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Storchenkarriere mit Hindernissen

Von tastifix 16.01.2022, 19:24 – geändert Montag 17.01.2022, 07:01

Ein junges Paar wartete auf sein Baby.
„Seufz! Wir müssen wohl noch Geduld haben!"
Ja, denn im Himmel fanden die Prüfung für die Neu-Klapperstörche statt.
„Babys zur Erde zu bringen ist die vornehmste Aufgabe überhaupt!"
Kritisch las Gott die Anmeldeliste durch:
´Ach, Klappi ist auch dabei! Hm, bestens erzogen ist er ja … Mal abwarten!“

Derweil klapperten Klappis Eltern ermahnend auf ihren Sohn ein:
„Klappi, zeig` Dich von Deiner besten Seite!“
Der klapperte genervt.
´Wie oft soll ich mir das denn noch anhören!? Hätte mich besser bei der Froschfangtruppe bewerben sollen. Macht garantiert mehr Spaß! - Zumal Babys so gerne brüllen ...`
Fast hätte er noch gekniffen. Aber das traute er sich nicht.

Dann war es soweit. Die Eltern ermahnten noch mehr und Klappi fühlte sich noch genervter.
„Klappi, leg die Flügelspitzen ordentlich aufeinander und klappere nur, wenn Du gefragt wirst!“
„Mach ich, Papa!“
„Komm, schnell noch überstehende Federn ordnen!“
„Jaja, Mama!“, verdrehte Klappi die Augen.
Etwas später drängte Papa Storch zum Aufbruch.
„Tschüss Mama!“
„Toi, toi, toi!“

Nach nur kurzem Flug landeten sie droben vor der Tür des Prüfungszimmers.
„Keine Sorge! Du schaffst das schon!“, ermutigte Papa Storch stolz seinen Sohn und rauschte davon.
Drinnen musterte Klappi die Anderen. So erbarmenswürdig hatten die noch nie geguckt. Sein Herz klopfte:
´Was jetzt wohl auf uns zukommt?`
Nach einer Weile war er an der Reihe und stakste auf zittrigen Stelzen in Gottes Büro.
„Weshalb möchtest Du denn Klapperstorch werden?“
„Weil es eine so schöne Aufgabe ist, Menschen froh zu machen!“
,Eine prima Einstellung. Du bist angenommen!!“
„Danke!!“
„Warte draußen. Gleich bekommt Ihr weitere Informationen!"
Klappi berichtete den Anderen, Gott habe nur eine einzige Frage gestellt.
„Mehr nicht? Und welche?“
„Weshalb ich Klapperstorch werden wolle!“
Kurz danach hatte auch der letzte Prüfling es hinter sich. Jedoch schien der ziemlich sauer zu sein.
„Was ist denn??“
„Bin durchgefallen! Weil ich Blödmann zugegeben habe, dass ich Babygeschrei hasse."
„Kein Wunder dann!!"
„Such` ich mir halt nen anderen Job!"
Eilig flatterte er davon.

Nun wurde es ernst. Ein Engel betrat den Raum:
„Kommt mit!“
Sie marschierten bis vor eine breite Doppeltür.
„Also, hier ist das Babyzimmer. Dort bleiben die Kleinen, bis sie zur Erde gebracht werden!“
Drinnen sahen sie auf eine fast unüberschaubare Menge von Babybetten. Zwischen denen eilten Babyschwesterengel hin und her.
„Aber woher weiß ich, welches Baby an der Reihe ist und wo ich es hintragen soll?“, wollte Klappi wissen.
„Dort auf der Anzeigentafel stehen Namen, Adressen und vor allem die Liefertermine verzeichnet!“
„Ja, aber welches der Kleinen hier ist denn dann gemeint?"
Lachend zeigte der Engel auf den Arm eines Babys. Es trug ein Band, auf dem die gleichen Angaben vermerkt waren wie auf der Tafel.
„Und wie transportieren wir sie?“
Der Engel deutete auf flauschig-weiche Einschlagtücher.
„Deren Enden werden oben verknotet und Ihr nehmt sie unterhalb des Knotens in den Schnabel. Aber dann ja nicht klappern! Sonst kommt das Baby verletzt oder gar tot unten an."
Erschrocken versprachen alle, Obacht zu geben.
„Ab morgen geht’s los! - Jetzt feiert schön. Eure Eltern freuen sich bestimmt!“
Ja, Klappis Eltern platzten fast vor Stolz.
„Morgen krieg ich meinen ersten Auftrag!“, erklärte der selbstbewusst.

Anderntags beeilte er sich, um ja rechtzeitig oben zu sein.
„Klappi, heute ist es Zeit für den kleinen Georg.“
„Und wo wohnen die Eltern?“
Sie lebten ganz in der Nähe. Der Engel zog dem Baby einen niedlichen Strampeler an und darüber noch ein Mäntelchen mit Kapuze.
„So, Klein-Georg, jetzt frierst Du unterwegs nicht. Hab` ein schönes Leben und machs gut!“
Dann legte er den Kleinen in ein Tragetüch, knotete es oben zu und übergab es Klappi.
„Beeil Dich! Guten Flug!“
Der startete sofort. Es klappte hervorragend. Bald war die Aufregung vergessen. Gelassen steuerte Klappi sein Ziel an und schaute denn kurz darauf nach unten, derweil Klein-Georg ruhig weiterschlummerte.
´Bin ja schon fast da. Nur noch am See vorbei!`
Er landete am Ufer und wollte die letzten Meter an ihm entlangschreiten, als es plötzlich in der Nähe quakte. Prompt knurrte Klappis Magen laut.
´Hab ich einen Hunger! Toll, ein Frosch. Den hol ich mir!!`
Das Baby war vergessen, auf einem Seerosenblatt hockte der ersehnte Leckerbissen. Gierig öffnete Klappi den Schnabel, das Kleine wäre beinahe ins Wasser geplumpst und Klappi erschrak fürchterlich. In letzter Sekunde umklammerte er das Tuch wieder fester. Zum Glück wurde der kleine Georg noch nicht mal nass. Doch der Frosch war fix fort gehüpft.
´Geschieht mir recht! Hoffentlich hat Gott das jetzt nicht beobachtet!`
Klappi schämte sich.

Schnell stolzierte er auf ein Haus zu. Dort legte er das Baby kurz am Eingang ab, um seine Federn wieder Klapperstorch fein zu ordnen. Denn es nahte ein äußerst wichtiger Moment.
´Die werden sich bestimmt doll freuen!`
Und darauf freute sich Klappi schon jetzt.
"´Klapp, klapp, klapp`!", machte er, hob fix das Bündel wieder hoch und wartete. Die Tür öffnete sich, zwei strahlende Augenpaare schauten ihn an und dann zärtlich auf den Kleinen.
„Wie süß! Ein Sohn! Unser kleiner Georg!!“
Der junge Vater nahm das Bündel entgegen, die Mutter strich dem Kleinen glücklich über die Wange.
„Dankeschön, lieber Klapperstorch!!“
Leise fiel die Tür hinter ihnen ins Schloss.

Klappi war es einerseits sehr froh zumute.
„Ob droben schon der nächste Auftrag auf mich wartet? Hoffentlich, hoffentlich!!“
So ganz sicher war er sich dessen nicht mehr.
´Ich muss mich sputen.`
Der Flug dauerte ja nicht lange. Am Himmelstor empfing ihn Petrus:
„Na, wie wars?“
„Klappklapp!“, eilte Klappi weiter zum Büro des Chefs.
Dort angekommen, war er denn wieder ziemlich aufgeregt.
´Hoffentlich, hoffentlich!`, dachte er wieder.
Er klopfte.
„Komm rein!“
Schon stand er Gott gegenüber, der ihn strafend musterte.
„Du weißt, dass ich nicht wirklich zufrieden mit Dir bin?“
Es klang erschreckend streng.
„I..Ich weiß, dass ich nicht ...“
„Ja, klar hättest Du das nicht ... dürfen! Trotz Hungers nicht!! Sei froh, dass nichts passiert ist! Sonst müsste ich Dir jetzt gar wieder kündigen!"
„Chef, i..ch … Mir tut es so leid!!“
„Hm, hm … !“
„Ich h..hab danach sehr auf..auf gepasst!“, bettelte Klappi beschwichtigend.
Gott schwieg nachdenklich. Klappi sicherheitshalber auch. Den Kopf etwas senkend, hoffte er, es könne wirken. Tatsächlich schaute sein Chef auf einmal etwas milder und so hob Klappi ihn wieder.
„Du, die Beiden haben sich so gefreut und ich mich auch!!“
„Hm, eigentlich solltest Du ja zum Oberklapperstorch befördert werden. Aber, ob ich das jetzt ...?"
„Chef, ich mach des nie wieder. Selbst dann nicht, wenn da zehn Frösche wären!“

Gott schaute seinem gefiederten Diener in die Storchenseele.
´Ja, der meinte es ernst. Er hat die Chance verdient!` - "Also gut! Der nächste Auftrag führt Dich aber etwas weiter weg. Dort wird ein Mädchen erwartet!"
„Ich werd ganz vorsichtig sein, Chef!!“
„Moment, ich bin noch nicht fertig! ... Wenn Du es gesund ablieferst, dann will ich über Deine Beförderung zum Oberklapperstorch nochmal nachdenken … Du dürftest dann ja Zwillinge nach unten bringen. Du weißt ja, welch eine Ehre des bedeutet!"
„Danke! Du kannst Dich auf mich verlassen!!“, flatterte Klappi rasch zum Babyzimmer.
Noch einmal würde er seine Chance, befördert zu werden, nicht aufs Spiel setzen …

Und Klappi trug das Kleine behutsam zur Stadt, gönnte den quakenden Fröschen unter ihm an Seen und Flüssen keinen einzigen Blick, übergab gerührt den stolzen Eltern das Kleine und machte sich, nun selber glücklich, rasch auf den Heimweg. Ein paar Tage später trug er erhobenen Schnabels die Ernennungsurkunde zum Oberklapperstorch ins elterliche Nest.

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