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Telefoon!!

Von tastifix Mittwoch 07.07.2021, 04:04

Mir entringt sich ein Seufzen:
„Ja, die gute alte Zeit ... !"
„Was erzählst Du nur für einen Blödsinn?", fragt mich meine innere Stimme.
„Was war an der denn besser, kannste mir das mal erklären?"
„Ja, also ...", beginne ich und gerate ins Stottern.
„Nahaah ...?," wartet sie gespannt.
„Es war eben noch nicht so stressig wie heute!", fällt mir ein.
„Wieso das denn??"
Nach einer kurzen Gedenkpause kommt von mir der Ausspruch des Tages:
„Es gab noch keine Handys!"
Merklich beeindruckt, schweigt sie einen Moment und stellt dann verstehend fest:
„Ach, daher weht der Wind!"
„Ja!", bestätige ich bekümmert.
Wie groß mein Kummer deswegen ist, sprudelt nur so aus mir heraus. So, wie ich mich anhöre, bin ich fast mit den Nerven am Ende.

Also, in einem großen Haus mit drei Etagen und vier Töchtern ...
In jeder Etage residiert ein Festnetz-Telefon und wir sind dessen Zofen. Bimmelt es, stürzen wir im Düsenjäger-Tempo heran, damit es ja nicht zu lange läuten muss. Oder vielleicht doch eher deshalb, damit es sich nicht deswegen etwa in beleidigtes Schweigen hüllt? Richtig! Meinen Töchtern ist nämlich ein stiller Quasselapparat ein Gräuel. Denn der könnte ja dann gar für ´ne halbe Stunde seine Muschel geschlossen halten.

Damit aber der Nachwuchs ja keine Depressionen bekommt, leisten ihm und auch uns seit geraumer Zeit so niedliche und immer niedlichere kleine Kästchen Gesellschaft, die auch bimmeln und sich ´Handy` nennen. Ausgesprochen blasiert schauen sie auf ihre fest gekabelten Verwandten herab. Im Gegensatz zu denen sind sie Freigänger und zwar nicht nur bis in den Garten, nein, sie sind immer mit von der Partie. Sie lümmeln sich in flotten Handtaschen der Teenager und auch in Hosentaschen junger Männer herum. Damit sie trotzdem nicht überhört werden, wird ihre Rufmelodie auf Lautstärke Hundert gestellt.

Weil es ja ganz, ganz viele Exemplare von ihnen gibt, erklingen dementsprechend viele verschiedene Melodien. Top ist es, wenn die Handys alle wie auf Kommando zum selben Zeitpunkt los quietschen. Jedes scheint sich die allergrößte Mühe zu geben, sich ja noch durchdringender zu Laut zu melden als der Rest der Handy-Mannschaft. Sie bimmeln während wichtiger Termine, die nicht gestört werden dürften: Leider hat man vergessen, den kleinen Frechdachs vorher auszustellen. Sie unterbrechen hoch interessante Gespräche beim Bäcker, Friseur oder auch den nachbarschaftlichen Kaffeeklatsch. Sie machen sich überall bemerkbar, zu den ungünstigsten Zeiten und mit Vorliebe dann, wenn man seine Ruhe haben möchte. Nur wird daraus nichts.

Ich gebe mich immerhin mit nur einem dieser Tyrannen zufrieden. Doch bei meinen Töchtern residieren je mindestens zwei Handys. Mittlerweile habe ich es aufgegeben, mitzuzählen: Vielleicht sind es inzwischen sogar noch ein paar mehr. Im Haus rumoren sie, weil daheim, hemmungslos den ganzen Tag und manchmal sogar noch spät in der Nacht. Aber wenigstens abends kann ich dieser Lärmbelästigung ein Schnippchen schlagen. Ich bin so frei und schließe meine Zimmertür vor deren Tasten fest zu, lasse sie frech im Treppenhaus, im Keller und in den verschiedenen Jung-Damen-Zimmern zurück. Dort dürfen sie gerne randalieren, bis die Akkus leer sind.

Aufatmend genieße ich die Ruhe.
„Uff, endlich Stille!"
Ich flegele mich aufs Bett und freue mich auf einen Film, den ich schon längst einmal habe sehen wollen. Es erscheint der Vorspann. Der Spaß kann beginnen ...
Kaum mehr als zwei Minuten später bimmelt es. Es bimmelt anhaltend, es bimmelt dreist und es bimmelt für meine Ohren zunehmend lauter.
„Nee, also wirklich! Jetzt möchte ich ein einziges Mal ..."
Was ich ein einziges Mal denn möchte, bleibt unausgesprochen. Denn mir bleibt keine Chance dazu.

„Meensch, können die nicht ihre Handys wenigstens spät abends ... ?", entrüste ich mich wütend.
Die Wut bringt mir nichts. Es bimmelt und ruft unablässig weiter. Irgendwie kommt mir die Melodie merkwürdig bekannt vor. Verflixt, die habe ich doch schon mal gehört!? Zudem klingt es verdächtig nah. Ich drehe mich zur Seite, greife murrend nach hinten und halte mein Handy in der Hand:
„Halloo …??"
Und dann:
„Ach, wie schön, dass Du anrufst!!!"

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