Reise mit Hindernissen
Von
Feierabend-Mitglied
22.08.2021, 06:30 – geändert 22.08.2021, 09:39
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
Feierabend-Mitglied
22.08.2021, 06:30 – geändert 22.08.2021, 09:39
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Nach Abbruch meiner Ausbildung zur Krankenschwester wartete ich auf den Beginn der Erzieherausbildung, bis dahin waren aber noch 5 Monate Zeit. Meine Tante Klara aus Düsseldorf schrieb, sie suche dringend jemanden für den Haushalt. Ihre älteste Tochter bekäme ihr erstes Kind in Bremen, sie braucht zur Versorgung ihrer5 Söhne und ihres Mannes eine Hilfe für ca. 6 Wochen. Sie wollte zur Geburt ihres ersten Enkelkindes bei ihrer Tochter sein und ihr die erste Zeit helfen. Meine Mutter meinte, das wäre eine gute Möglichkeit, die Wartezeit nützlich zu überbrücken und ich könnte noch einiges lernen.
So ging es an die Reisevorbereitungen, ein großer Koffer wurde gepackt, ein Rucksack, aber was sollte aus meinem Wellensittich werden, dem ich schon so viel beigebracht hatte? Gegen den Willen meiner Mutter besorgte ich einen kleinen Reisekäfig. Mein Bruder brachte mich zur Bahn, es gab noch keine Rollkoffer, ich trug den Rucksack und meine Bella im Käfig. Alles ging so schnell und überstürzt und dann saß ich im Zug nach Düsseldorf. Meine erste selbständige Reise begann.
Die Bahn hielt in Hannover, ich saß im letzten Wagen und wunderte mich, weil alle Menschen ausstiegen. Der letzte Fahrgast rief, der Wagen wird abgehängt, sie müssen ganz nach vorne, beeilen sie sich, der Zug fährt in Kürze ab. Schweißausbruch, schweren Koffer, Rucksack und Vogelkäfig, raus aus dem Zug ich wollte schnell nach vorne.
Zwei Nonnen auf dem Bahnhof verstanden wortlos die Situation, nahmen den Käfig und den Koffer und liefen mit mir zum ersten Wagen. Das Zeichen zur Abfahrt ertönte, ich sprang noch rein, eine Nonne half mit dem Koffer, da fuhr die Bahn schon an. Die Nonnen mit meiner Bella blieben zurück. Aus dem Fenster sah ich sie n winken mit dem Käfig in der Hand. Ich war traurig, aber ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass mein Vögelchen bei den Nonnen bestimmt in den besten Händen ist. In Düsseldorf angekommen nahm ich, noch immer verstört und wehmütig meinen Koffer, der im Gang stand, stieg aus und fiel meiner Tante weinend in die Arme.
Bei ihr zu Hause angekommen begrüßten mich johlend fünf Jungen zwischen 6 und 15 Jahren, die ich noch nicht kannte. Ich wurde sehr liebevoll aufgenommen, aber als ich meinen Koffer auspacken wollte stellte ich mit neuem Schrecken fest, es war nur Männerkleidung darin. Eine fatale Verwechslung, er sah meinem Koffer so ähnlich, dass ich es nicht gemerkt habe. Mein Onkel sah einen Adressanhänger und fand endlich die Telefonnummer. Zwei Tage später kam ein Geschäftsmann, wir tauschten die Koffer aus, wir tranken noch einen Kaffee zusammen und lachten gemeinsam über dieses Missgeschick. Er hatte sich sehr gewundert, in meinem Koffer einen Vorrat an Vogelfutter zu finden. Dadurch erfuhren alle die Geschichte über meine Bella, die nun im Kloster lebte. Das führte zu großen Lachanfällen, vorallem bei den Söhnen.
Zwei Wochen war Klara noch da und führte mich in alles ein, dann fuhr sie nach Bremen. Ich hatte dort eine wunderbare Zeit.