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Hausarztwechsel

Von Feierabend-Mitglied Freitag 14.10.2022, 15:20

Nach 10 Jahren bei meinem Hausarzt entschied ich mich trotz Zufriedenheit zu wechseln. Der Weg war mir zu weit, eine Stunde Fahrzeit und umsteigen zu beschwerlich und wenn ich an den langen Winter dachte, erst recht.So ließ ich mir drei Hausärzte in der Nähe empfehlen und hatte meinen ersten Termin. Ich machte mir einen Zettel, um nicht die Hälfte zu vergessen. So betrat ich die Praxis in einem einstöckigem Haus, in dem eine Wendeltreppe in die erste Etage führte. Im Parterre war die Anmeldung. Ich fragte die freundliche Sprechstundenhilfe, wie viele Stufen nach oben führten, sie lächelte und meinte, hier unten ist der Arzt, der nur Patienten behandelt, die nicht mehr so mobil sind, oben ist seine Frau, dorthin schicken wir die sportlichen und aktiven Menschen. Ich sagte: “Ich bin auch aktiv, aber nicht mehr mit den Beinen!” entspanntes Lachen und meine Nervosität war verflogen. Kurze Zeit später wurde ich aufgerufen und betrat das Sprechzimmer. Er trug keine Maske, wir waren auf 1.5 m Abstand und er meinte lächelnd: “Sie können die Maske gern absetzen, das macht ein erstes Gespräch zum Kennenlernen einfacher. "Das gefiel mir.

Ich nahm meinen Zettel , er sagte: "Geben Sie ihn mir, dann schreibe ich mir alles Wichtige gleich in den Computer." Einige Fragen wollte er noch abklären, unter anderem, wie meine Krebserkrankung behandelt wurde und warum ich 7 Wochen im Krankenhaus lag. Ich informierte ihn, dass ich gegen alle Widerstände Chemo und alle Tabletten angelehnt habe, und einen ganz eigenen Weg gehen wollte für die Zeit, die mir noch blieb. Der Arzt legte alles aus der Hand, wandte sich mir ganz zu und fragte, was ich gemacht hätte. Ich erzählte ihm, das ich viele Menschen im Hospiz kennengelernt habe, die furchtbar unter der Chemo gelitten haben und das wollte ich nicht. Privat zog ich mich für einige Zeit ganz zurück und nahm Kontakt auf zu “Schwester Innerlich”, ich war sicher, sie hatte mir noch viel zu sagen. Und so war es auch, ich nahm mir die Ruhe, die ich dazu brauchte, Dinge zu verändern, für die nie die richtige Zeit im Lebenstrubel war. Ich verabschiedete mich von Menschen, die mir nicht gut taten und machte Frieden mit Leuten, die mich sehr verletzt haben oder an denen ich schuldig geworden war. Das brachte mich in eine tiefe Gelassenheit und die Lebensfreude kehrte zurück und sterben müssen wir ja alle einmal.

Der Arzt lächelte mich an und meinte, das wäre sehr mutig gewesen, da ja meine letzte Untersuchung vor drei Monaten gezeigt hat, dass ich krebsfrei bin und dass ich das ja vorher nicht wissen konnte. Er nahm mir noch Blut ab zur Neuuntersuchung, fragte nach Diabetes, Rheuma, Osteoporose, Tabletten? Ich verneinte alles bis auf Schmerztabletten für den Rücken. Beim Verabschieden sagte er:" Sie sind eine Frohnatur und ich denke, wir kommen gut miteinander aus. Ich bedankte mich für den offenen ersten Kontakt und ging beschwingt nach Hause. Es ist ein Glücksfall, einen guten Arzt zu finden, der auch noch Humor hat und ich bin sehr dankbar dafür.

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