So etwas vergisst man nie wieder ... (1)
Von
tastifix
Dienstag 01.06.2021, 11:01 – geändert Dienstag 01.06.2021, 11:07
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tastifix
Dienstag 01.06.2021, 11:01 – geändert Dienstag 01.06.2021, 11:07
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Die Messe
Kerzen tragend zogen die Kommunionkinder in die Kirche ein. Manche Mädchen waren gewandet in mit Perlen und Pailetten überhäufte Hollywood-Kostüme.
´Puuh! Bin ich froh, dass ich ihr ein schlichtes Kleid gekauft habe! - Hollywood geht ja gar nicht!!`
Hinterdrein folgten die Jungen in schwarzen Anzügen. Die Kinder setzten sich in die vordersten Reihen, die Familienangehörigen und Freunde nahmen in denen dahinter Platz..
Ich ließ meine Tochter nicht aus den Augen. Denn sie saß neben ihrer besten Freundin. Klar: Die Zwei tuschelten und lachten laut. Kurz vor Beginn der Messe drehte sich A. nochmal nach mir um.
„Psst! Seid leise!!“, bedeutete ich per Handzeichen.
Augenblicklich plumpste sie auf die Bank und verstummte.
´Du, ich bin ja mal gespannt, wie lange sie das durchhält!", flüsterte ich meiner Freundin zu.
Sie schwieg und grinste nur. Aber A. benahm sich auch weiterhin mustergültig. Dazu trug garantiert nicht unwesentlich der nette junge Kaplan mit den blitzblauen Augen vor ihr bei. Der gefiel ihr offensichtlich dermaßen gut, dass sie sogar gnädig seinen Worten lauschte. Oder grübelte sie nur darüber nach, wie sie nachher am schnellsten das Kleid wieder los werden könnte? Egal! Entspannt genoss ich die Erholung.
Etwas später folgten die Fürbitten. Der nette Kaplan richtete flehend das Wort an seinen Chef im Himmel:
„O Herr, erbarme Dich unser!“
Die Gemeinde flehte mit.
„Oh ja, Herr, bitte!!“, betete auch ich inbrünstig.
Urplötzlich fühlte mich angespannt wie selten zuvor in meinem Leben. Denn ich dachte an daheim.
Es war soweit. Die Messdiener geleiteten die Kommunionkinder feierlich zum Altar. Beim Kniefall erwies sich die Unmenge an Kleiderstoff als ausgesprochen hinderlich. Robe und Schuh waren sich uneins. Letzterer hakte sich hartnäckig am unschuldigen Kleidersaum fest. A. stolperte, fing sich gerade noch rechtzeitig, stopfte die Oblate in den Mund und flüchtete, im gleichen Maße verlegen wie gerötet, schnell zurück auf ihren Platz. In den nachfolgenden Minuten war sie sehr beschäftigt. Sie kaute und schluckte, schluckte und kaute und warf mir über die Schulter einen hilflosen Blick zu. Ich konnte ihr leider nicht helfen.
Kaum stand sie nach Ende der Messe draußen vor der Kirche, benahm sie sich so gar nicht mehr feierlich. Denn die Oblate klebte noch immer fest. A. vergaß alle Hemmungen und geradezu in sträflicher Weise den Herrn von und zu Knigge und strich bei weit geöffnetem Mund mit drei gespreizten Fingern am Gaumen entlang. Zum Glück erwischte sie den Störenfried sofort. Resolut kratzte sie ihn ab, schob ihn weit nach hinten auf die Zunge und schluckte nochmals nachdrücklich. Es klappte. Toll, endlich war die Oblate weg. Erleichtert schaute sie in die Runde. Kritisch die Finger betrachtend, überlegte sie kurz und schleckte sie dann, für alle Umstehenden zu beobachten, langsam, weil wohl umso gründlicher, der Reihe nach ab. Jetzt waren sie anscheinend ihrer Meinung nach wieder sauber. Derweil hätten sich Omi, Oma und der Opi am liebsten vor Scham in ein Mauseloch verkrochen. Der Clou jedoch sollte aber erst noch folgen. In Lautstärke 300 stellte A. fest:
„Mama, der liebe Gott schmeckt aber nach rein gar nichts!!!“
Wir beeilten uns daraufhin, möglichst schnell das Weite zu suchen, bevor sie noch …
Auf der Heimfahrt wurde unser Starlet zunehmend fröhlicher. Vielleicht hatte sie ja bereits eine Idee, wie sie nachher möglichst viele Kuchenstücke für sich reservieren könnte. Denn es war ihre Feier, demnach also ihr Kuchen ...