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Wie das!??

Von tastifix Samstag 29.05.2021, 22:15 – geändert 30.05.2021, 18:50

Monika und Manfred puzzeln ausgesprochen gern. Erst waren es die üblichen Landschaftsmotive, doch nun wagen sie sich an ein kompliziertes 3DPuzzle aus Schaumstoffteilen heran. Als es fertig ist, steht Schloss Neuschwanstein vor ihnen, die gesamte Anlage mit allen Türmen und Innenhöfen. Es schaut dermaßen toll aus, dass sie es noch mehrere Wochen stehen lassen.

Danach jedoch räumen es die Beiden schweren Herzens wieder weg. Sie benötigen den Platz für andere Werke. Diesmal entscheiden sie sich für ein 2000er Puzzle, eine Landschaft mit Bergen, Almhöhen und passendem, von riesigen wunderschönen Blumenbeeten umgebenen Herrschaftshaus. Das Motiv passt prima zur Einrichtung des Wohnzimmers mit all seinen Pflanzen.

Kurze Zeit später schenkt die Verwandtschaft zu Manfreds Geburtstag ein sehr ausgefallenes Puzzle, das vom Stil her ein wenig an die Illustrationen in den Asterix-Heften erinnert. Zwar mag er Asterix und Obelix, aber noch viel mehr schwärmt er für Historie und dieses Puzzle zeigt eine Zusammenstellung lustiger Einzel- und Miniszenen aus ferner Vergangenheit. Am unteren Bildrand hütet ein Schäfer, weiter rechts ein Schweinehirte seine Tiere. Darüber erkennt man Türmchen und Türme mit Fenstern und Balkonen, von denen aus Mönche das mittelalterliche Treiben ringsum beobachten. Auch eine Gruppe von Kriegern fehlt nicht. Allerdings wirken sie ausgesprochen zufrieden, denn es gibt nichts zu bekriegen. Überhaupt scheint alles sehr heiter zuzugehen.

Dies wundert Monika und Manfred kurz darauf sehr. Als sie nämlich die linke obere Bildhälfte betrachten, entdecken sie einen gewaltigen, drohend sein schreckliches Gebiss zeigenden Drachen. Wieso wackeln bei dessen Anblick den Bewohnern jener kleinen Welt nicht die Beine vor Furcht?? Während sie noch darüber nachgrübeln, holt sie zu ihrem Glück die Realität schnell wieder ein.
„Ist ja nur ein Bild!“

In den nächsten Stunden sind sie sehr beschäftigt. Das Puzzle erweist sich als äußerst schwierig. Aber sie genießen die Herausforderung. Den gruseligen Drachen setzen sie, wieder gefangen in der Fantasiewelt, sicherheitshalber erst zuletzt zusammen. Erleichtert beobachten sie, dass er nicht etwa Flammen speiend alles zerstört, sondern sich weiterhin nicht von der Stelle rührt. Stolz freuen sie sich, das kniffelige Legespiel bewältigt zu haben. Wieder lassen sie es mehrere Tage liegen und bilden sich nur zu gerne ein, jene Miniwelt würde sich darob ständig fröhlicher präsentieren.

Manfred und Monika ahnen ja nicht, das jenes Untier nicht allein ein Freund der Miniwelt und deren Bewohner, sondern dazu noch, wie es sich noch beweisen wird, erstaunlich schlau für einen Drachen ist.
´Vorsicht!`, denkt jener. ´Des geht nicht mehr lange gut!“
Besorgt klärt er die Schweinehirten, die Schäfer, aber vor allem die Mönche darüber auf, dass sie alle in Gefahr schweben und ihr Dasein nur von kurzer Dauer sein wird. Verzweifelt hören sie ihm zu, aber kurz darauf weicht die Verzweiflung mehr und mehr der Begeisterung. Denn der Drache hat eine tolle Idee, wie sie sich wehren können.
„Ja, so machen wir es!“, jubeln alle. „Die werden es nicht wagen, unsere Welt in böser Absicht anzurühren!“
Der nächste Tag jedoch verläuft äußerst friedlich. Es scheint fast so, als sei mit dem Drachen nur die Fantasie durchgegangen. Also widmen sich die Pappgesellen wieder beruhigt den üblichen Aufgaben.

Am späten Abend jedoch entscheiden Monika und Manfred, sie hätten nun lange genug den Anblick des lustigen Bildes genossen und wollen es wegräumen. Mit leichtem Bedauern trennen sie die ersten Puzzleteile auseinander. Schon verschwindet eines der Randteile erneut im Karton. Mit wachsender Anspannung verfolgen es die Hirten, die Krieger und auch die Mönche.
„Jetzt!!!“, kommandiert da der Drache.
Die Hirten schicken ihre Hunde vor, die Krieger zücken die Lanzen und die Mönche veranstalten mit den Gebetsmühlen soviel Lärm wie möglich, um die zwei Menschen einzuschüchtern. Doch jene beeindruckt es nicht. Manfred macht sich gar an der einen Klaue des Drachens zu schaffen, als er jedoch plötzlich zusammen zuckt.
„Au, verflixt! Haben die scharfe Ränder!!“
Seine Hand ist bereits total zerkratzt. Trotzdem bleibt er hartnäckig und vergreift sich noch am Drachenmaul. Da durchzuckt ein heftiger stechender Schmerz. Entsetzt starrt er schaut auf seine stark blutenden Finger. Geschockt gibt er auf.

Derweil versucht Monika die Krieger aus dem Puzzleverband zu lösen. Zwar wird auch sie attackiert, doch noch bleibt sie stur. Aufgebracht und immer wütender stechen die winzigen Gesellen mit den Lanzen auf sie ein. Es brennt höllisch. Schließlich gibt sie ebenfalls klein bei.
„Das Puzzle ist verhext!“, behaupten die Beiden und entscheiden, besser die paar herausgelösten Teile wieder einzusetzen, bevor sie noch gar ihrer Finger verlustig gehen.

Als die Miniwelt wieder vervollständigt ist, herrscht sofort wieder Ruhe. Nicht länger werden sie attackiert, sondern schließen tatsächlich Frieden miteinander. Stolz stellen Monika und Manfred das Puzzle auf ein Regal. Anstatt sie zu vernichten, wollen sie sich gern noch etwas länger an dem Anblick jener Fantasiewelt erfreuen.

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