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Weihnachtsmann in Not

Von tastifix 12.11.2023, 09:10

Ächzend kämpfte sich der Weihnachtsmann durch den Schnee. Die Landschaft mit ihrer im Sternenlicht glitzernden weißen Decke sah zwar toll aus, aber leider pfiff ein sehr unangenehmer Wind. Mit der einen Hand hielt der heilige Mann, nach der langen Reise bereits ziemlich erschöpft, krampfhaft den Geschenksack, mit der anderen seine rote Mütze mit dem weißen Bommel fest. Um seinen Bauschebart musste er sich nicht sorgen. Der war reißfest angewachsen.
´Wenigstens das!`, murmelte er.

Der Schnee knirschte unter den Stiefeln. Zum Glück waren sie wasserdicht und der Weinachtsmann musste denn weder mit nassen Füßen, einem nachfolgenden Schnupfen noch mit noch Ärgerem rechnen. Tapfer stapfte er weiter auf die kleine Stadt zu. Dort warteten sicherlich sehnlich Kinder auf seine Gaben und pressten sich bereits die Nasen an den Fensterscheiben platt.
´Das Kleine, das mich dann zuerst sieht, quietscht bestimmt los in Lautstärke 300! Tja, bin bei denen eben fast so beliebt wie das Christkind!`
Nur gut, dass er ´fast` gedacht hatte. Sonst wäre jenes eventuell sauer geworden.

Eine Weile später war der vordem klare Sternenhimmel von schweren schwarzen, rasch am Himmel dahin jagenden Wolken verdeckt und der Wind blies hetiger.
´O je!!`, dachte der Weihnachtsmann.
Es wurde ständig ugnemütlicher. Urplötzlich riss ihm eine Böe seine tolle Bommelmütze vom Kopf und wirbelte sie weit fort. Verzweifelt versuchte er, den Kopf mit den Händen vor der ungewohnten Kälte zu schützen. Er war nicht mehr der Jüngste, sein letztes Haupthaarhärchen hatte sich bereits vor geraumer Zeit verabschiedet und nun zierte ihn eine Glatze.

Aber es sollte noch schlimmer kommen. Der Wind wuchs zum orkanartigen Sturm an und zu allem Überfluss begann es auch noch zu schneien. Immer mehr Flocken wirbelten zur Erde und bildeten allmählich eine dichte Schneewand. Von allen Seiten peitschte der Sturm dem Weihnachtsmann den Schnee ins Gesicht. Verunsichert bemühte der sich, den Durchblick zu behalten und wischte sich kräftig über die Augen. Dabei verlor er erst den Sack, dann gar die Orientierung und stolperte halbblind voran. Sich gegen den Sturm zu stemmen, war nicht mehr drin. Der packte ihn, wirbelte ihn hoch und schleuderte ihn arg hin und her. Hilflos ausgeliefert drehte sich der Weihnachtsmann mehrmals im Kreis, Vor Schock brachte er nicht mal mehr ein ´Hilfe!!` zustande. Aber in dem Tosen hätte es sowieso keiner gehört.

Doch irgendwann flaute der Orkan ab, der Wird trug den Weihnachtsmann nicht mehr und dieser sauste in irrem Tempo zurück gen Boden. Zu seinem Pech besaß er ja kein Navi, mit dem er zumindest seine Flugroute hätte beeinflussen können. Entsetzt erkannte er unter sich einen See. Zu spät! Es platschte gewaltig, Gischt spritzte hoch, der heilige Mann tauchte unter und dann wenige Sekunden später Wasser ausspuckend und wild mit den Armen und Beinen strampelnd aus der Eiseskälte wieder auf.

Zusätzliche Kälteschocks machen bekanntlich wach und erhöhen das Denkvermögen:
´Wie gut, dass ich Seepferchen hab!!`
Prompt war er wieder besseren Mutes und erreichte denn mit wenigen Schwimmzügen das rettende Ufer. Dort, heftig nach Luft schnappend, zähneklappernd und mit den Kräften am Ende, lehnte er sich auf wackligen Beinen gegen einen Baum.
„Wenigstens kein Schneesturm mehr! - Und jetzt!???“
Es war grausam, aber er erinnerte sich wieder seiner Glatze:
„Oh nein! Ohne schlohweiße Lockenpracht? Das geht nicht. Menschen wollen einen munteren, kraftstrotzenden Weihnachtsmann und keinen elendlich tropfenden Jammerlappen ohne Bommelmütze und - gar noch ohne Geschenke!!“ -Hab ich jetzt nicht sofort ´ne Idee, fällt Weihnachten diesmal buchstäblich ins Wasser!!"

Obwohl total groggy, riss sich der Weihnachtsmann der Not gehorchend zusammen und schickte ein flehendes ´RWUVAM!!` (Rette Weihnachten und vor allem mich!!) an seinen obersten Chef. Der schickte sofort nach dem Wäscherei-Oberengel:
„Ist dessen Bommelmütze fertig?!“
„Ja, Chef! Sogar gleich dreimal gewaschen!!“
„Gut so: Schnapp` Dir den Schlitten, bringe sie und auch das,was hier auf der Liste steht. Fix, sonst erfriert der uns noch dort unten!!“
Sein Diener nahm die Liste, tat, wie ihm geheißen worden war, zog, damit er selber nicht gar jenes Schicksal erlitte, seinen hübschen strahlend weißen Wollmantel an sowie die passende Mütze dazu an und machte sich auf den Weg. Nur wenig später landete der Schlitten auf einem kleinen Pfad nicht weit von dort, wo der arme Mann immer noch vor sich hin bibberte.

Tief frustriert stand jener kurz davor, den Gedanken an ´Geschenke` und ´strahlende Kinderaugen` aufzugeben - und sich selber fast auch, als er denn aufhorchte. Es bimmelte und knirschte leise und schon sah er den Engel auf dem Schlitten herangleiten, der direkt vor ihm hielt. Und entdeckte dann hinten auf dem Schlitten ...
„Der 'Sack! Und meine geliebte Bommelmütze!!"
Fürsorglich reichte ihm der Himmelsbote ein riesiges, flauschig-weiches himmelblaues Badetuch.
„So, rubbele Dich rasch trocken! - Und hier: Ne wollene Leggins und ein neuer Mantel für Dich! Der alte ist ja endgültig hinüber! “
Der neue Mantel war im modernen Maxilook gearbeitet und herrlich warm gefüttert. Schicke Stiefel gabs auch noch dazu. Als der Weihnachtsmann die Mütze aufsetzen wollte und dabei über seine Glatze strich, fühlte die sich eigenartig stoppelig an.
„Haare!!!“
Überaus froh spürte er, wie ihm eine tolle Lockenpracht wuchs und er endlich wieder ausschaute, wie es sich für einen Weihnachtsmann geziemt.

„Das ist noch nicht alles ...“, verriet ihm der Engel.
„N..Noch nicht a..alles??“
„Nein, dieser kleine Beutel ist auch für Dich!“
„F..Für m..mich??“
Der Beutel sah genauso aus wie der große Geschenksack, nur zusätzlich mit einer himmelblauen Schleife versehen. Neugierig öffnete der Heilige ihn. Kein Wort kam über seine Lippen.
„Ehem,“, erklärte der Engel. „Also; Dem Chef tut so leid, was Dun hast durchmachen müssen. Vor lauter Vorweihnachtshektik im Himmel hat versäumt, dem Sturm zu verbieten zu stürmen, solange Du unterwegs bist!“
Gerührt schaute der Weihnachtsmann auf die riesige Tafel Schokolade in seinen Händen und dann auf sein super niedliches Schoko-Konterfei an einem hübschen roten Band.

Während die Beiden dann eilig sämtliche Geschenke verteilten, stärkten sie sich zwischendurch immer mal wieder an der köstlichen Tafel Schokolade. Aber den winzigen Schoko-Weihnachtsmann rührten sie nicht an. Den hing sich der große Weihnachtsmann als Schmuck um den Hals und schickte dabei im Stillen ein inniges ´Danke` zum Himmel.

Weihnachten war gerettet und überall schauten strahlende Kinderaugen auf wunderschön eingepackte Geschenke.

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