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Der "heilige Priester"

Von Feierabend-Mitglied Freitag 04.02.2022, 21:21

Luise war meine beste Schulfreundin, wir waren beide 9 Jahre alt und gingen in die vierte Klasse. Wir verbrachten viel Zeit miteinander. Ich durfte meist erst am späten Nachmittag raus, weil ich zuvor viel im Haushalt helfen musste und auch die Schularbeiten kosteten Zeit. Luise war ein fröhliches und hilfsbereites Mädchen und kam oft, um mir zu helfen. Oft suchten wir uns in den Ruinen oder in halb verfallenen Wohnungen ein Plätzchen und erzählten uns viele Geschichten. Meine Freundin wurde katholisch erzogen und sie erzählte oft mit leuchtenden Augen biblische Geschichten. Dieses Leuchten hatte ich nicht, bei mir zu Hause wurde immer nur von dem strafenden, strengen Gott gesprochen, der alles sieht. Ich hörte Luise gern zu, weil das, was sie an mich weitergab, warm und voller Freude war.

Einen Tag kam sie nicht zur Schule und die nächsten zwei auch nicht. Ich durfte sie nicht besuchen, weil mein Vater das verbot, sie könnte ja eine ansteckende Krankheit haben. So machte ich mir viele Gedanken. Es dauerte etwa 2 Wochen, bis sie wieder kam, aber sie war ganz verändert, ging mir aus dem Weg und ich sah bei ihr kein Lachen mehr. Schließlich drängte ich und sprach sie an, sie wehrte erst ab, aber dann verabredeten wir uns nach der Schule in einem offenen Keller.

Luise weinte, ich nahm sie in die Arme und sie schluchzte und konnte erst gar nicht reden. “Es ist ein schlimmes Geheimnis und ich darf niemandem davon erzählen, sonst bestraft mich Gott." Ich sagte: "Erzähl es mir ganz leise, dann hört Gott es vielleicht nicht."

Und dann begann sie flüsternd:" Mein Goldfisch war krank, er schwamm im Aquarium manchmal auf dem Rücken ganz oben. Ich mag ihn sehr und wollte, dass er wieder gesund ist. Ich habe gebetet, aber es wurde nicht besser. Da hatte ich eine Idee, ich setzte meinen Swimmy in ein Glas mit Wasser und lief heimlich in unsere Kirche, ich wollte ihn ein bisschen in das Weihwasserbecken setzen, dann würde er bestimmt gesund werden. "Luise begann wieder zu weinen. “Was geschah dann” fragte ich. “Der Priester stand plötzlich da und sah mich furchtbar streng an. Er sagte, mein Kind, du hast eine Todsünde begangen und das heilige Wasser schmutzig gemacht. Dann nahm er mich mit in die Sakristei.” Luise schwieg, mein Herz klopfte bis zum Hals.

“Was geschah dann” flüsterte ich. “Der heilige Mann sagte, es gibt nur eine Möglichkeit, dass Gott mir diese schwere Sünde vergibt. Ich musste an ihm eine Buße tun. Und dann hob er seine Kutte und knöpfte seine Hose auf und ich musste ihn unten anfassen und reiben. Dann legte er seine Hände auf meinen Kopf, sprach den Segen und sagte: “Gott hat dir vergeben, weil du einem heiligen Mann einen Dienst erwiesen hast.”

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, wir nahmen uns in den Arm und weinten beide. Unsere Freundschaft veränderte sich, wir trafen uns seltener und die Unbekümmertheit zwischen uns hörte auf. Durch unser gemeinsames Geheimnis hatten wir unsere Unschuld verloren.

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