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Neustart mit meinen Zwergen

Von Feierabend-Mitglied Dienstag 17.08.2021, 15:55

Der Wiedereinstieg in die Kinderarbeit ist nach 18 Monaten geschafft, ich aber auch. Ich arbeite noch 2 Mal wöchentlich als Musikpädagogin mit 2-6 jährigen Kindern und es war wie ein Neuanfang. Die Kinder haben sich verändert, auch die Gruppenzusammensetzung, und ich konnte nicht einschätzen, was auf mich zu kommen würde. Auf dem Hinweg war ich erstaunt, dass mich totales Lampenfieber packte. Etwa die Hälfte der Kinder kannte mich noch, die anderen 10 waren ganz neu. Die Erzieher erklärten mir in einem telefonischen Vorgespräch, manche Kinder hätten durch die Pandemie Berührungsängste, einige trugen freiwillig Masken und beschimpfen die, die das nicht tun. Die Konditionierung so kleiner Kinder über 18 Monate bestürzte mich sehr.

So entwarf ich ein loses Programm, in das Lieder und Bewegungsspiele mit Körperkontakt eingebaut waren. Musik kann so vieles auflösen. Ich hatte dieses Programm zwar im Hinterkopf, war aber ganz auf Improvisation eingestellt. Ich habe immer mit dem gearbeitet, was ich in der Gruppe an Stimmung, Bedürfnis und ganz besonders bei einem Neubeginn vorfand. Die mir noch bekannten Kinder wollten auf mich losstürzen, wurden aber von der anwesenden Erzieherin sofort gebremst, die Neuen blieben erst einmal abwartend stehen. Die Erzieherin griff sofort ein, und sagte zu den Kindern, sie sollten sich still in einen Kreis setzen, sonst würde sie mich nach Hause schicken, und sofort saßen alle auf dem Boden. Das ging natürlich gar nicht und so sprach ich kurz außerhalb des Raumes mit Lisa, der Erzieherin, und bat sie, uns allein zu lassen, ich würde sie rufen, wenn ich sie brauche. Lisa hatte es gut gemeint, um mir den Neustart zu erleichtern.

Dann kam ich lächelnd zurück, breitete meine Arme aus, strahlte die Kinder an und sdagze: "Bevor wir anfangen möchte ich jedes Kind einmal in den Arm nehmen, weil ich mich so freue, euch wiederzusehen." Da war kein halten mehr und sogar die neuen Kinder wollten gedrückt werden. Als dann alle saßen, packte ich die Gitarre aus und schaute in Ruhe jedem einzelnen Kind ins Gesicht. Das gibt mir immer eine innere Sicherheit, angekommen zu sein. Wir fingen an mit einer Vorstellungsrunde, wobei jedes Kind sich auf die Brust tippt, seinen Nachbarn anschaut und sagt: “ich heiße Micha und wie heißt du?" Dabei tippten sie dem Nachbarn auf die Brust, bis alle Kinder dran waren.

Wir begannen mit dem Lied, das wir immer am Anfang singen. Wir wechselten zwischen Spielen mit Berührungen, Liedern, zwischen laut und leise, Bewegung und Ruhe. Ich nahm mir auch Zeit, ihren kleinen Erlebnissen zuzuhören. Ich war überrascht, wie schnell sich die alte Vertrautheit einstellte. Nach unserem letzten Lied rannten die Kinder zu den beiden Erzieherinnen ohne jeden Abstand, tanzten zu zweit im Flur weiter, und begannen, im Spaß miteinander zu raufen. Lisa und Kerstin fragten erstaunt, was ich gemacht habe, die Kinder wären wie ausgewechselt. Ich weiß es nicht, sagte ich, vielleicht stand ein Engel hinter mir und hat mir geholfen. Entspannt und glücklich fuhr ich nach Hause.

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