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Der Schwan Linus

Von Feierabend-Mitglied Montag 21.06.2021, 07:26

Wir planten mit den Kindern einen Tagesausflug nach Petzow in Brandenburg. So packten wir Brote ein, Obst und alles, was man so braucht, wenn man mit Kindern unterwegs ist. Schloß Petzow hatte ein schönes Restaurant mit großer Terrasse. Alle waren aufgeregt und neugierig, so fuhren wir los mit der S-Bahn und stiegen um in einen Bus. Nach fast einer Stunde Fahrzeit waren alle zappelig, dass es eine Freude war. Die Fensterplätze wurden regelmäßig getauscht. Das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln war für meine Zwerge etwas Besonderes, weil alle Eltern ihre Kleinen nur mit dem Auto kutschierten.

Aussteigen, durchzählen und dann erst mal laufen durch den wunderschönen Lenne-Park, links lag der Schwielowsee und rechts der Haussee, nur wenige Menschen waren unterwegs.

Wir bogen vom Weg ab, liefen über eine Wiese und kamen direkt ans Wasser, rechts und links mit hohem Schilf bewachsen. Dort beobachteten wir Dampfer und kleine Boote. Ein lauter Schrei, alle kamen angerannt und riefen: "Gitti, Gitti, da sitzt ein Schwan, der will immer fliegen, aber er kann nicht!"

Ich bat die Kinder, leise zu sein, wir schlichen dort hin, ich ging so nah wie möglich zu dem Schwan. Der eine Flügel stand vom Körper ab und ich erklärte den Kindern, dass er wohl den Flügel gebrochen hat. Simon: "Wir können ihn doch nicht hier lassen, dann 'sterbt' er." Aber Kathrin sagte ganz aufgeregt: "Der ist zu schwer und zu dick!" und David meinte: "Schwäne sind gefährlich, der wird dich beißen."

"Pst!"sagte ich, legte dem Schwan meine Jacke über den Kopf und hob ihn hoch. Ich ahnte nicht, wie schwer so ein Tier ist, besonders wenn es um sein Leben kämpft. Wir gingen zum Restaurant, ich ganz krumm und die Lütten ganz still. Wir sprachen mit dem Chef des Hauses, der holte einen großen Karton, rief einen Tierarzt in Potsdam an und versprach den Kindern, dass das Tier abgeholt wird. Lisa wollte, dass der Schwan "Linus" heißt, so wie ihr kleiner Bruder, der vor kurzem gestorben ist. "Mein Linus ist zum Himmel geflogen und das macht der Schwan doch auch."

Der Tierarzt kam schnell, aber ich wollte, dass meine Kinder sahen, wie es nun weitergeht. Ich sprach nochmal mit dem Chef, und er setzte uns alle in seinen VW-Bus und fuhr hinterher. Dort angekommen durften wir bei der Untersuchung zusehen, er beantwortete alle Kinderfragen, Linus brauchte Zeit und Pflege um wieder gesund zu werden. Ich hinterließ meine Tel. Nr. und wir fuhren nach diesem Abenteuer müde nach Hause.

Nach 4 Wochen rief mich der Tierarzt an, Linus könne nun in die Freiheit. Wir hätten ihn gerettet, könnten ihn abholen und dort frei lassen, wo wir ihn gefunden haben. Jubel bei meinen Kindern und so fuhren wir los und holten den Schwan ab. Dort am Schilf ließen wir ihn frei, er bekam viele gute Wünsche mit auf den Weg und noch lange guckten sie, wie er davon flog. "Auf wiedersehen Linus!" und endloses Winken. Lisa saß auf meinem Schoß und weinte um ihren kleinen Bruder, um Linus und weil Abschiednehmen so schwer ist.

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