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Problemlösung

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 07.07.2021, 10:16

Während meiner Tätigkeit als Erzieherin war es mir immer ein großes Anliegen, dass die Kinder, je nach Alter, für ihre eigenen Probleme oder Probleme in der Gruppe so weit wie möglich selbst Lösungen fanden. Mein Ziel war es, ihre Kreativität zu fördern, sie selbständiger zu machen und sich in der Gruppe gegenseitig zu unterstützen, d.h. frühzeitig einen Teamgeist zu entwickeln. Ich selbst hatte dabei nur eine unterstützende Funktion, kein Vorschlag wurde bewertet, sondern seine Machbarkeit besprochen oder ausprobiert.

Hier ein Beispiel:

Es war Winter, nass und kalt und wir konnten nicht raus. Ihrem Bewegungsbedürfnis folgend veranstalteten die Kinder (3-6 Jahre) eine Schlacht mit Hausschuhen, während ich mich mit den Kleinsten im Nebenraum aufhielt. Mit einem Ohr immer nebenan hatte ich ein gutes Gefühl, es war laut und es wurde viel gelacht.

Micha rannte zu mir: "Gitti, mein Hausschuh ist ganz oben auf dem Regal gelandet, kannst du ihn wieder runter holen?" Ja, sagte ich, ich kann, aber ihr könnt das selbst. "Wir sind aber zu klein!" Ich ging mit ihm zu den anderen Kindern, alle waren still und guckten auf das Regal.

"Guckt euch an, wo der Hausschuh ist und dann überlegt, wie ihr ihn von dort wieder runter bekommt." Schweigen....

Sven meinte, er könnte auf einen großen Stuhl steigen, die Kinderstühle sind zu klein. "Probier es aus,"meinte ich. Aber es reichte nicht.

Thomas wollte einen Stuhl auf den Tisch stellen. "das ist zu gefährlich" sagte Kathrin.

Jenny holte aus der Küche einen Besen, aber auch der war zu kurz.

Fabian strahlte, "wir schreiben einen Brief an die Heinzelmannchen, die können gut klettern, weil sie so klein sind". Jule schüttelte den Kopf, die kommen nur in der Nacht und die haben keinen Schlüssel. So überlegten sie und diskutierten, bis David sagte: "seid mal still, ich hab eine Idee!" Dann rannte er in die Küche und holte eine große Suppenkelle mit einem Henkel. "Gitti, haben wir Klebeband? dann kleben wir die Kelle ganz fest oben an den Besenstiel, dann ist er länger. Jonas ist am größten, der steigt dann auf den Stuhl und wir alle passen auf, dass er nicht runterfällt. und mit dem Henkel kriegen wir den Hausschuh dort runter."

Und so machten die Kinder es auch und der Hausschuh fiel Micha vor die Füße. Das war ein Kreischen und Lachen "wir haben es geschafft, ganz alleine", stolze Gesichter.

Wir hatten eine konstruktive Stunde verbracht, viel Spaß miteinander und ich lobte alle für ihre guten Ideen. "Schaut" sagte ich,"wenn man gemeinsam überlegt klappt es meistens besser!" Bei solch einer Aktion lernen die Kinder viele neue Wörter, ihre Phantasie wird angeregt und jedes Kind trägt seinen Teil zur Problemlösung bei.

Wir unterschätzen die Kinder ganz oft. Indem wir ihnen soviel abnehmen fördern wir nur ihr Konsumverhalten und nehmen ihnen viele Erfolgserlebnisse.

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