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Die größte Ehre ist Vertrauen

Von Feierabend-Mitglied Montag 19.07.2021, 13:01 – geändert Montag 19.07.2021, 13:41

Es geschah im Frankfurter Hauptbahnhof im Jahr 2012. Eine Freundin und ich saßen in der sogenannten "Markthalle" - einer Art Schnellimbiss einer Metzgerei. Plötzlich erschien ein junger Mann, suchte in dem Ablageregal der benutzten Tabletts nach etwas Essbarem. Er nahm eine halbvolle Salatschale heraus, entfernte vom Salat die obere Schicht, von dem danebenliegenden angebissenen Brötchen schnitt er die Bissstelle weg, kam mit seinem "Menü" zu uns an den Tisch und aß vor unseren groß aufgerissenen Augen diese Reste eines anderen Gastes. Er bat um Geld, wir lehnten ab. "Von mir kein Geld für Alkohol und Drogen," war meine Meinung. Dann erzählte er uns viel aus seinem jungen Leben und wie er in die Obdachlosigkeit geraten sei.

Inzwischen gab ein Herr ein Tablet mit Resten von Spareribs zurück ins Regal. Unser junger Obdachloser holte sich die Reste, trennte das Fleisch zwischen den Knochen sauber heraus und aß auch diese.

Eine Stunde unterhielten wir uns. Auf alle meine Fragen wusste er plausible Antworten. Da mir der "Franziskustreff" für Obdachlose bekannt war, verwies ich ihn auf diese Möglichkeit der Verpflegung. Das wäre die beste Institution in ganz Frankfurt, die kenne er, meinte er daraufhin. Da er aber kein Geld mehr habe und das Essen dort 50 Cent koste, könne er dort nicht hingehen. So etwas gehöre sich einfach nicht. Das könne man einmal machen, vielleicht auch zweimal. Man würde ganz sicher auch kostenlos das dritte Mal sein Essen bekommen, aber so etwas mache man nicht.

Dieser junge Mann war mir sympathisch und selbstverständlich bekam er von mir noch ein "Taschengeld" für das bevorstehende Wochenende. Ein Pärchen, das wohl sein Verhalten beobachtet und unsere Unterhaltung verfolgt hatte, legten ihm beim Verlassen des Lokals noch einige Münzen auf den Tisch. Wir können nicht kontrollieren, was mit dem Geld geschieht. Wir können nur vertrauen.

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