie. Ich war starr vor Schreck und meine kleine heile Welt zerplatzte, wie eine Seifenblase. Mich packte das blanke Entsetzen, ich rannte die Treppe hinunter, über den Hof zum Wald, ohne Ziel. nur weg..... Meine Angst vor dem Bauer war so groß, ich lief um mein Leben, bekam kaum noch Luft aus Angst, sie könnten mich finden. Ich kam an eine Landstraße und bin irgendwann am Straßenrand eingeschlafen.

Da berührten mich zwei Hände, ich schrie, aber eine Frau sprach beruhigend auf mich ein, ein freundlicher Mann stand lächelnd daneben und ich verstand kein Wort. Die Adresse aus Kalmar von meiner ersten Familie, die wusste ich und so sagte ich immer nur:"Kalmar, Fiskaregatan 14". Die Frau setzte sich zu mir auf den Rücksitz und hielt mich im Arm, weil ich so zitterte und so kam ich wieder nach Kalmar, wo ich abgegeben wurde wie ein Paket.

Der Vater ging ins Nebenhaus, dort wohnte ein Mann mit seiner Frau, er sprach ein recht gutes deutsch und kam mit, um mit mir zu reden. Ich erzählte ihm unter Tränen alles und sagte immer nur, ich will hier weg und ob er mich nicht mitnehmen kann. Ich weiß noch, er strich mir über den Kopf, sagte, er müsse mit seiner Frau sprechen und morgen käme er bestimmt wieder. Nur zu gern wollte ich Ihm glauben und er kam wirklich und nahm mich mit.

Der gute Teil meiner Verschickung begann nun endlich, davon erzähle ich in der letzten Folge.

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