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Der Traum vom schönen Leben

Von Feierabend-Mitglied Montag 11.10.2021, 17:19 – geändert Montag 11.10.2021, 18:01

Ingrid und Rolf hatten sich eine gemeinsame Basis für ihr Leben geschaffen. Die Silberhochzeit lag hinter ihnen, das Kind war aus dem Haus, das gemietete Reihenhaus gab ihnen Raum für ihre persönliche Freiheit.

Nachgedacht wurde aber immer wieder über die finanzielle Sicherheit im Alter. Ein Haus zu kaufen, um mietfrei wohnen zu können, kam in ihrem Alter nicht mehr in Frage, die Finanzierung einer solchen Immobilie wäre nicht zu leisten.

Da hörten sie von dem Angebot einer 2-Zimmer-Wohnung in einem Altbau, die zu Wohneigentum umgewandelt werden sollte. Der Kaufpreis war niedrig, die Wohnung vermietet und bewohnt, und so kamen Ingrid und Rolf zu der Überlegung, vielleicht mit den Mieteinnahmen diese kleine Wohnung finanzieren zu können. Später könnte man dann mit diesen Mieteinnahmen die Altersversorgung etwas aufstocken. Erwartungsvoll wurde ein Besichtigungstermin vereinbart.

Nach dem Klingeln öffnete sich die Wohnungstür, im Rahmen standen ein Junge von vielleicht acht Jahren und ein Mädchen, schätzungsweise von zehn. Die Eltern seien zur Arbeit, aber sie seien befugt, die Besucher hereinzulassen. DIeser Empfang, verbunden mit einigen Hemmungen, ließ zunächst zögern. Aber nun war man dort, und das Interesse war da.

Es war - wie schon gesagt - eine 2-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad. Alles aufgeräumt, alles piccobello, sauber, sehr gepflegt. Im Schlafzimmer Stockbetten für die beiden Kinder und ein Doppelbett für die Eltern. Ein Doppelbett mit vielen Kissen und weißer Spitzenwäsche. Also auf jeden Fall ordentliche Mieter.

Dieses Wohnobjekt war durchaus für eine zusätzliche Altersabsicherung geeignet und so fing das Rechenexempel an. Kaufpreis 50.000 DM, monatliche Mieteinnahmen 125 DM. Wie man es aber auch drehte und wendete, ohne hohe Eigenbeteiligung war die Finanzierung nicht zu stemmen.

Es folgte ein Gespräch mit dem Makler und die Konfrontation mit den Zahlen.

Und da passierte etwas, was Ingrid und Rolf mehr als überraschte. Der Makler würde einen neuen Mietvertrag abschließen über monatlich 500 DM und so den Kauf der Immobilie ermöglichen. 500 DM, eine Mieterhöhung um 300 %. Abgesehen von der menschllichen Seite war bereits in den 80er Jahre eine solche Erhöhung unmöglich durchsetzbar. "Da wohnen Türken drin, die finden nichts Neues, die haben keine Alternative, die müssen diesen Mietpreis zahlen. Und sie werden ganz sicher nicht klagen. Sie kennen sich mit dem deutschen Mietrecht nicht aus und könnten auch keinen Anwalt bezahlen," so der Makler.

Das Ehepaar, das längst die Silberhochzeit hinter sich hatte, verließ das Gebäude erschüttert und wortlos. So kann ihre Altersvorsorge nicht aussehen. Doch irgendjemand wird auch diese Wohnung kaufen.

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