Senor Wunnebar!!
Von
tastifix
Montag 19.07.2021, 13:05 – geändert Dienstag 10.08.2021, 07:18
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
tastifix
Montag 19.07.2021, 13:05 – geändert Dienstag 10.08.2021, 07:18
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Das Essen im Hotel entspricht nicht so ganz unseren Vorstellungen. Also sehen wir uns mittags nach einem Imbiss um. Schon bald werden wir fündig. Beim Lesen des Restaurantnamens fühlen wir uns plötzlich eigenartig heimisch:
´Bottroper Treff.`
Er bietet zwar nur sechs Tische, aber dagegen einen 107-bener Bildschirm an der Wand, über den, kommentiert in deutscher Sprache, die Olympiade flimmert.
Wir studieren die Speisekarte. Eigentlich hätten wir ausschließlich spanische Gerichte kosten sollen … Doch die Versuchung ist zu groß: Die Speisekarte präsentiert sich nämlich als ein wahrer Menü-Engel und lockt mit deftiger deutscher Hausmannskost.
„Sogar Kartoffelsalat!!"
Cool! Bei der Affenhitze von weit über 30 Grad genau das Richtige.
Schon tänzelt der Wirt heran.
„Wunnebar! Junge Frau (ähem!), junger Mann (ähem!). Was möchten Sie essen?"
„Bockwurst mit Kartoffelsalat!"
„Wunnebar! Alles frisch, mhmm!“
Er wirft Kusshände in Richtung der Theke. Überhaupt redet er pausenlos und mit Händen und Füßen. Dazu, uns mal allein in Ruhe unterhalten zu können, gönnt er uns keine Chance.
„Mama bella, macht alles frisch. Ich bin schon seit 39 Jahren in der Gastronomie. Große Hotels - Essen nicht gut, aber wir machen alles selber, alles frisch ... Oma und Mama!"
Wir nicken und sehnen den Kartoffelsalat herbei.
Zehn Minuten später bringt er Besteck und Servietten:
„Wunnebar! Junge Frau, junger Mann. Bitteschön!"
Wir danken.
Dann endlich serviert er jenes Küchen-Wunderwerk. Der Salat schmeckt hervorragend.
„Der ist prima!"
„Ich habe ja gesagt: Mama und Oma alles selber, frisch, nicht wie in Hotelküche."
„Der ist leckerer als so manch ein Kartoffelsalat in Deutschland!!"
Der Wirt flippt fast aus vor Stolz, betont nochmals, wie wunnebar alles sei: Wir wunnebar, Speisekarte wunnebar und vor allem Mama und Oma.
„Ich - seit bereits 39 Jahren in der Gastronomie. Aach, alles frisch, wunnebar!"
„Wir kommen morgen wieder!"
„Wuunnebaar!!"
Am nächsten Tag erkennt er uns schon von weitem und empfängt uns mit ausgebreiteten Armen.
„Aah, junge Frau! Aah, junger Mann! Alles gut?"
Fürsorglich blickt er uns in die Augen. Eilig bestätigen wir ihm, dass es uns hervorragend geht. Wir hoffen, so den Redeschwall ein wenig abkürzen und dann etwas eher den köstlichen Salat genießen zu dürfen.
Doch da haben wir Senor Wunnebar, wie wir ihn nennen, beträchtlich unterschätzt. Der ist nämlich nicht zu bremsen und verwickelt uns in ein tiefsinniges Gespräch. Eigentlich ist es eher ein mehr als temperamentvolles Solo. Die Tiefsinnigkeit springt vom 10000m-Lauf auf dem Bildschirm zum zunehmend ersehnten Kartoffelsalat und wieder zurück.
„Aah! Wunnebar: Eine Medaille! - Junge Frau, junger Mann, Kartoffelsalat kommt gleich. Mama macht alles selber. Wunnebar!"
Die Kusshände nehmen kein Ende. Ich bin heilfroh, dass er mich damit verschont.
Auch diesmal schmeckt es vorzüglich. Auch diesmal zeigen wir unsere Begeisterung deswegen.
„Also wirklich: Toll!!"
Mit diesem Lob haben wir Senor Wunnebar in sein Element befördert. Er legt los:
„Wunnebar, aah, sag` ich doch! Essen in große Hotel nicht gut! Aber wir machen alles selber, alles frisch. Mama und Oma! Einfach wunnebar!! Ich arbeite bereits seit 39 Jahren in der Gastronomie usw. … usw. ..."