Zusammentreffen mit einem Dino!
Von
tastifix
Montag 25.07.2022, 10:58 – geändert Montag 25.07.2022, 16:38
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tastifix
Montag 25.07.2022, 10:58 – geändert Montag 25.07.2022, 16:38
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Dinosaurier waren in. Deren Fangemeinde wuchs ständig und genauso der Verdienst tüchtiger Geschäftsleute. Es gab alles mit jenen reizenden Viechern, angefangen vom Trinkbecher mit furchteinflößendem Abbild über Kleidung, die, übersät mit Dinos, ihre Träger garantiert vor Überfällen zu schützen vermochte bis hin zu Bettwäsche, die dann für Albträume sorgte.
Doch nach ein paar Jahren schien der Dino-Rausch sein Ende gefunden zu haben. Die Trinkbecher trugen wieder etwas charmantere Motive, die Kleidung erst recht und selbst die Bettwäsche nahm wieder Rücksicht auf eventuell mögliche Folgen wegen ihres Outfits.
Aber die Urzeitwesen protestierten:
„Huuah, grrr!“
Sie waren schließlich Wer. Soo nicht! Offensichtlich wirkte ihr markerschütterndes Brüllen enorm. Die ehemaligen Fans bereuten ihre Untat, sie einfach so fast vergessen zu haben. Die Geschäftsleute erinnerten sich des tollen damaligen Umsatzes und die Filmbranche stellte sich ausgesprochen gern der neuerlichen Herausforderung. Alles rannte ins Kino, der Gänsehaut- oder auch Lacheffekt lockte.
Ich gestehe: Auch ich! Dinos im Breitwandformat, wow!!
Pünktlich zur Geisterstunde erwachte ein grotesker Mix von Mensch und Tier aus sämtlich bekannten Zeitepochen zum Leben. Jede Nacht machten sie das Museum unsicher und schlugen gehörig Krawall. Da gaben sich die Hunnen, Christoph Columbus, der wilde Westen und die High Society des Mittelalters ein Stelldichein sowie deren Tiere ebenfalls. Zebradamen flirteten völlig ungeniert mit Mammutbullen, Kapuzineräffchen ärgerten frech riesige Löwen und zogen sie am Schwanz. Australische Emus probten für den Marathonlauf und trampelten mit weit ausladenden Schritten alles über den Haufen. Selbst die Neandertaler und der Tyrannosaurus Rex fehlten nicht. So tobten also die Jahrmillionen auf der Leinwand fröhlich mit-, durch-, um- und auch gegeneinander. Dem Rex mangelte es sichtlich an Fleisch auf den Rippen. Er hoppelte als extra dünner Riesen-Gummi -Twiggyrich durchs Bild. Unwillkürlich prustete ich los. Das hätte ich besser gelassen.
Rex unterbrach seine Horror-Brüllarie und forschte aus luftiger Höhe die Umgebung nach dem unverschämten Störenfried ab, der sich keinesfalls seinetwegen zu Tode ängstigte, sondern sich stattdessen über ihn amüsierte. Auf der Leinwand wurde Rex nicht fündig, gab sich, rasend vor Wut, nicht damit zufrieden und sicherte mit geblähten Nüstern alarmierend konzentriert in Richtung des Zuschauerraumes. Kurz darauf heftete sich sein drohender Blick auf mich. Dann passiert es: Das Biest kehrte dem ihm zugedachten ´Lebensraum` den Rücken zu, biss sich voll tonnenschwerer Angriffslust durch die äußerste Flimmerschicht und raste über die Stuhlreihen hinweg zielbewusst auf mich zu. Eindeutig wollte der mir, dem endlich ausgemachten Frevler, an die Gurgel gehen.
Alle anderen Kinogäste stoben schreiend dem Ausgang zu und quetschten sich ins Freie. Allein ich klebte erstarrt vor Schrecken am Sitz fest. Mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen starrte ich das Monster an.
´Es ist aus!!`
Bei mir angekommen, stoppte der Kerl den Rachefeldzug, legte den Kopf schief, sperrte das riesige Maul auf und blies mir, wie ich mir dann einbildete, den fauligen Atem gegen die Nase. Ich kam nicht umhin, das furchtbare Gebiss zu mustern, das sich leider ausgesprochen gesund präsentierte. Die Gedanken daran, wie es sein würde, von jenen Hauern zermalmt zu werden, versuchte ich zu verdrängen.
„Du warst das gerade …!?", brüllte er mit lauerndem Blick.
Ich schluckte. Zu leugnen brachte nichts mehr, ich war entlarvt.
„Ja, abaa ich hab`s be..bestimmt nicht böse ... "
Halb ohnmächtig, verschwamm mir alles vor den Augen und ich sah dessen Fratze nur noch wie durch einen Nebel.
´Mach schon! Dann hab ichs wenigstens hinter mir!!`
„Du Wurm wagst es, Dich über mich lustig zu machen??“
Hoch aufgerichtet stand er dort, eine personifizierte Morddrohung. Verzweifelt sammelte ich mein noch bestehendes Notfall-Mikro-Denkvermögen zusammen.
´Ich träume nur. Der ist doch schon seit Urzeiten tot!!`
Meine Furcht wandelte sich fast in Übermut:
„Wurm? Immerhin zähle ich zur Gattung Homo sapiens sapiensis. Falls Dir das etwas sagt?!“
Nein, tat es nicht, seinem Blick nach zu urteilen.
„Huah, grr!“, blieb er hartnäckig und startete einen letzten verlegenen Einschüchterungsversuch.
Sein Auge näherte sich bis auf wenige Zentimeter:
„H...dingsbums, ha, Du bist gar nichts gegen mich, Du Floh!“
´Floh??`
Was fiel diesem Klapperknaben eigentlich ein?
„Immerhin bin ich 1,61m!“
Doch, weil ich wohl sonst garantiert zuviel des mathematischen Verständnisses bei dem unverständigen Super-Kraftpaket vorausgesetzt hätte, hing ich eine präzise Erklärung an:
„Das sind 161cm oder auch 1610 mm!“
Klar traf mich ein total unverständiger Blick und er reagierte dann zu meinem Glück völlig falsch:
„Bist zu klein für mich, Du Fast-gar-nicht-Portion!“
Schaute mit betont dinosaurieristisch-snobistischer Miene fast über mich hinweg, vollführt eine vom Lärm zusammenkrachender Sessel begleitete Kehrtwendung und trampelt zurück in den Film. Er stampfte zurück auf sein Podest und stand dann dort wieder stumm und unbeweglich wie vordem.
Sehr viel entspannter hockte ich denn auf meinem Platz.
„Puuh! Gut, dass ich dem nicht verraten hab, dass ich sogar noch nen halben Zentimeter größer bin. Sonst hätte der es vielleicht doch noch anders überlegt!“