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Was einem so alles widerfahren kann ...

Von tastifix Samstag 17.09.2022, 19:07 – geändert 18.09.2022, 08:31

Unser türkisches 1.Klasse-Hotel glich einer Stadt für sich. Es bot jeden erdenklichen Luxus. Dazu zählte auch ein toll ausgestatteter Massagesalon im Untergeschoss.

Der Besuch eines solchen Salons war für mich eine Premiere und so marschierte ich mit gemischten Gefühlen hin. Es empfing uns ein Masseure-Trio. Einer von ihnen geleitete uns zu einer gemütlichen Sitzecke. Die Preislisten über sämtliche Leistungen lagen schon parat. Alles zwischen 49 -120 Euro. Aufdringlich versuchte sein Kollege die angeblichen Sonderangebote aufzuquatschen:
„Massage X kostet statt 90 Euro heute nur 60 Euro! Und die andere nur ...“
Doch biss er bei uns auf Granit. Wir wählten die sanfte Thai-Massage mit Peeling und Maske sowie eine medizinische Ganzkörpermassage und ebenfalls eine Maske. Unserem „Betreuer“ war fix klar, dass wir nicht umzustimmen wären und so beorderte er uns in die Dampfsauna (40 -50 Grad heiß).
Eine Viertelstunde sollten wir schwitzen. Zehn Minuten später:
„Ich kann nicht mehr. Ich will hier raus!“
Im selben Augenblick kam unser ewig grinsender "Betreuer" herein, erkundigte sich, ob alles okay wäre und wir nickten brav. Nun noch mit zwei Thai-Mädchen im Schlepptau, die noch charmanter lächelten als er selber, führte er uns in den Saal, in dem das Ganze vor sich gehen sollte. Der helle Raum war ringsum mit einem eleganten Arkadengang ausgestattet, in mit Mosaiken geschmückten Nischen unter den Rundbögen ruhten auf niedrigen Podesten kleine Waschbecken. Das Podest bot Sitzplatz für zwei Personen.

Mittig im Raum stand ein Riesenmosaik-Rondell. Das eine Mädchen breitete am Rand der Steinplatte so eine Art Geschirrtuch - genauso winzig und ebenso dünn - aus und forderte mich in Zeichensprache auf, mich darauf zu legen. Ich spürte sämtliche Knochen. Mit einem Handschuh rubbelte es mich ab, deckte mich danach mit Schaum zu und massierte mich. Das fand ich noch recht angenehm …
Dann aber sollte ich mich aufsetzen. Sie trippelte zum Waschbecken, kehrte mit zwei Blechschüsseln zurück und klatschte mir total überraschend eiskaltes Wassers ins Gesicht und über den ganzen Körper. Nach Luft schnappend machte ich dem Massage-Girl klar, sie solle bitte meinen Kopf verschonen, was sie denn auch tat. Danach trocknete sie mich ab. Anschließend durften wir uns in einem Ruheraum, in flauschige Bademäntel gehüllt, auf Liegen sinken ließen. Aber wir hatten gerade erst einen Schluck Tee genossen, da scheuchten sie uns wieder hoch.
„Hääh, ich dachte, wir sollen uns hier ausruhen!?“

Der Masseur und die beiden Thais eskortierten uns in ein kleines, im asiatischen Stil eingerichtetes Zimmer. Mittig standen zwei schmale hohe Liegen. Mühsam erkletterte ich die eine. Mein männliches Gegenüber hatte es einfacher, er war viel größer. Am Kopfende befand sich ein großes Loch. Gehorsam drehte ich mich auf den Bauch, steckte den Kopf in das Loch und winkelte nach Anweisung die Arme an. Die ausgiebige Massage genoss ich so sehr, dass ich fast dabei eingeschlafen wäre, wenn da nicht …
Wohl in der Annahme, zwei jetzt äußerst zufriedene Gäste vor sich zu haben, bearbeiteten sie nun unsere Psyche. Der Masseur postierte sich zwischen die Liegen, erklärte eindrucksvoll gestikulierend, was im Besonderen womit behandelt werden könne und um dem noch Nachdruck zu verleihen, drückte ihm dabei eines der Mädchen an der Wirbelsäule herum. Doch uns beeindruckte es überhaupt nicht. Wir blieben stur.
Erneut in Bademäntel gehüllt landeten wir nochmals in dem besagten Ruheraum. Diesmal durften wir tatsächlich etwas länger verweilen. Doch dann stellten sich die Thai-Mädchen ans Kopfende der Liegen, in der Hand eine Schale voll undefinierbarer, wenig Vertrauen erweckenden Paste. Einen Balken davon pappten sie uns auf Stirn, Nase, Kinn und einen auf jede Wange. Das war es. Danach zogen sie sich auf leisen Sohlen zurück. Das Zeug sollte ja erst mal einwirken.
Mit dem sicheren Gefühl, dass nicht alles rechtens ablief, schielte ich zur anderen Liege und musste prompt laut lachen.
„Huuch! Was haben die denn mit Dir angestellt?“
So sah eine übliche Gesichtsmaske jedenfalls nicht aus. Wir ähnelten beide eher den Indianern aus ´Schuh des Manitou`.
„Weißte was? Wir werden hier veräppelt! Hätten wir uns weitere Behandlungen aufschwatzen lassen, würden sie uns behandeln wie den Kaiser von China. Haben wir aber nicht und das ist halt die Rechnung dafür!“

Masken - selbst die in Mikroausführung - werden hart und spannen. Zehn Minuten später erschien das uns bereits vertraute Kleeblatt, verkniff sich bei unserem Anblick aber nicht mal mehr das Grinsen. Und dann leisteten sie sich das I-Tüpfelchen der Unverschämtheit: Süßlich lächelnd wies mir eine junge Frau den Weg zum Waschraum:
„Waschen Sie es mit heißem Wasser wieder ab!“
´Hääh, wieso denn ich?? Wäre eigentlich deren Aufgabe!`
Verwirrt tappte ich ins Dunkle. Im Waschraum brannte nämlich kein Licht. Ohne fand ich jedoch den Schalter nicht.
„Huuch!“
Wieder erschien Prinzessin Lächelndes Wesen, knipste einmal kurz und verdünnisierte sich lautlos. Diskretion ist alles.

Mich erwartete das äußerst zweifelhafte Vergnügen, meine Spinat-Indianerkriegsbemalung im Spiegel zu bewundern, aber die Begeisterung hielt sich sehr in Grenzen.
„Hoffentlich krieg ich die Pampe wieder runter!“
Handtücher oder Waschlappen entdeckte ich nirgends. Not macht bekanntlich erfinderisch. Ein Papiertuchspender bot grüne Tücher an, genau farblich passend zu dem Zeug in meinem Gesicht. Sauer durchnässte ich eines und rubbelte auf der Pseudo-Maske herum. Allmählich bröckelte sie. Zwar wischte ich mir dabei das grässliche Grün auch in die Haare, jedoch, wie ich triumphierend bemerkte, noch viel ausgiebiger in den Ärmel des vom Hotel geliehenen Bademantels.
„Rache ist grün!“
Allmählich aber wandelte sich das Giftgrün in ein Pastellgrün, dass sich in anmutigen Schlieren übers ganze Gesicht verteilte. Wütend rieb ich noch drei Male kreuz und quer. Das Aquarell war weg und ich hatte meinen normalen Teint zurück.

Das lebende Massagesalon-Inventar besaß tatsächlich noch die Unverschämtheit nachzufragen, welche Behandlung denn vielleicht bei einem weiteren Male ...
"Die spinnen wohl! Nie wieder!!"

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