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Hilfe, ich friere!

Von tastifix Montag 15.08.2022, 16:35 – geändert Dienstag 16.08.2022, 08:11

Nur selten weiß mir keinen Rat. Heute allerdings wende ich mich direkt an unseren Schöpfer:
„Herr, ich friere so eigenartig … “
„Aber bei Euch unten ists doch richtig heiß -38 Grad! - Selbst hier auch 18 Grad! Und Du frierst ... !? - Oder meinste das ironisch?`"

Ich nicke schwach. Prüfend schaut er zum himmlischen Wetterfrosch in dessen mit hoher Leiter ausgestatteten Luxusmarmeladenglaswohnung. Der sitzt ganz oben. Gott wird sauer.
„Petrus!!!“, ruft er empört.
Darauf zu mir:
„Der kriegt was zu hören! Fast Kochtemperatur auf der Erde und er amüsiert sich im Wolkenbad! - Keine Sorge: Euch wird geholfen. Ich vernachlässige doch nicht meine Aufsichtspflicht. Bin ja Euer Vater!"
Na ja, jedenfalls hat er Stellung bezogen. Gott greift das Handy, wählt hastig eine Nummer und stellt zum Mithören auf ´Lautsprechen`. Es antwortet ihm eine tiefe Stimme.
„Petrus: Die Menschen krebsen nur noch auf allen Vieren herum. Haste etwa unsere Heizung auf volle Pulle gedreht?“
Der ist gerade dem kühlen Bad entstiegen, gut erfrischt sowie bester Laune und hält es für einen Scherz
„Gut, ja, Chef?“
„Du Armleuchter! Was hast Du da bloß wieder angestellt??“
Petrus zuckt heftig zusammen.
´Wenn er wenigstens ´Heiliger Armleuchter` gesagt hätte!`
Er ist gekränkt, hört aber dann wegen des zweifelhaften Komplimentes lieber genau hin.
„Schnapp Dir ein Rentier, galoppier zurück zum Wetteramt und bring des wieder in Ordnung, Du Schluff!!“
Erzürnt beendet unser sanfter himmlischer Vater das eher unsanfte Telefonat, versteckt das Handy so in seinem Gewand, dass er es hoffentlich nicht so schnell wiederfindet und seufzt:
„Du gehst jetzt zu Petrus. Das passiert kein zweites Mal. Und sei es, dass ich ihn dafür in eine irdische Wüste schicken müsste … !“
„Wo f..finde ich d..denn die Heiss-Kalt-Anstalt?“, stottere ich eingeschüchtert.
„Mit der Himmels-S-Bahn sinds drei Stationen. Sie hält direkt vorm Wetteramt. Petrus` Büro ist im sechsten Stock.“
„Gibt es dort wenigstens einen Aufzug?“
„Als mein Sohn auf Erden wandelte, hatte der auch keinen. Nein, Du benutzt die Treppe, klar? Kühlt doch ab, ist ja nass!“
Ungerührt arbeitet er an seinem Wunder weiter. Ich bin vergessen und somit entlassen.

Das Bahnticket ist ziemlich teuer. Ich setze mich auf einen leicht feuchten. deshalb wunderbar kühlenden Wolkensitz. Es versöhnt mich mit dem Fahrpreis. Wenig später stehe ich schon vor dem Wetteramt. Anders als unsere grauen Fabrikgebäude wirkt es so strahlend weiß recht einladend. In der Eingangshalle eile ich auf die Treppe zu, bin auf strapaziöses Stufen steigen eingestellt. Aber - was ist denn das?
´Nicht möglich! - Oh Herr, bei Dir ist ja nichts unmöglich!!`
Ich betrete die unterste Stufe. Seitlich sind sieben bunte Knöpfe angebracht. Besser wohl für mich, mich über nichts mehr zu wundern, denn bekanntlich wimmelt es hier oben von Wundern. Ich drücke den sechsten Knopf. Er ist himmelblau. Ruckelnd löst sich die Stufe aus der Treppe, schwebt mit mir langsam empor und stoppt vor Petrus` Büro. Als ich von ihr zurück auf festen Boden trete, haucht eine liebliche Stimme:
„Auf Wiedersehen!“
Es ist ihre Stimme.

Petrus hat mich schon erwartet.
„Tach! Mensch, was ist denn mit Dir los??“
Die Anrede gefällt mir und dass er sofort gemerkt hat, dass etwas nicht in Ordnung ist, rechne ich ihm hoch an. Mit lebenden Menschen hat er es nämlich garantiert nur selten zu tun.
„Vor Hitze können wir kaum arbeiten geschweige denn noch vernünftig denken! - ´Das können Viele allerdings auch ohne Kochtemperatur nicht!“, brummele ich ganz leise, behalte es aber aus Solidarität denen gegenüber für mich, woran ich da so denke.
Dann zu Petrus, ziemlich vorwurfsvoll.
„Viele suchen Erfrischung in Seen und Flüssen. Manche gar, ohne sich zuvor abzukühlen. Ein paar Nenschen sind deswegen schon ertrunken!“
„Mein Gott!“, stöhnt der auf.
Keine Antwort. Dies soll Petrus allein ausbügeln.
„Das wollte ich nicht!“
„Hilft uns aber nicht weiter!“, urteile ich streng.
„Was soll ich denn jetzt nur machen?“
„Wenn Du das als himmlischer Wetteramtsvorsteher nicht weißt, biste hier fehl am Platz!“
Nein, der muss am eigenen Leibe erfahren, wie wahrlich toll das Schmoren sein kann. Auch, wenn es sich bei ihm anders zeigt als bei uns in den letzten Tagen ...

Trotzdem tut er mir irgendwie leid. Er sitzt dort wie ein Häufchen Elend und bekommt offensichtlich keinen vernünftigen Gedanken mehr auf die Reihe.
´Armer Kerl!`- „Du, das Einfachste wäre ein heftiges Gewitter mit Dauerregen! Uns ginge es fix wieder gut und zudem ist Gott dann wieder mit Dir ausgesöhnt!"
„Wirklich??“, kommt deprimiert zurück.
„Klar!“
Petrus` Miene hellt sich auf, grinst zögerlich, überlegt kurz und dann ... :
„Komm mit!“
Er führt mich in einen riesigen Kontrollraum voller blinkender Lampen und Knöpfen. Der Monitor des Himmelscomputers zeigt keuchende Menschen, hechelnde Tiere sowie verdorrte Felder und Wälder. Wir sind entsetzt. Das Ende scheint sich bereits anzukündigen.
„Schnell, Petrus!!“
Der klappert wie ein Irrsinniger erneut auf den Tasten herum. In einem Kästchen steht:.
Kälte … 1x ,
Regen ... 2x ,
Sonnenschein .. 3x ,
Hitze ...4x
Gewitter ... 5x klicken.
Mir wird’s beim Zusehen fast unheimlich.
„Keine Angst!“, lacht er, wieder ganz der souveräne Vertreter seines Chefs. „In ein paar Stunden ist alles in Ordnung. Du wirst sehen!!“
Er fordert mich auf, die Augen zu schließen. Das Letzte, was ich noch mitbekomme, ist ein gehauchter Kuss auf meine Stirn. Anscheinend sagt man so hier ´Auf Wiedersehen`.

Mit dem beglückenden Gefühl, zur Rettung allen Lebens beizutragen, schwebe ich zurück zur Erde. Als ich auf dem Boden aufsetze, fallen bereits die ersten Tropfen. Die Leute stürmen aus den Häusern und umarmen sich jubelnd. Der Regen wird stärker, es gewittert. Mensch und Tier atmen auf und die Natur beginnt sich zu erholen.

Aber das Gewitter endet nicht. Mittlerweile prasseln gewaltige Regenmengen herunter. Sie machen die Flüsse zu reißenden Strömen, die sich zu tosenden Meeren vereinigen, alles droht zu ertrinken. Die anfängliche Freude wandelt sich in Panik. Die Menschen fliehen vor den Wassermassen in die Berge und richten verzweifelt Gebete gen Himmel.

Gott in seinem Büro überarbeitet derweil die Planung eines dritten Wunders. Nein, heute macht er bestimmt keine Überstunden. Der Zirkus mit Petrus hat ihm gelangt! Erschöpft klappt er die Akten zu, schreitet zum Fenster und holt tief Himmelsluft. Endlich Feierabend! Ein letzter prüfender Berufsblick streift die Erde. Leider bleibt es nicht der letzte. Gott traut den göttlichen Augen nicht:
„Nein, was hat der denn da fabriziert!!?“
Zum zweiten Male an diesem Tag wird Gott wütend, aber noch sehr viel wütender als vordem. Puterroten Gesichtes beherrscht er sich nicht mehr und brüllt dermaßen, dass der Himmel erbebt: “
„Petruuuus!!!“

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