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Tonis Auftritt in der Kita ... Hihi!

Von tastifix Dienstag 29.06.2021, 10:18

Wie jedes Jahr fand auch 2016 im Sommer ein Kindergartenfest statt. Trotz der schwülen 28 Grad an den drei Tagen zuvor gewitterte es nicht, was ja wenigstens ein wenig Abkühlung gebracht hätte.

An dem besagten Samstag fuhren wir froh gestimmt zur Kita nach Essen.Tonis Papa hatte mit meiner Enkelin (damals 3 1/2 J.) ein englisches Lied eingeübt, das sie zum Schluss des Festes vortragen wollten. Er ist Chorsänger und singt Opern am Theater. Die Kleine hat das Talent offensichtlich geerbt und trällert auffallend gern herum. Jedoch verging uns die gute Laune, je näher wir dem Ziel kamen, denn es goss dort wie aus Eimern. Dagegen half auch Fantasie nicht:
´Dort ist doch ´nen Loch, da schimmert es blau durch!`
Gar nichts schimmerte durch. Stattdessen quälte sich der Wagen durch ein wahres Autobahn-Planschbecken vorwärts. Sichtweite: Zeitweise nur 100m.
„O je! Das wird was werden … Mit all den Kindern die ganze Zeit ausschließlich im Haus ...“

Gut nur, dass Toni ihren Regenschirm mit hatte und dann stolz lautstark darauf bestand, die zwei Meter vom Auto bis zum Eingang mit aufgespannter Pippi Langstrumpf vorweg zu marschieren. Im Flur drängelten sich Eltern, Kleinkinder sowie auch Kleinstkinder. Die zum Glück bei den Erwachsenen auf dem Arm, sonst wären sie in der Enge vielleicht fast zerdrückt worden.
´Ach du meine Güte!`, dachte ich.

Wider Erwarten wurde es ein sehr amüsanter Nachmittag. Die Räumlichkeiten waren liebevoll geschmückt und sogar ein Olympiaprogramm (samt Lorbeerkränzen, Urkunden, Orden und Olympiafähnchen) zusammengestellt worden. Alle rutschten sich begeistert fast den Po wund, hüpften über 20cm-Minihürden, erklommen Klettergerüste und schaukelten auf Wippen. Die Kinder krochen durch Tunnel, ließen in einem Becken Korkenschiffe auf Strohhalm-pust-Kommando zur anderen Seite schwimmen und erfrischten sich zwischendurch an Salaten, Würstchen und ganz viel Apfelschorle.
Wie dann auch Toni. Manchmal bestellte sie sich gar etwas auf eigene Faust. Grinsend spurteten wir hinzu und bezahlten brav. Sie fühlte sich eindeutig Kindergartenkind wohl, zumal zwei Freundinnen und ein etwas älterer Verehrer um sie herum tanzten.

„Omihiih, ich will mit Dir rutschen!!“
Hui! Die Rutsche war steil und husch landeten wir eine Etage tiefer vor dem Olympia-Turnsaal. Ich fühlte mich plötzlich sehr viel jünger. Nur meine Größe hielt mich davon ab, etwa gleichfalls durch einen der Mini-Tunnel zu kriechen. Ich hätte ja drin stecken bleiben können ... Kurz darauf kämpfte meine Enkelin mit einer langen Schaumstoffstange gegen einen etwas älteren Jungen. Doch der war wohl sehr sensibel und schlug nicht fest zu. Oder, ob die Zwei eher die Regeln nicht so ganz verstanden hatten? Egal! Jedenfalls war Toni mit ´Unentschieden` sehr zufrieden und strahlte. Mit dem umfangreichen Programmangebot vergingen die Stunden sehr rasch. Bald hing auf so manchem Arm ein erschöpftes bleiches Etwas, kaum mehr fähig, einen Muckser von sich zu geben. Ein deutliches Anzeichen dafür, dass sich der Event seinem Ende näherte.

Und richtig: Schon wurde Tonis Auftritt mit dem Papa beziehungsweise eher Papas Auftritt mit ihr angekündigt. Sicherheitshalber stellte ich mich sehr nah. Man konnte ja nie wissen … Die Beiden wurden vors Mikro platziert, sie dabei auf Papas Arm, sonst hätte sie ja gar nicht hinein singen können. Eigentlich stand sie ja jetzt im Mittelpunkt, Papa hatte nur noch unterstützende Funktion. Sie schmetterte gleich engagiert mit. Ich klatschte leise, um ihr zu zeigen, wie toll ich des fand. Sie lachte mir fröhlich zu. Die Fröhlichkeit hielt etwa bis zur Mitte des Liedes vor. Da passierte es: Der Auslöser war ihre Erkältung. Sie zog einen Schmollmund und dann leider recht laut die Nase hoch. Direkt vorm Mikro. Für wenige Augenblicke immerhin verhinderte der Nasenaufzug noch das, was sich aber dann als nicht mehr verhinderbar erwies. Nervös fuhr sich Toni mit der Zunge über den Mund bis fast hin zur Nase. Aber es nutzte nichts mehr. Hilfesuchend streckte sie den Kopf vor und schrie ins Mikro:
„Naaaase läääuuuft!!“

Mit Laufnase fühlt man sich ziemlich unwohl, vor allem dann, wenn mindestens hundert Augenpaare auf einem ruhen. Mit puterrotem Gesicht, über das Sturzbäche von Tränen rollten, bäumte sie sich ruckartig nach hinten, rutschte dabei dem Papa fast vom Arm (der fleißig dabei weitersang), hockte dann auf dem Boden wie ein Häufchen Elend und heulte immer noch. Mir tat sie in der Seele leid, wie enttäuscht sie war. Ihr Papa dagegen hat ja schon seine Fangemeinde.

Ich trat zu ihr, hinderte die Laufnase am Weiterlaufen und flüsterte ihr fix zu:
„Du, ich bin stolz auf Dich!“
Tja, ob des dazu beitrug oder ob der wahre Grund war, dass die Nase nicht mehr lief …? Keine Ahnung! Jedenfalls ließ sie sich von Papa wieder hoch hieven, weinte auch nicht mehr, sondern sang erneut mit, als ob nichts gewesen wäre. Klar, dass vor allem sie dann viel Applaus erntete. Ihr Papa allerdings auch etwas.

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