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Trampen verboten!

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 26.06.2024, 19:30 – geändert Mittwoch 26.06.2024, 19:31

Jugenderinnerungen.......
Sechzehn Jahre jung, Ferienbeginn, juchuuu! Eine Tante meiner Freundin Monika aus einem kleinen Dorf bei Göttingen hatte uns eingeladen, die Hälfte unserer Ferien bei ihr zu verbringen. Warum nicht? Sie war sehr nett und konnte sensationellen Rhabarberkuchen backen.

Unsere Eltern hatten sich eine Zugfahrt von Essen (wir lebten damals im Ruhrgebiet) nach Göttingen vorgestellt, von dort sollten wir abgeholt werden. Zu der Zeit hatten Monika und ich als Schülerinnen wenig Geld. Wir hatten zwar neben der Schule ein wenig gejobbt, von zu Hause bekamen wir auch etwas Geld, das heißt, soviel, wie die Eltern es für angemessen hielten, aber das war für heutige Verhältnisse nicht viel.
Irgendwie durchgesickert war, dass wir uns übers Trampen unterhielten. Es wurde uns strikt untersagt, nur daran zu denken, stattdessen wurden uns Bahnkarten Essen - Göttingen und zurück spendiert.

Als wir viel zu früh in Essen am Hauptbahnhof standen, wollten wir nur mal so nachfragen, rein theoretisch natürlich, ob man die Karten zurückgeben könnte. Man konnte, damals sogar so kurzfristig. Wir schauten uns an, waren uns ohne Worte sofort einig.....das machen wir! In dem Moment gab es für uns kein richtig oder falsch sondern nur den Gedanken, während der Ferien über etwas mehr Geld verfügen zu können. Wir gaben also die Karten zurück, bekamen Bargeld ausgezahlt und gingen mit unseren Rucksäcken zu der B 1, sie verlief südlich vom Hauptbahnhof, das ist ein Abschnitt der heutigen A 40.

Ach die Eltern mit ihren übertriebenen Ängsten! Wir fanden uns alt genug, selbst auf uns aufzupassen. Außerdem waren wir ja schließlich zu zweit und würden natürlich nicht zu jedem ins Auto steigen, wir hatten ja schließlich Menschenkenntnis! Auf der Hin- und Rückfahrt hatten wir Glück, lernten fremde Menschen ein wenig kennen, fanden es irgendwie spannend, ein Hauch von Abenteuer umgab diese für uns neue Art des Reisens.

Weil alles so reibungslos geklappt hatte, trampten wir auch während unseres Ferienaufenthaltes bei Göttingen weiter, schließlich konnte man so eine Menge Geld sparen und Spaß machte es uns inzwischen auch. Bis.......ja, bis etwas passierte, das uns nachdenklich machte.

In Hannoversch Münden, das ist das hübsche Fachwerkstädtchen, in dem die beiden Flüsse Fulda und Werra zusammenfließen und zur Weser werden, schlossen wir uns einer altersgemäßen Clique an, verbrachten täglich Zeit mit ihnen. Am Abend nahm uns eine Angestellte eines dort hiesigen Lokals, die gut bekannt war, mit und setzte uns ab. Mit dem Bus fuhren wir nicht gerne, der letzte fuhr nach unserem Verständnis viel zu früh.
Einmal hatte unsere "Taxi Fahrerin" ihren freien Tag. Wir waren uns da ganz sicher, irgendjemand würde uns schon mitnehmen.
Ein älterer Mann, aus der Sicht von 16-jährigen, bot sich später für die Rückfahrt an, er war allerdings nur vom gelegentlichen Sehen bekannt. Sympathisch war er uns nicht , er schaute während des Sprechens niemandem direkt in die Augen, immer seitlich vorbei und schnaufte. Dieses Mal fiel es uns schwer mitzufahren, uns war nicht wohl dabei, aber es war schon sehr spät geworden, und wir wollten keinen Ärger mit den Verwandten meiner Freundin. Unsere Bekannten standen bei unserer Abfahrt um das Auto herum, einer notierte sich das Kennzeichen.

Die Fahrt fing auch schon merkwürdig an. Unser Fahrer starrte mit weit aufgerissenen großen Augen in die nur von den Scheinwerfern erhellte Dunkelheit. Die Straße von Hann. Münden bis Göttingen war früher unbewohnt, führte auch einmal durch ein kleines Waldgebiet. Das Fahrzeug war eine Art Bulli, in dem wir auf dem Vordersitz zu dritt saßen, ich saß in der Mitte. Nach kurzer Zeit spürte ich die wulstigen Finger des Mannes auf meinem Oberschenkel, mit der rechten Hand hielt ich Monika fest, mit der linken schob ich die aufdringliche Hand zur Seite. Immer wieder machte er Annäherungsversuche......Auf einmal fuhr er in dem Wäldchen rechts ran. Wir krallten unsere Hände ineinander, hatten Angst. Es fuhren keine weiteren Autos auf der Strecke. Er stieg aus.....bei laufendem Motor. Wie versteinert hielten wir uns weiter an der Hand, flüsterten: "Was machen wir jetzt?" Wir drehten uns um.....und schauten direkt in das gruselig von unten beleuchtete starre Gesicht des Mannes auf der Rückseite. Was machte der da? Voller Panik sprangen wir aus dem Auto und liefen auf die andere Straßenseite in das Wäldchen, das uns aber, wie wir es jetzt bemerkten, keinen Sichtschutz bot, da es kein Gebüsch gab.
"Wo wollt ihr denn hin, Mädchen?" rief die Männerstimme hinter dem Auto. "Ihr könnt doch hier in der Nacht nicht alleine bleiben....". Zögerlich kamen wir zurück, da erklärte uns der Fahrer, dass er nur austreten musste, das hatte er hinter dem Auto erledigt.
Wie peinlich!! Nach ja, so peinlich dann auch wiederum nicht, denn er hatte sich ja vorher ganz schön übergriffig verhalten. Die restliche Rückfahrt verlief ohne störende Komplikationen, aber wir waren immer noch ein wenig geschockt. Es war der erste Zwischenfall, bei dem wir merkten, wenn der Fahrer andere Absichten gehabt hätte, wäre es sehr ernst für uns geworden.

Irgendwie waren wir damals ein bisschen naiv und leichtsinnig, das ist mir später klar geworden. Als meine Tochter Julia so etwa in mein damaliges Alter kam, habe ich mit ihr übers Trampen gesprochen und sie gebeten, es auf keinen Fall zu tun. Meine Tochter antwortete mir: "Da mach dir mal keine Sorgen, ich bin doch nicht lebensmüde....."
Nachtrag: Da konnte man etwas "plumpsen" hören.

She/Sommerzauber
Aus meinen "Jugenderinnerungen"

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