Weihnachtsmann in Not
Von
tastifix
13.11.2022, 16:49 – geändert 13.11.2022, 23:51
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tastifix
13.11.2022, 16:49 – geändert 13.11.2022, 23:51
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Stöhnend kämpfte sich der Weihnachtsmann durch den Schnee. Die Landschaft mit der weißen, im Sternenlicht glitzernden Decke sah zwar toll aus, aber leider pfiff ein sehr unangenehmer Wind. Mit der einen Hand hielt der Heilige, nach der langen Reise bereits ziemlich entkräftet, eisern den Geschenksack, mit der anderen die rote Mütze mit dem typischen weißen Bommel fest. Sein Bart war ja reißfest angewachsen.
´Wenigstens das!`, murmelte er.
Der Schnee knirschte unter den gottlob wasserdichten Stiefeln, so dass er weder mit nassen Füßen, auch später mit keiner Erkältung oder gar etwas Schlimmeren rechnen musste. Tapfer stapfte er auf die kleine Stadt zu. Dort pressten sich garantiert schon Kinder die Nasen an den Fensterscheiben platt und warteten sehnlich auf seine Gaben.
´Wenn sie mich gleich entdecken, jubeln sie garantiert los in Lautstärke 300! Tja, bin bei denen eben fast so beliebt wie das Christkind!`
Gut nur, dass er noch ´fast` gedacht hatte. Sonst wäre jenes eventuell sauer geworden.
Kurz darauf war vom klaren Sternenhimmel nichts mehr zu sehen. Es trübte sich immer stärker ein. Schwarze Wolken zogen am Himmel und der Wind frischte auf.
´O je!!`, dachte der Weihnachtsmann.
Nicht zu Unrecht, denn es wurde stürmisch. Der Sturm wurde ständig stärker, bis er dem Heiligen dessen Markenzeichen, die rote Bommelmütze mitsamt der schlohweißen Perücke vom Kopf riss und beides weit fort blies. Bestürzt versuchte der arme Mann, seinen Kopf mit den Händen vor der ungewohnten Kälte zu schützen. Denn, weil er nicht mehr der Jüngste war, hatte sich das letzte Haupthaarhärchen bereits vor geraumer Zeit verabschiedet und nun noch ohne künstliche Lockenpracht, ihn zierte nun eine Glatze und des jetzt ziemlich kalt.
Aber es kam noch schlimmer: Der Sturm geriet nämlich zum Orkan und obendrein begann es zu schneien. Ständig dichter wirbelten Flocken zur Erde, das Weiß wurde allmählich zur beinahe undurchdringlichen Schneewand. Von allen Seiten peitschte dem Weihnachtsmann der Schnee ins Gesicht.
Dennoch kämpfte er noch um den Durchblick und wischte sich leider mit der Hand, die den Sack trug, über die Augen. Dabei verlor er erst jenen, dann die Orientierung und stolperte halbblind umher. Sich noch gegen den Sturm zu stemmen, war unmöglich geworden. Jener beutelte ihn hin und her. Plötzlich packte ihn eine extrem wilde Böe. Hilfesuchend blinzelte der Weihnachtsmann noch in den weißen Nebel, aber beim Versuch, sich eventuell gar an einer Schneeflocke festzuklammern, wäre er denn doch ausgesprochen haltlos geblieben und so ließ er es bleiben.
Verzweifelt ruderte er mit den Armen. Aber zu spät. Er verlor den Boden unter den Füßen, der Sturm schleuderte ihn hoch in die Luft, wirbelte ihn tosend nach allen Seiten und noch höher und drückte ihn dann mit einem Ruck wieder tiefer. Wehrlos dem ausgeliefert, machte der Weihnachtsmann gar einen Kopfstand und wusste dann nicht mehr, wo ihm der Kopf stand. Schwer geschockt entfuhr ihm nicht mal mehr ein „Hilfe!“ Aber in dem Tosen hätte es sowieso niemand gehört.
Doch irgendwann flaute der Orkan ab. Der Wind trug den heiligen Mann nicht länger und ließ ihn in irrem Tempo gen Boden sausen. Dummerweise besaß der Weihnachtsmann kein Navi, mit dem er wenigstens seine Flugroute hätte beeinflussen können. Entsetzt erkannte er unter sich einen See. Im nächsten Moment platschte es gewaltig, Gischt spritzte nach allen Seiten, der heilige Mann tauchte unter und dann wenige Sekunden später Wasser spuckend und total undiszipliniert strampelnd aus der Eiseskälte wieder auf.
Solch gemeiner Kälteschock erhöht das Denkvermögen:
´Ich hab doch ´Seepferdchen`!!`
So paddelte er mit wenigen Schwimmzügen ans rettende Ufer und lehnte sich dort, mit den Kräften am Ende, keuchend nach Luft schnappend, in seinem arg tropfenden Outfit doppelt so stark als zuvor mit den Zähnen klappernd gegen einen Baum. Nur mit Mühe hielt er sich noch auf den wackelnden Beinen.
„Und nu …??“
Es war grausam, aber er erinnerte sich wieder seiner Glatze:
´Nee! Ohne schlohweiße Lockenpracht? Geht ja gar nicht. Menschen wollen einen agilen, munteren, kraftstrotzenden Weihnachtsmann und keinen elenden vor Nässe triefenden Jammerlappen ohne Bommelmütze und - gar noch ohne Gaben!! - Fällt mir jetzt nicht ganz fix was ein, fällt Weihnachten buchstäblich ins Wasser!!!`
Trotz des recht lauten Zähneklapperns riss er sich zusammen und schickte ein flehendes SOS an seinen obersten Chef. Der rief sofort nach dem Wäscherei-Oberengel:
„Ist dessen Bommelmütze fertig?!“
„Ja, Chef! Sogar gleich dreimal gewaschen!!“
„Gut so: Schnapp` Dir den Schlitten und bringe sie sowie das, was hier auf der Liste steht, zu ihm hinunter. Beeil Dich, sonst erfriert der uns noch dort unten!!“
Der Engel gehorchte, griff sich die Liste und suchte alles zusammen. Dann zog er rasch, damit ihm selber nicht auch jenes Schicksal erleiden würde, seinen hübschen strahlend weißen Wollmantel über sowie die passende Mütze dazu und machte sich auf den Weg. Sanft schwebte der Schlitten zur Erde und landete auf einem kleinen Pfad nicht weit von der Stelle, an der der Weihnachtsmann mittlerweile fast nicht nur den Gedanken an ´strahlende Kinderaugen` aufgegeben hatte, sondern beinahe auch sich selber. Doch auf einmal horchte er auf. Erst knirschte es leise, dann bimmelte es, des dann immer lauter und im nächsten Moment sah der Weihnachtsmann den Engel auf seinem Schlitten heran gleiten. Und hinter dem Himmelskind ...
„Der Sack! Und auch meine geliebte Bommelmütze!!“
Schon hielt der Schlitten vor ihm. Schnell griff der Engel hinter sich und reichte ihm ein himmelblaues flauschig-weiches Badetuch.
„So, rubbele Dich rasch trocken! - Und hier: ´Ne wollene Leggins und ein neuer Mantel für Dich! Der alte ist ja total zerfetzt!“
Der neue war im modernen Maxi-Look geschneidert und herrlich warm gefüttert. Schicke Stiefel gab es auch noch dazu. Als der Weihnachtsmann die Mütze aufsetzen wollte und dabei über seine Glatze strich, fühlte die sich eigenartig stoppelig an.
„Haare! Da sprießen ja Haare!!!“
Froh spürte er, wie die paar Haare zu einer echten tollen Lockenpracht wuchsen. Endlich schaute er wieder aus, wie es sich für einen echten Weihnachtsmann geziemt.
„Das ist noch nicht alles ...“, verriet der Engel.
„N..Noch nicht a..alles??“
„Nein, dieser kleine Beutel ist auch noch für Dich!“
„F..Für m..mich??“
Der Beutel sah genauso aus wie der große Geschenksack, nur zusätzlich mit einer hübschen blauen Schleife versehen. Neugierig öffnete ihn der Weihnachtsmann. Kein Wort kam über seine Lippen.
„Es ist nämlich so ..“, erklärte der Himmelsbote. „Also, dem Chef tut es so leid, was Dir widerfahren ist. Vor all der Vorweihnachtshektik oben hat er glatt versäumt, dem Sturm zu verbieten zu stürmen, solange Du unterwegs bist!“
Gerührt betrachtete der Heilige die große Tafel Schokolade in seinen Händen und dann auf sein winziges, Schokoladen-Konterfei an dessen rotem Band. Während die Beiden dann gemeinsam eilig sämtliche Geschenke verteilten, stärkten sie sich zwischendurch an der köstlichen Tafel Schokolade. Doch die kleine Schoko-Figur rührten sie nicht an. Jenen Mini-Weihnachtsmann hing sich der große Weihnachtsmann als Schmuck um den Hals und schickte dabei im Stillen ein inniges ´Danke!!` zum Himmel.
Weihnachten war gerettet und überall schauten strahlende Kinderaugen erst auf den gleich ihnen strahlenden Weihnachtsmann und danach noch begeisterter auf die wunderschön verpackten Geschenke.