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Abschied von meiner Freundin

Von Feierabend-Mitglied Montag 18.04.2022, 13:25



Am 6.4. hat meine Seelenfreundin Ute ihr irdisches Leben losgelassen und ist friedlich eingeschlafen. Sie hat das Morphium stark reduziert, weil sie bewusst diesen Übergang erleben wollte.

Ihre Söhne und die Schwiegertochter waren täglich bei ihr, in den letzten beiden Nächten haben sie sich abgewechselt und auf einem Gästebett in ihrem Zimmer gewacht und sie begleitet. Ich bin so froh und dankbar, dass ich Ute noch rechtzeitig besuchen konnte und wir unser erstes persönliches Kennenlernen mit soviel Freude erleben konnten. Bis zum letzten Tag hat sie mir noch auf ihrem Tablett eine kurze Nachricht geschickt, wir hielten diese kostbare Verbindung. Ich selbst zog mich seit meinem Besuch bei ihr aus allen Äußerlichkeiten zurück, um mental und im Gebet mit ihr verbunden zu bleiben. Das waren stille und bereichernde Tage für mich.

So kam die telefonische Nachricht für mich nicht überraschend. Die Söhne teilten mir mit, dass einer von ihnen einen Tag vor der Beisetzung extra nach Berlin fährt, um mich abzuholen, damit ich gemeinsam mit ihnen Abschied nehmen kann. Ich habe 4 Tage in Utes Haus übernachtet und so konnten wir meiner Freundin im gemeinsamen Erinnern nahe sein. Die beiden Söhne und die Schwiegertochter waren mir ja bisher ganz fremd, aber sie haben mich mit so viel Wärme empfangen und umsorgt, dass ich mich in Utes Haus ganz vertraut und geborgen fühlen konnte. Am Freitag brachte mich einer der Söhne von Walsrode mit dem Auto wieder nach Berlin. Sie sagten, ich gehöre inzwischen zur Familie und sie möchten gern den Kontakt mit mir halten. Das berührt mich tief.

Die letzten 6 Jahre im Kontakt mit Ute haben mein Leben sehr verändert, Nach einer schmerzvollen Kindheit, einer schweren Krebserkrankung, zu viel äußerer Aktivität, bin ich hineingewachsen in ein tiefes Vertrauen in mein Sein. Anfangs war Ute meine geistige Lehrerin, die mich mit unendlicher Geduld getragen und auch ertragen hat. Den Durchbruch brachte für mich die innere Bereitschaft, meinen Eltern, vorallem meinem Vater, zu vergeben. Auch mit mir selbst und allen Menschen die mich und die ich verletzt habe, Frieden zu schließen und los zulassen. Allein dadurch konnte ich ohne jede Chemo oder andere Behandlung den Krebs stoppen und das in mir liegende Gift neutralisieren. Ich wusste nicht, wie lange ich noch Zeit habe, aber ich wollte diese Phase bewusst erleben und einige verdrängte Dinge in Ordnung bringen, um bewusst und im Frieden gehen zu können. Heute bin ich frei von Krebs und geheilt mit einigen altersgemäßen Einschränkungen. Besonders danke ich Ute für die Freiheit, in der ich wachsen konnte, sie mir nie Ratschläge gab und ich immer meinen Weg, und nicht ihren gehen konnte.

So durfte ich Urvertrauen lernen und bedingungslose Liebe erfahren. Das gab mir die Möglichkeit, über mein Elend hinaus zuwachsen und auch für die Entwicklung einer Seelenfreundschaft offen zu werden. Das dies auf so wunderbare Weise gelungen ist, hatten wir beide nicht erwartet, es ist ein Geschenk, für das Ute und ich immer dankbar waren. Wir haben uns bis zum Ende ihres irdischen Lebens gegenseitig getragen in dem Wissen, dass wir uns auf einer anderen Ebene wiedersehen und erkennen werden. Nichts in dieser Beziehung geschah zufällig, Danke Ute, dass wir uns auf die Führung durch eine höhere Macht einlassen konnten und vertraut haben.

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