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Körpersprache

Von Feierabend-Mitglied 09.01.2022, 12:37

Gestern war ich zu einem Gruppentreffen meiner Seniorengruppe, wir sind alle doppelt geimpft und teilweise geboostert. Wir hatten uns seit 4 Wochen nicht gesehen und die Freude war groß.

Seit langem beobachte ich, wie unmerklich sich auch die Körpersprache verändert hat. Die Menschen begrüßen sich, in dem sie dem Gegenüber die Faust entgegenstrecken und sich auf diese Weise berühren. Manche schlagen die Füße aneinander, wenn sie noch sicher auf den Beinen sind. Mit Maske sieht man kein Lächeln mehr und die Faust, die geschlossene Hand, zeigt Abwehr, Angst, Kampfbereitschaft und Härte. Mit den Füßen Menschen zu begrüßen ist ein Tritt an das Gegenüber. Ist das, unreflektiert übernommen, unsere neue Form der Begrüßung geworden, wo es doch besonders in dieser Zeit wichtiger, denn je ist, das Herz und die Seele offenzuhalten und einander mit Achtung zu begegnen? Das können wir auch in Pandemiezeiten. Ich habe meine Leute gestern anders begrüßt und auch im Privatleben eine andere Art des Ausdrucks von Wertschätzung gefunden, bei der es mir gut geht und ich authentisch bleibe. Ich lege meine rechte Hand auf mein Herz und ziehe die Maske kurz herunter, damit man mein Lächeln sehen kann und beuge meinen Kopf.

Nachdem alle Platz genommen hatten, die ersten Plaudereien die Freude des Wiedersehens zeigten, bat ich um ein paar Minuten Ruhe und begrüßte die Gruppe zum neuen Jahr mit vielen guten Wünschen und ohne Maske, denn wir wollten gemeinsam essen. Erst dann thematisierte ich unser Begrüßungszeremoniell und bat unsere Mitglieder, einmal darüber nachzudenken, was mit uns fast unmerklich geschehen ist. Das führte zu einer sehr konstruktiven Diskussion, in der es nicht um Politik und Sicherheit ging, sondern um unsere Art, wie wir damit umgehen. Einige meinten, unsere Politiker machen es öffentlich auch und sie haben es übernommen, ohne darüber nachzudenken. Auch erzählte ich kurz, dass meine Beobachtung auch Kinder betrifft, die die Erwachsenen nachahmen, und so eine Körpersprache lernen, die von ihrem Gefühl getrennt ist. Niemand bekam eine Weisung, sich nun so, wie ich Bekannte zu begrüßen, aber sie könnten ja mal kreativ überlegen, welche eigene Form sie wählen könnten, um ihr Herz und auch die Hände offenzuhalten.

Wir verbrachten einen entspannten Nachmittag miteinander, nach und nach verabschiedeten sich die Leute und ich beobachtete mit Freude, dass sie sich anders verabschiedeten und niemand mehr die Faust zeigte. Einige waren dabei noch unsicher, aber es wurde viel gelacht und die Kreativität machte mich froh. Ob die Menschen das weiterhin machen ist für mich nicht wichtig, ich bin aber froh, das einmal ausgesprochen und zum Nachdenken angeregt zu haben. Es geht mir dabei nicht um das Virus, es ist mir aber ein tiefes Anliegen, dass unser soziales Miteinander bewusst gelebt und von jedem Einzelnen reflektiert wird. Das ist Freiheit, die in unserer Hand liegt, damit der Mensch nicht zum Feind des Menschen wird.

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