Sonntagsvergnügen....
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Feierabend-Mitglied
Montag 17.10.2022, 17:36
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Unvergessen sind mir die sonntäglichen Messebesuche und die Spaziergänge nach dem Mittagessen.
🥻🎩🎀👒
Während die Bäuerin und die Mägde damit beschäftigt waren, das Sonntagsessen, meist gab es Braten, Kartoffeln und „feines“ Gemüse, zuzubereiten, durften wir Kinder mit dem Bauern in die Kirche gehen.
An normalen Sonntagen gingen wir in die Frühmesse, an hohen Feiertagen, durften wir sogar mit ins Hochamt, wo es mir von dem vielen Weihrauch regelmäßig speiübel wurde.
Natürlich wurden wir fein rausgeputzt, im Sommer mit weißen Kniestrümpfen, dem Sonntagskleid, was in meinem Fall meist schon aus 3. Hand war und für mich noch mal verlängert wurde und im Winter mit dem Samtmäntelchen, welches auch schon bessere Zeiten gesehen hatte.
Nicht fehlen durfte natürlich für uns Mädels die Haarschleife, die schon damals ein sehr wichtiges Accessoire war. Nicht nur um die damals noch üppige Haarpracht zu bändigen, sondern um das Kind auch aufzubrezeln. Denn auch damals, in den Nachkriegsjahren wollten wir Mädchen schön aussehen.
Ganz besonders gern erinnere ich mich an einen Sommer, in dem mir eine der Mägde zum Osterfest ein wunderschönes, rosafarbenes leicht glänzendes fast durchsichtiges Kleid genäht hatte. Dazu passte nicht nur der weiße „Brummer“, den ich zu Weihnachten bekommen hatte, sondern auch die weißen Kniestrümpfe und die schwarzen Lackschuhe, die zwar schon ein wenig drückten, aber immer noch recht passabel waren.
Alltags wurden die dünnen Zöpfchen, die mir rechts und links vom Kopf baumelten, mit Zopfspangen zusammengehalten, die immer verloren gingen und ich dafür fürchterlichen Ärger bekam. Sonntags jedoch, wurden meine seitlichen Haare zusammengefasst, hochgebunden und mit dem dicken Brummer mitten auf dem Kopf befestigt.
Ich fand mich wunderschön in meiner neuen Kluft und war mental auf dem Weg eine Prinzessin zu werden.
Auch der Bauer takelte sich auf, legte die speckige Schirmmütze zu Gunsten eines grauen Hutes mit etwas dunklerem Ripsband ab, alles aus Ehrfurcht vor dem lieben Gott und dem heiligen Sonntag behauptete er. Wogegen uns Kinder der Verdacht beschlicht, dass seine Frau ihm in diesem Fall keine Wahl lassen würde.
Denn auch sie kleidete sich zum sonntäglichen Nachmittagsspaziergang in ihr Sonntagsgewand, setzte ihren guten Hut auf, der sogar einen kleinen Schleier hatte, machte sich so hübsch, dass sogar meine strahlende Schönheit in dem rosa Kleidchen ein wenig verblich.
Alltags- und Sonntagskleidung trug man damals, denn das Pflegen war mühsam, Waschmaschinen, Trockner, elektrisches Bügeleisen…. Das gab es damals noch nicht.
Manchmal frage ich mich, ob es noch Menschen gibt, die Alltags- und Sonntagskleidung haben?
Wie ist es bei Euch?