Zank mit Ambrosius
Von
tastifix
23.05.2021, 13:30
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tastifix
23.05.2021, 13:30
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Wegen des herrlichen Wetters will ich mich der Gartenarbeit widmen. Auf den Terrassenplatten hat sich Moos breit gemacht, verziert von munter sprießenden Grasbüscheln.
„Nix da!“
Mit dem Schubbel bewaffnet betrete ich mein grünes Paradies und zucke im nächsten Augenblick erschrocken zusammen. Wie auf Kommando piept es empört von allen Seiten und über mir aus der mächtigen Weide kreischt mir ein Elsternpaar wilde Beschimpfungen entgegen.
„Was ist denn in Euch gefahren? Spinnt Ihr?!“
Ich trotze:
´Ist immer noch mein Garten!!`
Aus dem hinteren Teil des Grundstücks hüpft ein Amselmännchen heran. Es ist mein Freund Ambrosius, doch von ´Freundschaft` ist nichts mehr zu merken. Dick aufgeplustert, mit flatternden Flügeln und weit geöffnetem Schnabel meckert er los:
„Dir ist klar, dass Du uns störst? Und überhaupt, was ist das denn für ein Stock in Deiner Hand?“
„Mit irgendwas muss ich das Moos ja entfernen!“
„Das meinste doch wohl nicht ernst, piep!? Von wegen, das brauchen wir als Teppichboden für unser neues Eigenheim!“
„Nicht in einem solchen Ton! Seid lieber froh, dass Ihr überhaupt hier wohnen dürft!“
„Dafür bezahlen wir ja auch mehr als genug!“, trumpft Ambrosius auf.
„Wie? Dass ich nicht lache!“
Doch ich hab das beleidigte Federknäuel unterschätzt.
„Genau, bezahlen!! Oder wie würdest Du die Mühe über ein halbes Jahr hin nennen, Euch mit unserem wunderbaren Zwitscherkonzert zu unterhalten?“
So habe ich es wirklich noch nie gesehen. Perplex schweige ich für einen Moment.
´Nee, der kriegt mich nicht klein!` - „Piep nicht solch einen Quatsch! Ohne unentwegt über alles und jedes zu tratschen, wäret Ihr doch total unglücklich!“
Ambrosius Schnabel kommt meiner Hand gefährlich nahe.
´Will der etwa ... ?`
Nein, nach mir zu hacken traut er sich nicht, bangt bestimmt um das ersehnte Moos.
´Garantiert wirbt er gerade um ein schickes Weibchen und ohne Moos dann ... `
„Also: Den Winter über hattet Ihr den Garten für Euch allein. Aber jetzt werd` ich hier aufräumen. Basta!!“
Schockiert blickt Ambrosius mich an. Eigenartig: Es folgt kein einziges keckes Piep mehr!
Und weil dem so ist und er endlich den frechen Schnabel hält, verzeihe ich ihm. Klar spendiere ich dann auch einen kleinen Moosteppich für die Vogelvilla. Bleibt nur zu hoffen, dass die, so exklusiv ausgestattet, der niedlichen Angebeteten auch gefällt.